OB Wolfgang Schuster freute sich am Montagabend im Rathaus bei der Einbürgerungsfeier über die steigende Anzahl der Einbürgerungen. Im vergangenen Jahr erhielten 1388 Migranten in Stuttgart die deutsche Staatsbürgerschaft. Das sind zehn Prozent mehr als im Jahr davor. Welche Nationen bekamen den deutschen Pass? Klicken Sie sich durch unsere Statistik. Foto: Petsch

Die Zahl der Einbürgerungen in Stuttgart steigt wieder – Kampagne der Stadt zeigt Wirkung

Stuttgart - Die Stadt kämpft seit zwei Jahren gegen die sinkende Zahl der Einbürgerungen - mit Erfolg. Im vergangenen Jahr erhielten 1388 Migranten in Stuttgart die deutsche Staatsbürgerschaft - zehn Prozent mehr als im Jahr davor. OB Wolfgang Schuster freute sich am Montagabend im Rathaus über diesen Trend.

Der große Sitzungssaal im Rathaus ist brechend voll, einige Besucher müssen auf die Empore ausweichen. Oberbürgermeister Wolfgang Schuster hat alle Stuttgarter Migranten, die im letzten Jahr die deutsche Staatsbürgerschaft bekommen haben, eingeladen. Die Zahlen der eingebürgerten Menschen in Stuttgart sind wieder gestiegen - wie auch der Andrang bei der Feier zeigt. "Eine Stadt bedeutet für mich eine Gemeinschaft", so Schuster. Er freue sich, dass 1388 Menschen im Jahr 2010 beschlossen haben, zu dieser Gemeinschaft mit allen Rechten und Pflichten gehören zu wollen - zehn Prozent mehr als im Jahr zuvor. Dabei kamen die meisten Neubürger aus Serbien und dem Kosovo, gefolgt von der Türkei und dem Irak.

Migranten massiv umworben

90.000 Migranten in Stuttgart würden die Voraussetzungen für einen deutschen Pass erfüllen. Das sind 70 Prozent aller Ausländer in der Landeshauptstadt. Sie müssen seit mindestens acht Jahren in Deutschland leben und einer Arbeit nachgehen. Von OB Schuster werden sie seit zwei Jahren massiv umworben - mit Erfolg. Die Zahl der Eingebürgerten ist gestiegen. Dieses Jahr wird wohl die höchste Einbürgerungszahl seit 2006 in Stuttgart erreicht werden.

"Durch die Kampagne haben die Migranten gemerkt, dass sie hier in Stuttgart willkommen sind", sagt der Integrationsbeauftragte Gari Pavkovic. Verschiedene Informationsveranstaltungen im Rathaus, aber auch an anderen Orten, wie zum Beispiel in der Yeni-Camii-Moschee in Feuerbach, haben Wirkung gezeigt. "Nach unseren Veranstaltungen standen die Leute bei uns im Amt Schlange", sagt Pavkovic. Auch die 4000 Briefe, die das Rathaus dieses Jahr verschickt hat, haben das Interesse der ausländischen Bürger geweckt. "Durch die direkte Ansprache in den Briefen fühlen sich die Menschen in dieser Stadt willkommen und wollen deshalb richtig dazugehören", sagt Andreas Deuschle vom Einbürgerungsamt. Dabei richten sich die Briefe erst einmal an die Altersgruppe zwischen 20 und 40 Jahren. "Bei den Jüngeren ist das Interesse erfahrungsgemäß größer", sagt Pavkovic.

EU-Staatsbürgerschaft muss nicht abgegeben werden

In den Jahren zuvor hatte das in Stuttgart anders ausgesehen: Die Zahl der Einbürgerungen war stetig gesunken. Damit lag Stuttgart im Deutschlandtrend. Das neue Staatsbürgerschaftsrecht, das seit dem Jahr 2000 in Deutschland gilt, sollte die Einbürgerung eigentlich vereinfachen. Doch viele Ausländer konnten sich dennoch nicht zu diesem Schritt überwinden - auch weil sie nicht ausreichend informiert waren. Eine große emotionale Hürde waren die Sprach- und Einbürgerungstests, die seit 2008 Pflicht sind, vermutet Deuschle. Dabei würden die meisten den Test ohne Probleme bestehen. Wenn die Einwanderer bereits mindestens einen Hauptschulabschluss in Deutschland gemacht haben, müssen sie den Test ohnehin nicht mehr machen.

Doch ein weitere Hürde muss genommen werden: "Das größte emotionale Hindernis bestand in der Angst, die alte Staatsbürgerschaft zu verlieren", sagt Pavkovic. Vielen EU-Bürgern sei nicht klar gewesen, dass sie ihre alte Staatsbürgerschaft nicht aufgeben müssen. In Ausnahmefällen können auch Migranten aus Drittstaaten ihre frühere Staatsangehörigkeit behalten. Durch die Informationsveranstaltungen, die auch in Zukunft weitergeführt werden, soll der Trend aber nachhaltig gestoppt werden. "Wir sehen es als Kompliment, dass viele Migranten in Stuttgart leben wollen und sich hier wohlfühlen", sagt Oberbürgermeister Wolfgang Schuster. In Stuttgart würden 120 verschiedene Sprachen gesprochen. "121, wenn man Schwäbisch mitzählen will", scherzt Schuster. Er appelliert an die Neubürger, sowohl ausreichende Deutschkenntnisse als auch die Muttersprache an die Kinder weiterzugeben. Im Anschluss an die Rede des Oberbürgermeisters wird es dann noch einmal feierlich, als ein Orchester die Nationalhymne anstimmt. Die Neubürger erheben sich von ihren Plätzen und singen gemeinsam. Textsicher sind die wenigsten, aber mit Hilfe des Liedtextes auf dem Programmzettel meistern die meisten auch diese Hürde problemlos.

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