Eine Blitzgerät wird vom Eichamt Fellbach überprüft. Bei einem Vororttermin wurde gezeigt, was da genau zu tun ist. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Das Eichamt Fellbach unterzieht in der Prüfhalle Stuttgart Messgeräten der Verkehrsüberwachung einer strengen Kontrolle. Wie diese genau aussieht, haben sie bei einem Termin vor Ort gezeigt.

Stuttgart - Wenn es blitzt, wird es oft schmerzhaft. Drastische Geldbußen, Punkte in der Flensburger Verkehrssünderdatei oder gar der Verlust der Fahrerlaubnis. Das sind alles mögliche Folgen einer Verkehrsüberwachung. Und die basiert in aller Regel auf Ergebnissen von Messgeräten. Dass diese technisch korrekt funktionieren müssen, ist für alle Beteiligten von größter Wichtigkeit. Entsprechend penibel ist die Prüfung der Anlagen. Jährlich ist eine Eichung nötig. Viele dieser Messgeräte zur Verkehrsüberwachung werden vom Eichamt Fellbach in Stuttgart geprüft.

„Messwerte müssen verlässlich sein“, sagt Klaus Tappeser. Er ist Präsident des Regierungspräsidiums Tübingen, dem der Landesbetrieb Eich- und Beschusswesen Baden-Württemberg (EBBW) als eigene Abteilung unterstellt ist. Von Tübingen aus wird für ganz Baden-Württemberg die Eichung und Prüfung von Messgeräten koordiniert, die Verkehrsüberwachung ist dabei nur ein Teil der Tätigkeitspalette. Eine von zehn EBBW-Dienststellen ist das Eichamt Fellbach, wo schwerpunktmäßig die Prüfung der Geschwindigkeitsmessgeräte angesiedelt ist. In der Prüfhalle Stuttgart in der Reitzensteinstraße werden viele der Anlagen auf Herz und Nieren untersucht. im Jahr 2018 waren es landesweit mehr als 2000 solcher Anlagen. Dazu gehört auch das videobasierte Nachfahrsystem, wie die zur mobilen Verkehrsüberwachung umgerüsteten Fahrzeuge (20 solche Autos sind derzeit landesweit im Einsatz) bezeichnet werden.

Etwa zwei Stunde für die Prüfung eines Geräts

„Die einzelnen Bauteile werden überprüft. Und wir simulieren auch eine Messung“, sagt Erich Mainz, Leiter der Fellbacher Eichamts. Die Eichung eines Laser-Lichtschranken-Geschwindigkeitsmessgeräts im Standardformat dauert pro Anlage normalerweise zwischen zwei und zweieinhalb Stunden. „Bei komplizierteren Anlagen kann auch schon mal die dreifache Zeit anfallen“, so Mainz.

Ist irgendetwas nicht in Ordnung, werden die Geräte nicht etwa vor Ort in den technisch korrekten Stand zurückversetzt. „Das muss der Hersteller machen, bei uns wird nur geprüft“, stellt EBBW-Gesamtleiter Uwe Alle klar. Dass die Zahl dieser Rückgaben „vernachlässigbar klein“ sei, wie Klaus Tappeser mitteilt, habe eher mit Formalien wie die Unvollständigkeit geforderter Unterlagen zu tun als mit tatsächlichen technischen Mängeln. „Selbstverständlich müssen auch diese formalen Mängel abgestellt werden, bevor ein solches Messgerät geeicht und verwendet werden darf“, geht Alle auf Nummer sicher, ehe das Eichsiegel vergeben wird.

Messgeräte liefern reelle Werte

Klaus Alle spricht von einer „kostenlosen Dienstleistung von uns für die Polizei“. Die Ordnungshüter sind ebenso wie der Regierungspräsident dankbar. „Der Bürger kann sich darauf verlassen, dass die Messgeräte reelle Werte liefern, und auch die Polizei kann sich sicher sein“, sagt Klaus Tappeser. Mit Zufriedenheit stellt er fest, dass Rechtsanwälte von Verkehrssündern von ihren Versuchen, die Messwerte juristisch anzufechten, mangels Erfolgsaussicht inzwischen meist Abstand genommen haben.

„Die versuchen dann eher beim Drumherum einzuhaken“, sieht Tappeser die anwaltlichen Bemühungen, den korrekten Ablauf einer Verkehrskontrolle in Zweifel zu ziehen. Aber auch das scheint nur der Griff nach dem berühmten Strohhalm zu sein. „Die bei der Verkehrsüberwachung eingesetzten Beamten sind speziell dafür geschult, außerdem werden die technischen Aufbauten der Anlagen strengstens kontrolliert und dokumentiert“, sagt Polizeioberkommissar Roman Basista. Am besten also, man hält sich an die vorgegebene Geschwindigkeit.

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