T-Shirt und Wuschelfrisur: Ed Sheeran ist ein Superstar, doch das sieht man ihm nicht an. Foto: dpa

Superlative begleiten die Karriere von Ed Sheeran von Anfang an. Jetzt ist ein weiterer hinzu gekommen: Bei seinem bislang größten Konzert lässt sich der Pop-Held von knapp 100 000 enthusiastischen Fans feiern.

Hockenheimring - Mitsingen! Laut und ausgiebig bitte! Fürs schöne Singen sei er zuständig, sagt Ed Sheeran und erntet am Samstagabend tosenden Applaus von nahezu 100 000 Fans bei ersten Open-Air-Konzert am Hockenheimring; das zweite folgt am Sonntagabend. Und das machen die Fans dann auch. Sie bilden Fanchöre und klatschen, wenn er sie dazu auffordert, lassen ihre Handys leuchten oder hüpfen in die Luft. Ein beeindruckender Anblick. Es sei das größte Publikum, vor dem er in seiner bisherigen Karriere gespielt habe, sagt der Sänger und bedankt sich mehrmals dafür, dass alle gekommen seien, obwohl es zuvor geregnet hatte. Er lobt die Höflichkeit des deutschen Publikums, freut sich, dass es bei seinen Balladen so schön zuhören kann, und belohnt dies mit einer ebensolchen Höflichkeit.

Freundlich und entspannt kommt er ziemlich pünktlich um 21 Uhr auf die gigantische Bühne und beginnt seine Show, die er in den folgenden zweieinhalb Stunden völlig alleine bestreiten wird. Im Hintergrund laufen spektakuläre Visuals, die man zum Teil schon aus seinen Videos kennt.

Mit Gitarre und Loop-Pedalen mischt er sich seine Songs selbst auf der Bühne, spielt seinen eigenen Chor ein und legt dann seinen Gesang darüber, weshalb er zu Beginn der Show noch einmal erklärt, dass hier auch wirklich alles live sei und keiner auf die Idee kommen könnte, es handle sich um Playback. Und dann beginnt er zu singen. „Castle on the Hill“ ist der erste Titel. Er stammt von seinem letzten Album „÷ (Divide)“, das den Rahmen der Tour bildet, die nun schon seit März 2017 andauert, wie er sagt. Zwischendurch scheint er dennoch Zeit gefunden zu haben, eine neue Platte aufzunehmen, und so erscheint am 12. Juli sein viertes Album „No.6 Collaborations Project“. Die erste Singleauskopplung „I don’t care“ gibt er am Abend auch zum Besten, allerdings ohne Justin Bieber.

Ed Sheeran – das Pop-Phänomen

Vergleicht man die Qualität der im Studio aufgenommenen Stücke mit dem Live-Auftritt, so findet sich in beiden Fällen höchste Professionalität und Perfektion. Sicherlich ist das ein Grund für die Faszination, die das Pop-Phänomen Ed Sheeran ausübt. Mit diesem Namen waren in den vergangenen Jahren stets Superlative verbunden. Der aus dem nordenglischen Halifax stammende Sänger ist derzeit der erfolgreichste internationale Musiker überhaupt. Nicht zuletzt durch die Hilfe der neuen Medien. Seit 2016 hat er vier Grammy-Awards gewonnen. Einen erhielt er für „Divide“. Die Singleauskopplung „Shape of you“ hält mit 2,2 Milliarden Klicks den Aufrufrekord beim Musikstreamingdienst Spotify. Beim Videoportal Youtube liegt er mit 4,2 Milliarden Klicks auf Platz 2. Mehr Views schaffte bislang nur Luis Foncis „Despacito“. 2017 belegte Sheeran in den britischen Single-Charts 16 der ersten 20 Plätze, weil Verkäufe und Streams zusammengezählt wurden.

Ein weiterer Grund für seine Beliebtheit ist vermutlich die Attitüde, mit der der 28-Jährige daherkommt. Er präsentiert sich ohne Allüren, wie der Junge von nebenan, mit Wuschelfrisur und T-Shirt, als würde er immer noch Straßenmusik machen. Geschätzt 80 Prozent der Fans am Hockenheimring sind Frauen, und Lieder wie „Perfect“, „Dive“ oder „Photograph“ lassen sich gut beim Autofahren hören und später unter der Dusche weitersingen. Seine Lieder tun niemandem weh. Doch dass müssen sie auch nicht. Die Melodien von Ed Sheeran sind eingängig und leicht, ihre Themen sind Liebe, Freundschaft und Familie. Damit kann sich jeder identifizieren. Marimba-Klänge werden kombiniert mit Hip-Hop und Gitarren-Pop. Bestens geeignet für Zumba-Abende.

Echtes „Edventure“

Der Besuch eines Ed-Sheeran-Konzerts ist tatsächlich echtes „Edventure“. So muss man sich darauf einstellen, zwei Mal zwei Stunden zwischen Parkplatz und Autobahn in einer Reihe wartender Fahrzeuge zu stehen. Auch der Weg von den Parkplätzen, die um Hockenheim herum angelegt sind, bis zum Event-Gelände kann eine gute halbe Stunde dauern. Die Hockenheimer sind den wiederkehrenden Trubel und die wandernden Massen durch ihre Wohngebiete bei solchen Großveranstaltungen scheinbar schon gewohnt, und so ging es manch einer entspannt an und verkaufte den Konzertpilgern am Wegrand Würstchen und Getränke, was auch gerne angenommen wurde und die Stimmung aufrecht hielt.

Wegen der Regenschauer am Samstag waren viele bunte Plastik-Capes zu sehen. Gegen Abend klarte der Himmel dann doch noch auf, und über dem Gelände bildeten sich gleich zwei Regenbögen: Bekanntlich ist ja am Ende eines solchen immer ein Topf voller Gold zu holen, und so scheint Ed Sheerans Glückssträhne anzuhalten.

Anfang August wird der Musiker zwei weitere Konzerte in Hannover geben, von denen eines bereits ausverkauft ist. Auf der neuen Platte sollen Kooperationen mit Eminem, 50 Cent oder Bruno Mars zu hören sein. Es ist davon auszugehen, dass auch diese Stücke die Charts sprengen werden.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: