Frisches Gemüse vom Wochenmarkt gibt es in Möhringen vom 2. Januar an im Spitalhof und nicht mehr auf dem Oberdorfplatz. Foto: dpa/Julian Stratenschulte

Die Händler sind in Stuttgart-Möhringen künftig zweimal die Woche im historischen Spitalhof zu finden. Das führt zu einigem Unmut, vor allem wegen der Parkplätze. Doch ist die Kritik berechtigt?

Möhringen - Ein Schild hat Aufsehen erregt. Am Rand des Möhringer Wochenmarkts informieren seit Kurzem Aufsteller darüber, dass die Händler vom 2. Januar an nicht mehr rund um die Martinskirche am Oberdorfplatz, sondern im historischen Spitalhof an der Filderbahnstraße zu finden seien. „Wir freuen uns auf Ihren Besuch“, ist darunter zu lesen. Die Plakate unter Plastikschutz stammen von der Märkte Stuttgart GmbH. Deren Geschäftsführer Thomas Lehmann bestätigt die Verlegung des Wochenmarktes. Ad hoc getroffen worden sei diese Entscheidung aber keineswegs.

„Das Thema ist schon seit Jahren in der Diskussion“, sagt Lehmann. Ausgangspunkt sei die Schließung des Drogeriemarkts Müller gewesen. Damit sei an der Filderbahnstraße ein Kundenmagnet weggefallen. Es habe sich die Frage gestellt, wie man die Einkaufsstraße wieder beleben könnte. Die Wirtschaftsförderung Stuttgart und der Gewerbe- und Handelsverein (GHV) Möhringen seien daraufhin an den Bezirk herangetreten und hätten den Umzug des Wochenmarktes in den Spitalhof vorgeschlagen. Das bestätigt der GHV-Vorsitzende Christian Dempf. Mehr noch, erste Überlegungen habe es schon viel früher gegeben. Nämlich vor etlichen Jahren, als es um den Bau einer Tiefgarage unter dem Spitalhof gegangen sei. „Aus den Plänen wurde damals nichts“, sagt Dempf und fügt „leider“ hinzu.

Weder Beschicker noch Kunden seien gefragt worden

Für den einen oder anderen Möhringer kommt die Verlegung des Wochenmarktes jetzt dennoch überraschend. Und es gibt Kritik. Weder die Beschicker noch die Kunden seien gefragt worden, heißt es in einer Mail an unsere Zeitung. Das Hauptproblem aber seien die Parkplätze. „Es gibt um den Spitalhof herum keinerlei vergleichbare Parkplätze wie um die Kirche“, schreibt eine Möhringerin. Sie ergänzt: „Es können nicht alle Leute mit dem Fahrrad oder zu Fuß auf den Markt kommen und dort für ihre Familien Kartoffeln, Zwiebel, Obst, Eier, Fleisch, Fisch einkaufen und per Hand nach Hause transportieren.“ Die meisten seien mit dem Auto da. „Wenn man einmal einen Samstagvormittag um den Markt erlebt hat, weiß man, welcher Betrieb dort herrscht und dass oft alles auch etwas verkehrswidrig zugeparkt ist“, schreibt die Leserin unserer Zeitung.

Für Christian Dempf ist genau das der Punkt. Ihm ist in den vergangenen Tagen auch Kritik an der Verlegung des Wochenmarktes zu Ohren gekommen – und in aller Regel sei es dabei um die Parkplätze gegangenen. „Rund um den Spitalhof ist die Situation aber besser, als sie jetzt ist“, sagt er. Denn derzeit würden viele illegal parken und sich dann ärgern, wenn sie dafür einen Strafzettel bekämen. Es habe gar die Forderung gegeben, dass Polizei und Ordnungsamt da ein Auge zudrücken. „Aber da muss kontrolliert werden. Denn oft sind die Gehwege so zugeparkt, dass man zum Beispiel mit einem Rollator gar nicht mehr durchkommt“, sagt Dempf.

Er habe den Eindruck, dass diejenigen, die gegen einen Umzug des Marktes seien, nun Stimmung machen würden. „Aber wir haben viele Jahre dafür gekämpft. Viele befürworten die Verlegung. Es macht den Ort attraktiver“, sagt er.

Dem neuen Standort eine Chance geben

Auch der Möhringer Bezirksvorsteherin liegt eine Beschwerde-Mail vor. Doch die Parkplatzsituation sei rund um den Spitalhof nicht schlechter als rund um die Martinskirche, sagt Evelyn Weis. Ebenso wie Thomas Lehmann und Christian Dempf verweist sie auf die Jahre zurückreichenden Überlegungen zu einer Verlegung des Wochenmarktes. Gescheitert seien diese aber lange Zeit daran, dass es im Spitalhof keinen adäquaten Stromanschluss gegeben habe. Mittlerweile ist dieser vorhanden – nicht nur, aber auch für den Wochenmarkt und dank der finanziellen Unterstützung des Bezirksbeirats, der Märkte Stuttgart GmbH und der Wirtschaftsförderung. „Das Ziel ist es, das Beste für den Bezirk herauszuholen. Ich sehe die Vorteile und kann mir gut vorstellen, dass Synergieeffekte zwischen dem Wochenmarkt im Spitalhof und den Läden an der Filderbahnstraße entstehen“, sagt Weis. Man müsse nicht immer alles schlecht reden, sondern solle dem neuen Standort erst einmal eine Chance geben.

So sieht das auch Thomas Lehmann. „Wir wollen das jetzt mal probieren. Und wenn es nicht funktioniert, können wir ja auch wieder zurück an den alten Standort“, sagt er. Dass die Beschicker nicht gefragt worden seien, sei im Übrigen falsch. Die Mehrheit der insgesamt neun Händler habe sich für die Verlegung ausgesprochen – „wenn auch eine knappe Mehrheit“, fügt Lehmann hinzu. Eine Kundenbefragung habe es aber tatsächlich nicht gegeben, räumt der Geschäftsführer der Märkte Stuttgart ein. „So etwas ist immer schwierig“, sagt er. „Für mich stellt es sich doch so dar, nach einigen Gesprächen mit Möhringer Bürgern, dass das hinter dem Rücken der Marktbesucher geschah“, heißt es dazu in der Mail der verärgerten Bürgerin an unsere Zeitung.

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