Im „Alten Pfarrhaus“ und im Neubau an der Mauer des Zehntscheuerhofes residiert nun die Bücherei. Die Besucher können nach Herzenslust schmökern. Foto: factum/Weise

In ein Gebäude aus dem 16. Jahrhundert und in einen Anbau zieht die Bücherei ein, die ihren Bestand erweitert. Die Gemeinde investiert mehr als 2,2 Millionen Euro.

Ehningen - Die Gemeinde Ehningen hat wieder ein geistiges Zentrum. Unweit der evangelischen Kirche und den Schulgebäuden aus längst vergangenen Tagen ist mitten im Ortskern ein Gebäudeensemble entstanden, in dem nun die Bücherei eingezogen ist. In ihrem

früheren Domizil, in der Fronäckerschule, wo sie in zwei Klassenräumen untergebracht war, ist sie zuletzt aus allen Nähten geplatzt. Stattdessen werden die Leseratten nun an der stattlichen Mauer des Zehntscheuerhofes empfangen, wo ein Neubau errichtet wurde, der das sanierungsbedürftige „Alte Pfarrhaus“ ergänzt. Am kommenden Donnerstag ist die feierliche Eröffnung mit geladenen Gästen, am Sonntag, 8. November, Tag der offenen Tür.

Einziger Wermutstropfen: das architektonische Kleinod wird nun doch etwas mehr kosten als die ursprünglich veranschlagten 1,8 Millionen Euro. „Wir haben den Kinder- und Jugendbereich im Anbau der Bibliothek noch zu einem Mehrzweckraum ausgebaut“, sagt der Stuttgarter Architekt Peter Schell. Im Zuge dessen seien zusätzliche Rettungswege notwendig geworden. Dazu seien die Preissteigerungen beim Baumaterial gekommen und die aufwendigen Sanierungsarbeiten der Zimmerleute. Die zuletzt angesetzten Kosten von 2,2 Millionen Euro würden wohl noch etwas überschritten werden, meint Schell.

Sechs Mal mehr Fläche

„Die Investition in das Schmuckstück lohnt sich, wir möchten es künftig als Kulturtreff nutzen“, sagt der Bürgermeister Claus Unger. Die geplanten Lesungen und musikalischen Soiréen und Matinéen sollen bis zu 70 Gäste besuchen können. Für die Bewirtung ist eine Küche eingerichtet worden. Fast drei Jahre lang werkelten die Handwerker, um einen Anbau an das 1551 errichtete, denkmalgeschützte „Alte Pfarrhaus“ zu schaffen und die drei Etagen im Inneren miteinander zu verbinden, die mit einem Aufzug barrierefrei zu erreichen sind. Glasfassaden sorgen für lichtdurchflutete Räume, alte Holzbalken, Natursteine und Lehmwände mit Weidenflechtwerk für ein gemütliches Ambiente.

„Statt bisher 100 Quadratmeter steht uns nun eine sechs Mal so große Nutzfläche zur Verfügung“, sagt die Büchereileiterin Dominique Hotzy – genügend Platz für Lesecken mit Sofas und Sesseln und sogar für ein Kinderzimmer mit Kuschelecke und Baldachin. Seit einem Monat ist die neue Bibliothek geöffnet und viel besucht. „Wir brauchen jetzt vier bis fünf Stunden, um die Bücher und Medien wieder aufzuräumen“, sagt Hotzy, früher sei das in zwei Stunden erledigt gewesen.

Wlan-Anschlüsse auf allen Stockwerken

Auf allen Stockwerken gibt es Wlan-Anschlüsse, an Terminals können die Leseratten selbst nach ihren Bücherwünschen suchen. „Historische Romane sind besonders bei den Älteren gefragt, die Jüngeren greifen zu Krimis“, berichtet die Bibliothekschefin Dominique Hotzy. Am meisten ausgeliehen würden Kinderbücher, aber auch Sachtitel über Kochen, Elternratgeber und Lernbücher werden häufig ausgewählt. Zuletzt seien die Ausleihzahlen jährlich im Durchschnitt um etwa fünf Prozent gestiegen, inzwischen gehen rund 100 000 Medien im Jahr über die Theke.

„Wir haben auf Wunsch unserer Besucher Zeitschriften abonniert und bieten neben CDs und Hörbüchern für Erwachsene und Kinder nun auch DVDs an“, sagt Hotzy. Bis zum Tag der offenen Tür wird der Bereich der Gesellschaftspiele noch eingerichtet. Auf einem der Tische im ersten Obergeschoss des Neubaus liegt bereits ein Mühlespiel. „Wir wollen, dass man sich hier treffen und ein paar Stunden miteinander verbringen kann“, erklärt Dominique Hotzy, „zu den willkommenen Gästen zählen natürlich auch Flüchtlinge.“

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