Roland Hübner aus Schlierbach engagiert sich für Oikocredit. Die Genossenschaft hilft Menschen aus der Armut. Dem früherem Bankfachmann und Unternehmensberater kommt es bei seiner Geldanlage vor allem auf die soziale Rendite an.
Schlierbach - Roland Hübner kennt sich aus mit Kapitalanlagen und Dividenden. Der Schlierbacher war jahrzehntelang als Bankfachmann und Unternehmensberater tätig. Nichtsdestotrotz investiert er in eine Geldanlage, die auf den ersten Blick nichts bringt. Genau „null Ertrag“ kann er in diesem Jahr einstreichen. „Dafür habe ich eine soziale Rendite“, erklärt er. „Ich mache aus Geld ,gutes Geld’, indem ich mit einem alternativen Investment dazu beitrage, Entwicklungsländer stark zu machen“, sagt der Schlierbacher.
Begeistert erzählt Hübner die Erfolgsgeschichte der Biozuckerrohrfabrik in Manduvira in Paraguay, wo Mitglieder des Kleinbäuerinnenverbands sich den Traum von einer eigenen Zuckerfabrik verwirklicht haben. „Seit 2014 wird dort Rohrzucker produziert. Es ist gelungen, 200 Arbeitsplätze für die nachfolgende Generation zu schaffen und die Abwanderung einzudämmen.“ Die Fabrik sei nicht nur effizient, sondern auch umweltfreundlich und energieautark, denn die fasrigen Reste der Produktion werden verbrannt, um Wärme und Energie zu erzeugen.
Geld für Menschen, die sonst keinen Zugang dazu haben
Ermöglicht hat die Erfolgsgeschichte Oikocredit. Das ist die Genossenschaft, bei der Hübner investiert und ehrenamtlich seine Fähigkeiten einbringt. Er ist Vorstand und Schatzmeister des Oikocredit-Fördervereins Baden-Württemberg und kann genau erklären, wie Oikocredit funktioniert. „Als Genossenschaftler hat mich die Pionierleistung beeindruckt, die Armut auf der Welt zu reduzieren“, berichtet er. „Oikocredit schließt eine Lücke, die lokale Banken nicht abdecken. Die ökumenische Genossenschaft finanziert über Partner vor Ort Menschen, die sonst keinen Zugang zum Geld hätten.
Ein Beispiel ist Theresa Tamaro. Sie habe vor 15 Jahren einen Kredit von gerade mal 60 Euro bekommen, die es ihr ermöglichten, Trockenfische zu kaufen und in einem Korb, den sie sich um den Bauch schnallte, in Markthallen wieder zu verkaufen. Heute besitzt die Philippina zwei Tante-Emma-Läden, ein Zuckerrohrfeld und einen eigenen Lastwagen. Sie kann von ihrem Unternehmen leben und schaffte dazu auch noch Arbeitsplätze.
Über Spenden werden Milchkühe in Ruanda finanziert
Genau wie Angelie Topas, die mit einem Mikrokredit einen eigenen Friseursalon finanziert habe, mittlerweile neun Filialen betreibe und 40 Angestellte beschäftige.“ Hübner verdeutlicht: „Fast 90 Prozent der Kreditkunden sind Frauen, denen der klassische Weg über eine Bank meist versperrt ist.“ Es ist wie ein Kreislauf. Privatpersonen oder Organisationen können Geld bei der Genossenschaft Oikocredit anlegen. Voraussetzung dafür ist die Mitgliedschaft bei einem der Oikocredit-Fördervereine und eine Anlage von mindestens 200 Euro.
Das Geld wird über Oikocredit als Kredit vergeben. Dabei kann es sich auch um einen Kredit von nur 20 Euro handeln. Der Kreditnehmer zahlt nach und nach das Darlehen zurück, und die Anleger erhalten normalerweise eine kleine jährliche Dividende. Für 2020 haben die Mitglieder der Genossenschaft allerdings eine Null-Dividende beschlossen, da wegen Corona Geld benötigt wird, um die Partner zu unterstützen. Über Spenden werden beispielsweise Milchkühe für Kinder in Ruanda finanziert, deren Schulspeisung durch Corona entfalle. Lebensmittelgeld für Arbeitslose, Zusatzschulungen, Zahlungsaufschübe, Soforthilfegelder – viele kreative Maßnahmen bedürften in Krisenzeiten der solidarischen Investition.
Das entwicklungspolitische Engagement als Herzenssache
Für Roland Hübner, der schon seit seiner Jugend ehrenamtlich tätig ist und sich zusammen mit seiner Frau auch für die Kinderhilfsorganisation Plan International einsetzt, ist entwicklungspolitisches Engagement Herzenssache. Mit Oikocredit hat er das perfekte Pendant gefunden, sagt er, bei dem er als Ex-Banker seine Erfahrung und Kompetenz einbringen kann.