Eckart von Hirschhausen Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

In seinem neuen Programm „Endlich!“ beschäftigt sich der Comedy-Mediziner Eckart von Hirschhausen mit Anfang und Ende des menschlichen Lebens.

Stuttgart - Wo ist man denn hier gelandet? Erwachsene Menschen werfen bunte Riesenluftballons durch die Gegend, stupsen sie meterweit hinter sich, schleudern sie zu ihren Vordermännern, verfallen nahezu in Spielwut. Auch ein Doktor der Medizin hat es sich im Sessel bequem gemacht und beobachtet das Treiben. Eine psychiatrische Klinik wird’s wohl sein, was? Weit gefehlt: Es ist der Hegel-Saal der Liederhalle. Dr med. Eckart von Hirschhausen gastierte hier am Mittwoch mit seinem neuen Programm „Endlich!“

„Kind bleiben!“ lautet einer der Ratschläge des 50-Jährigen für ein langes Leben. Diesem Zweck sind die Ballons offenkundig dienlich, die Hirschhausen gegen Ende der Show von der Decke fallen lässt. Er ist der Überzeugung: „Wir sollten unser Dasein möglichst unterhaltsam gestalten!“ Denn falls die Theorie stimmt, der zufolge man nach dem Hinscheiden die Verfilmung der eigenen Biographie zu sehen bekomme, so wolle man sich dabei ja auf keinen Fall ein zweites Mal langweilen.

Hirschhausen beschäftigt sich mit der Zeit

Den Themen „Glück“, „Liebe“ und „Wunder“ hat er sich bereits auf vielfältige Weise angenommen: Der Berliner schreibt, singt und zaubert. Nun beschäftigt er sich mit der Zeit. In blauer Weste vor blauem Himmel auf der Bühnenwand sinniert er über Anfang und Ende. Und das Dazwischen, dessen Zeit man Fortschritt sei Dank heutzutage anderweitig nutzen kann, als sich bloß um die von der Natur vorgegebenen Aufgaben „Fortpflanzung“ und „Abschied“ zu kümmern. „Im Grunde kennt unser Körper nur zwei Programme: ‚Vermehr dich und verzieh dich!‘“, so Hirschhausen.

Er selbst nutzt seine Zeit, um auf Lobenswertes aufmerksam zu machen. So bittet er etwa alle Pflegerinnen und Pfleger darum, sich zu erheben, und das Restpublikum um einen Applaus. Zwar wisse er, dass man in Stuttgart eher stolz auf die hiesige Autoindustrie ist. Selbige sei aber streng genommen nur ein Zulieferer der Gesundheitsbranche. Da hat er Recht.

Der Komiker tanzt mit Greisinnen im Seniorenheim

Ferner führt der Komiker Einspieler vor, in denen Kinder Witze vorlesen oder er mit Greisinnen im Seniorenheim tanzt. Als Gründer der Stiftung „Humor hilft Heilen“ glaubt er an die der Gesundheitserhaltung zuträgliche Wirkung des Lachens und wird nicht müde, für gemeinnützige Organisationen zu werben und Spenden zu sammeln.

Ebenso hartnäckig weist er allerdings auch auf das neue Magazin mit dem kaum sperrigen Titel „Dr. v. Hirschhausens stern GESUND LEBEN“ hin - seit Anfang des Jahres gehört er mit Pro7-Kasper Joko Winterscheidt und Moderatorin Barbara Schöneberger zum zweifelhaften Kreis jener, die als Testimonial für ein Printmagazin herhalten dürfen. Eitelkeit lässt sich da kaum abstreiten.

„Geh mal Bier holen, du wirst schon wieder hässlich“

Die gereicht ihm auf der Bühne nicht zum Vorteil: Mitunter mimt Hirschhausen, dessen akademischer Grad selbstredend auch auf der Eintrittskarte zu lesen ist, einen unsympathischen Intellektuellen respektive das, was er sich darunter vorstellt. Wenn der Pianist Christoph Reuter, der sich über die Scherze, die er mit seinem Partner seit Wochen probt beziehungsweise vorträgt, auch in Stuttgart noch so herzhaft wie affektiert beömmelt, beispielsweise den Ballermann-Schlager „Geh mal Bier holen, du wirst schon wieder hässlich“ anstimmt, muss ein Denker vom Schlag eines Eckart von Hirschhausens freilich antworten: „Was? Das Lied gibt es wirklich?“ Später reicht er Reuter einen 20-Euro-Schein, weil er gewettet habe, dass ein Hirschhausen-Publikum auf die Zeilen „Das ist Wahnsinn, warum schickst du mich in die…“ nicht „Hölle! Hölle! Hölle!“ entgegnen würde. Was es aber hörbar tut, ist es doch ein Hirschhausen-Publikum.

Dass Eckart von Hirschhausen seinem überlegenen Intellekt zum Trotz aber auch nur ein Mensch ist, zeigt ein Zaubertrick, bei dem er Sand von einer Hand in die andere rieseln und verschwinden lässt. Bedauerlicherweise filmt die Kamera, die das Kunststück auf die Leinwand übertragen und für alle im Saal sichtbar machen soll, in die falsche Richtung. „Na, wenn man den Sand jetzt gar nicht gesehen hat, wundert man sich auch nicht, dass er weg ist! Aber er ist weg, verdammt nochmal!“, flucht er, als das Missgeschick bemerkt wird. Das ist dann wiederum durchaus sympathisch.

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