Kornwestheim Wie in Sezuan nach guten Menschen gesucht wird und wie man über den Regen rappt, zeigen Schüler des Ernst-Sigle-Gymnasiums auf der Theaterbühne. Von Kathrin Radic-Volpert

Kornwestheim Wie in Sezuan nach guten Menschen gesucht wird und wie man über den Regen rappt, zeigen Schüler des Ernst-Sigle-Gymnasiums auf der Theaterbühne. Von Kathrin Radic-Volpert

Am Donnerstag- und Freitagabend wurde der Musiksaal des Ernst-Sigle-Gymnasiums kurzerhand zum Theater umfunktioniert. Dicht gedrängt sitzen Schüler und Eltern und halten vor Vorstellungsbeginn den Geräuschpegel mit Unterhaltungen konstant hoch. Doch plötzlich drehen sich alle um. Es wird ruhig. Der Grund ist ein spektakulärer Auftritt: Ein bunter Aufzug von Schauspielern läuft mitten durch den Saal in Richtung Bühne. Applaus ertönt und zwischen den Stuhlreihen wird ein wenig hin und her gerückt, um besser sehen zu können. Es wird dunkel und mit dem ersten Spotlicht beginnt Brechts Erzählung über den "Guten Menschen von Sezuan".

Wang der Wasserverkäufer alias Elftklässler Jamin Schäfer begrüßt die Zuschauer. Mit seinem lässigen T-Shirt mit der Aufschrift "Wasser" wirkt er konträr zum historisch anmutenden asiatischen Bühnenbild. Er sucht nach den drei Göttern, die Sezuan aufsuchen wollen. Sezuan ist eine Provinz, der "nur noch die Götter helfen können." Wang ist der einzige, der die Götter erkennt. Sie bitten ihn, ein Nachtquartier für sie zu finden, doch keiner will sie aufnehmen. "Verschone uns mit Deinen Göttern, wir haben andere Sorgen", tönt es aus allen Häusern. Der Verzweiflung nahe, fragt Wang schließlich bei der Prostituierten Shen Te an. Sie zeigt sich als "guter Mensch" und nimmt die Götter bei sich auf, obwohl sie dadurch einen Kunden verliert, mit dessen Bezahlung sie eigentlich ihre Miete zahlen will. Die Götter zeigen sich dankbar für ihre Gutmütigkeit und geben ihr am nächsten Morgen genug Geld, um damit einen eigenen Tabakladen zu eröffnen.

Doch mit den neuen Möglichkeiten begegnen dem "guten Mädchen" neue Probleme. Freunde nutzen sie aus, und immer öfter driftet sie ab in die von ihr gewählte Verkleidung als Shui Ta. Dieser stellt sich ihren Freunden als Shen Tes Vetter vor und benimmt sich wie das komplette Gegenteil eines guten Menschen.

Julia Schönthaler spielt diese zwiegespaltene Rolle. Mal tritt sie ganz als unschuldige Shen Te mit offenem Haar auf, mal als zynischer Vetter Shui Ta mit einem Zylinder auf dem Kopf. Als Shen Te im Regen ihren künftigen Ehemann, einen arbeitslosen Flieger, gespielt von Hans Gravenhorst, trifft, wird es laut im Saal. Drei Jungen treten auf die Bühne und rappen eine Ode an den Regen. Ein Element, das sich die Schüler des Ernst-Sigle-Gymnasiums selbst ausgedacht haben, um das Stück ein wenig aufzulockern.

Zusammen mit den beiden Lehrerinnen Renate Held und Julia Ibe hatten sie seit den letzten Sommerferien an dem Stück geprobt. "Die Aufregung war schon groß", sagt Julia Ibe. Und auch Hauptdarstellerin Julia Schönthaler gibt zu, dass sie vor den ersten Schritten auf die Bühne nicht gerade die Ruhe selbst war. "Unser Wasserverkäufer hat ein wenig Wasser über die Bühne geschüttet", berichtet Julia Ibe von ein paar Startschwierigkeiten, die dem Publikum jedoch gar nicht auffielen.

In der Abschlussszene des Stücks sammeln sich schließlich alle Mitwirkenden auf der Bühne. Der "gute Mensch von Sezuan" hat einiges durchlitten, und das Ende will nicht so recht glücklich wirken. Den Zuschauern wird also erklärt, dass sich für das Stück kein anständiger Ausgang finden will, und sie sich doch bitte selbst ein Ende ausdenken soll. Am Donnerstagabend zögerte das Publikum nicht lange: Mit langem Applaus für die Darstellerinnen und Darsteller wurde ein Happy End eingeläutet.

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