Das Ex-Klinikareal bietet günstigen Wohnraum mit Blick auf die Stadtkulisse. Foto: Gottfried Stoppel

Wie kommen die Arbeiten auf dem ehemaligen Klinikareal in Waiblingen voran? Ein Rundgang auf der Baustelle, die bis Ende 2021 vollendet sein soll und manche Überraschung parat hält.

Waiblingen - Dass hier fleißig gearbeitet wird, kann man nicht nur an den stetig wachsenden Gebäuden sehen – man kann es auch hören. Es hämmert, bohrt, sägt und lärmt auf dem Areal des ehemaligen Waiblinger Krankenhauses. Alle paar Minuten biegt ein Lastwagen von der Winnender Straße auf das Gelände ein, um Dämm- und Baumaterial anzuliefern. Kaum steht ein Laster, kurven auch schon Gabelstapler heran, um abzuladen – der Nächste bitte.

Die reibungslose Anlieferung des Materials gehöre zu den besonderen Herausforderungen dieser Baustelle, erzählt Michael Bolesch, der zuständige Projektsteurer der Rems-Murr-Kreis-Immobilien-Management-Gesellschaft Entlang der zur Baustelle führenden Winnender Straße gibt es keine Parkmöglichkeit, auf der Straße selbst können die Kolosse nicht stehen, weil sich umgehend ein Stau bildet. Und auch das Baustellengelände bietet kaum Platz, um zu parken.

Erdreich musste ausgetauscht werden

Eine weitere Herausforderung haben Michael Bolesch und sein Team schon hinter sich: Rund 280 Bodenproben mussten auf dem Gelände entnommen werden, weil Teile des Erdreichs verseucht waren – eine Folge der Nutzung als Krankenhaus. „Wir haben allein 180 000 Euro in die Dekontamination des Erdreichs gesteckt. Der Boden musste ausgetauscht werden“, erzählt Michael Bolesch. Um die 600 Liter Arsen habe man entsorgen müssen: „In den 1920er-Jahren wurde die Leichenwäsche wohl mit Arsen gemacht.“

Das Problem ist gelöst und ein weiteres, das Coronavirus, hat die Arbeiten bisher kaum beeinträchtigt. „Wenn der Innenausbau beginnt, wird es allerdings schwieriger, dann können nur noch zwei bis drei Leute gleichzeitig arbeiten“, sagt Bolesch. Dirk Braune, der Vorsitzende der Geschäftsführung der Kreisbaugruppe und somit einer der Bauherren, ist dennoch guter Dinge, dass bis zum Ende des kommenden Jahres alle Wohnungen auf dem Areal fertiggestellt sein werden. „Hier werden rund 450 Menschen wohnen“, sagt Dirk Braune. Und weil das komplette Gebiet mit Glasfaser erschlossen sei, werde Homeoffice kein Problem für die Bewohner sein.

Den Bau von 40 Mietwohnungen hat der Landkreis gefördert. „Wir sind der einzige Landkreis weit und breit, der Geld in die Hand nimmt, um Wohnungen zu bauen“, betont der Landrat Richard Sigel beim Rundgang über die Baustelle mit dem Landtagsabgeordneten Siegfried Lorek (CDU). Insgesamt 500 Wohnungen könne der Landkreis „solide finanzieren“.

33 Prozent unter dem Mietspiegel

Die Mieten für die geförderten 40 Wohnungen auf dem Klinikareal liegen laut Dirk Braune 33 Prozent unter dem Mietspiegel. Wobei man die geförderten Wohnungen „deutlich kompakter gebaut“ habe, was bedeute, dass eine Drei-Zimmer-Wohnung eher 65 Quadratmeter Fläche als 75 oder 80 habe. Auf diese Weise werde der Wohnbau bezahlbarer, sagt Dirk Braune, der für den Bau einer Mietwohnung 250 000 Euro veranschlagt. Weitere sechs Wohnungen sind als Gästeappartements gedacht, die angemietet werden können. Deren Betreuung übernimmt das Gästehaus Insel der Diakonie Stetten. „Und es gibt einen Gemeinschaftsraum für die Quartiersarbeit und für Feiern“, sagt Dirk Braune.

In Feierlaune dürften die Stadt Waiblingen und der Landkreis spätestens dann sein, wenn eine weitere Herausforderung auf dem Klinikareal gemeistert ist. Noch in diesem Monat, so hoffen der Landrat und der Waiblinger Oberbürgermeister Andreas Hesky, könnte bei einem Termin mit dem Landesbetrieb Vermögen und Bau, der unter anderem für die Unterbringung von Behörden zuständig ist, eine Einigung darüber gelingen, das bisher auf mehrere Standorte verteilte Amtsgericht Waiblingen in einem Neubau auf dem alten Krankenhausparkdeck anzusiedeln. „Das wäre eine Chance für Stadt, Kreis und Land“, sagt Hesky über das Justizzentrum. Letzteres stehe „ganz oben auf der Prioritätenliste des Justizministeriums“, versicherte Siegfried Lorek. Sollte es gelingen, noch offene Fragen bis Januar zu lösen, werde man versuchen, das Projekt in den Haushalt 2022 zu bringen.

Was auf dem Areal entsteht

Wohnbau:
Auf dem ehemaligen Krankenhaus-Areal in Waiblingen werden 222 Wohnungen sowie fünf Reihenhäuser gebaut. Entlang der Winnender Straße errichtet die Kreisbaugruppe 46 Mietwohnungen, 40 davon sind geförderte Wohnungen, die übrigen sechs dienen als Gästeappartements. Weitere 38 Wohnungen in der Alfred-Leikam-Straße hat die Kreisbaugruppe an einen Investor verkauft, der sie vermieten will. Das Siedlungswerk baut 73 Eigentumswohnungen, die GWG 65 Eigentumswohnungen sowie die fünf Reihenhäuser auf dem Gelände.

Verwaltung:
Im Gebäude entlang der Winnender Straße wird auch eine Kita mit vier Gruppen einziehen. Neben dem zentralen Grundbuchamt, das seit März 2016 im umgebauten ehemaligen Schwesternwohnheim sitzt, soll zudem möglichst rasch ein Neubau auf dem schon zu Klinikzeiten bestehenden Parkhaus platziert werden. Einziehen soll in diesen Bau das Justizzentrum, welches das derzeit auf etliche Standorte verteilte Amtsgericht Waiblingen unter einem Dach zusammenführt

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