Hedelfingen bekommt eine Stadtteilbibliothek. Sie soll in die neue Versammlungshalle integriert werden. Vorab ist eine Pop-up-Bibliothek in der BW-Bank-Filiale möglich.
Bislang müssen Leserinnen und Leser aus Hedelfingen auf die Fahrbibliothek warten. Das mobile Angebot der Stadtbibliothek ist beliebt, macht aber nur kurz, nämlich samstags von 11.15 Uhr bis 13 Uhr, in der Amstetter Straße Station – wenn der Standplatz nicht schon zugeparkt ist.
Bibliothek für die Zukunft
Ein zukunftsorientiertes Angebot sieht anders aus. Das haben auch die Stadträte begriffen. Bei den Etatberatungen Ende 2021 beschlossen sie fraktionsübergreifend, dass geprüft werden soll, ob in jenen Stadtbezirken, die keine eigene Bibliothek besitzen, eine eingerichtet werden könnte. „Wir haben die Situation in Hedelfingen, Wangen, Obertürkheim und Birkach untersucht“, sagt Katinka Emminger, die Direktorin der Stadtbibliothek. Die nächstgelegenen Stadtteilbibliotheken für die Hedelfinger liegen in Stuttgart-Ost und in Untertürkheim. Zu weit für junge und erwachsene Leseratten.
In neue Turnhalle integrieren
Deswegen überlegten Emminger und ihre Mitarbeiterinnen, wo in Hedelfingen eine Außenstelle eröffnet werden könnte. Der Zeitpunkt ist günstig. Stuttgarts Ämter und die Hedelfinger planen gerade den Bau einer neuen Turn- und Versammlungshalle in der Hedelfinger Straße. „Vielleicht könnte in den Komplex auch die künftige Stadtteilbibliothek integriert werden“, meinten Emminger und Hedelfingens Bezirksvorsteher Kai Freier. Münster könnte als Vorbild dienen. Die kleinste der 18 Stadtteilbibliotheken ist Teil des Sport- und Kulturzentrums in der Moselstraße. Beim Vorortbesuch haben sich Hedelfingens Bezirksbeiräte von der Kooperation überzeugt. „Moderne Nachbarschaftsbibliotheken sind heute längst mehr als ein Ort, an dem man Bücher ausleihen kann“, sagt Emmingers Kollegin Elke Brünle. „Sie sind Orte des Lernens, in dem Workshops angeboten werden, Orte der Begegnungen und der Kultur.“ Gerade in Stadtbezirken, in denen der Anteil der Bonuscard-Nutzer höher sei, und in denen Kinder Lernräume für Homeschooling oder Teamarbeiten benötigen, könnten die Stadtbibliotheken diese Lücken schließen.
Synergieeffekt nutzen
Als Vision für eine künftige Hedelfinger Außenstelle hält Emminger rund 600 Quadratmeter Fläche in der neuen Turn- und Versammlungshalle für wünschenswert. Rund 20 000 Medieneinheiten – für Jung und Alt – könnten dann angeboten werden. „Wir würden an fünf Werktagen in der Woche – inklusive samstags – öffnen. Eine automatische Medienrückgabe und ein intelligenter Medienschrank stünden zur Verfügung“, so Emmingers Vision. „Das Zusammenspiel und die Synergieeffekte mit der Versammlungshalle wären ideal“, waren sich Hedelfingens Bezirksbeiräte einig. Allerdings: Bis der Neubau zunächst geplant und dann gebaut ist, vergehen noch einige Jahre.
Interimslösung in Bankräumen
Deswegen kommt Hedelfingen vielleicht vorab in den Genuss einer Innovation: der ersten Pop-up-Bibliothek in Stuttgart. „In Wien, München und anderen Städten feiern diese Einrichtungen Erfolge“, sagt Brünle. Die beiden Stadtbibliotheksverantwortlichen finden diese Alternative als Übergangslösung auf Zeit ebenfalls reizvoll. Sie haben bereits einen Raum in Aussicht: die Filiale der BW-Bank in der Amstetter Straße. Erste Gespräche wurden geführt – noch müssen einige Fragen geklärt werden. Der Service-Bereich der BW-Bank mit den Automaten bliebe erhalten, die Bibliothek könnte den leer stehenden Schalterbereich und eventuell den Tresorraum für ihre Zwecke nutzen. Die Verhandlungspartner und Kai Freier sind zuversichtlich. „Der Standort am Hedelfinger Platz ist ideal. Durch die Pop-up-Bücherei würden sonst leer stehende Räume wiederbelebt“, so Freier. „Sie würde der künftigen Stadtteilbibliothek in der Turnhalle den Weg bereiten“, schwärmt Emminger.