Stefan Häcker aus Rutesheim hat fast 200 Videospielkonsolen in seinem Keller. Viele davon zeigt der stellvertretende Feuerwehrchef bei einer Ausstellung.
Stefan Häcker hat ein außergewöhnliches Hobby: Er sammelt stationäre Videospielkonsolen aller Art. Mittlerweile besitzt er etwa 190 Stück, von alten Nintendo-Konsolen bis hin zur aktuellen Playstation. Jetzt will er mit einer Ausstellung in der Rutesheimer Christian-Wagner-Bücherei sein Wissen und seine Faszination mit anderen teilen.
Im normalen Alltag ist Häcker Unternehmensberater, stellvertretender Kommandant der Feuerwehr Rutesheim und Vater zweier Kinder. Aber in seiner „Man Cave“, wie er den eigens für sein Hobby eingerichteten Kellerraum seines Hauses nennt, ist er passionierter Sammler und Experte für alles rund ums Thema Spielekonsolen. Der Platz wird zwar langsam knapp, seine Sammlung wächst aber trotzdem stetig weiter. „Erst gestern habe ich eine neue Konsole geliefert bekommen“, erzählt Häcker stolz.
Im Jahr 1995, damals war er elf Jahre alt, legte er den Grundstein für seine Faszination: Er kaufte für 60 D-Mark seine allererste Konsole von einem Freund. Diese war damals schon etwas in die Jahre gekommen, deshalb wurde schnell klar, dass eine weitere her musste. „Mit Minijobs, etwa als Zeitungsbote, habe ich für einen Nintendo 64 gespart“, erzählt er.
Und so wurden es nach und nach immer mehr Konsolen. Im Jahr 2005 hat er damit begonnen, ältere Konsolen, die er zuvor zur Finanzierung anderer Geräte verkauft hatte, wieder zurückzukaufen. Und so waren sein Hobby und seine heute so beeindruckende Sammlung geboren.
Besucher können die Konsolen testen
Als Jugendlicher traf er sich mit seinen Freunden nach der Schule zum gemeinsamen „Zocken“, heute tauscht er sich mit anderen Sammlern aus. „Man braucht die richtigen Connections, um seltene Sammlerstücke zu finden“, sagt er.
Für Häcker bedeutet sein Hobby aber nicht nur virtuelle Unterhaltung. Er will seine Sammlerstücke dazu nutzen, so manches Vorurteil über Videospiele und Konsolen mit Hintergrundwissen zu brechen. Dazu präsentiert er vom 22. Februar an bei einer vierwöchigen Ausstellung in der Rutesheimer Christian-Wagner-Bücherei eine Auswahl seiner Konsolen. Da diese dank Häckers sorgfältiger Pflege alle voll funktionstüchtig sind, können sie vor Ort von den Besuchern getestet werden.
Videospiele aus der DDR
Neben Spiel und Spaß will Häcker mehr Aufmerksamkeit und Sensibilität für Videospiele und den richtigen Umgang damit schaffen. Dazu hat er mehrere Experten eingeladen. So wird zum Beispiel am 19. März Martin Holbach von der Bundeszentrale für Kinder- und Jugendmedienschutz darüber sprechen, wie Videospiele und andere Medien auf sensible oder jugendgefährdende Inhalte geprüft werden.
Auch Patrick Ernemann, Vorstand des Nintendo-Fanvereins BIG-N-Club ist zu Gast. Er führt am 6. März durch die Historie des japanischen Kultkonzerns Nintendo. Ein sehr spezielles Thema wird René Meyer, selbst langjähriger Sammler, am 15. März vorstellen: Heimcomputer und Videospiele in der DDR. Auch hier können die Besucher selbst verschiedene Spiele an den Originalkonsolen testen.
Brücke zwischen analoger und virtueller Unterhaltung
„Mit der Ausstellung will ich eine Brücke zwischen analoger und virtueller Unterhaltung schlagen“, erklärt Häcker. Deswegen hat er bewusst eine Bücherei ausgewählt. Er will Kinder und Jugendliche dazu bewegen, diese wieder öfter aufzusuchen und vor allem, wieder mehr zu lesen. Häcker ist fest davon überzeugt, dass Bücher und Videospiele viele Gemeinsamkeiten haben.
„Oft wird gesagt, Gaming sei verschwendete Zeit, aber das sehe ich anders“, meint Häcker. Denn genau wie beim Lesen tauche man auch bei Videospielen in eine andere Welt ein. Nur mit dem Unterschied, dass man dabei die Möglichkeit habe, diese nach den eigenen Vorstellungen zu verändern, und bewusst in Handlungen eingreifen könne. Das könne die persönliche Entwicklung vieler Kinder und Jugendlicher positiv beeinflussen und neben der eigenen Kreativität auch den Charakter stärken.
Eltern sollen Videospiel nicht verteufeln
Der passionierte Sammler ruft Eltern dazu auf, Videospiele nicht zu verteufeln, sondern sich bewusst mit ihnen auseinanderzusetzen. Denn für ihn ist klar: „Die Spiele und Konsolen haben einen Einfluss auf Kinder und Jugendliche. Und dieser kann durchaus positiv sein.“ Zudem könne zusammen an der Konsole verbrachte Zeit auch die Eltern-Kind-Beziehung verbessern.
Als zweifacher Vater weiß Häcker ganz genau, wie wichtig es ist, zu wissen, mit welchen Videospielen Kinder ihre Zeit verbringen. Man solle die Kinder nicht einfach den Spielen überlassen, sondern gemeinsam mit ihnen die richtigen Spiele aussuchen.
Häckers Kinder nutzen beide eigene Smartphones, dürfen aber nicht jedes beliebige Spiel downloaden. Um vor Gefahren zu schützen, wird jedes Spiel gemeinsam unter die Lupe genommen. Entscheidend sei der sichere Zugang zu Videospielen.
Auf die Frage, wie er sein Hobby, sein Amt als Feuerwehrkommandant, Beruf und Familie unter einen Hut bekommt, antwortet Häcker schmunzelnd: „Die Spielzeit ist natürlich in den letzten Jahren etwas weniger geworden.“ Er versucht aber trotzdem, wenn es die Zeit zulässt, immer wieder mal mit alten Freunden ein paar Stunden an den Konsolen zu spielen.
Gezockt wird schon lange
Historie
Die ersten Spielekonsolen kamen bereits Ende der 1960er Jahre auf den Markt. Damals noch ohne wechselbare Spiele. Mit dem Aufkommen von Heimcomputern wurden die Konsolen schon totgesagt. In den 80ern betraten jedoch Atari, Nintendo und Sega die Bühne und sorgten wieder für Aufwind. Im Laufe der Zeit wurden die Spiele bunter und die Pixel kleiner. Zudem gab es nun auch tragbare Geräte mit wechselbaren Spielen wie den Gameboy. Anfang der 90er Jahre kam der große Sprung von zweidimensionaler Grafik auf 3-D.
Zur Ausstellung
Alle Vorträge finden jeweils ab 20 Uhr in der Christian-Wagner-Bücherei in Rutesheim statt. Für die Vorträge wird um vorherige Anmeldung unter 0 71 52 / 9 05 76 oder per E-Mail an buecherei@rutesheim.de gebeten. Die Exponate sind über den gesamten Zeitraum der Ausstellung zu den regulären Öffnungszeiten zugänglich. Der Eintritt ist sowohl für die Vorträge als auch die Ausstellung kostenlos.