Nur fünf Tiere überlebten den verheerenden Brand auf dem Kamelhof in Ebhausen-Rotfelden (Kreis Calw), 87 Kamele starben. Foto: dpa

Nach dem Großfeuer ist nichts mehr, wie es einmal war. Vor den Ruinen der Kamelfarm im Nordschwarzwald trauern die Menschen um die verbrannten Tiere. Ob die Farm wieder aufgebaut wird, ist fraglich.

Ebhausen-Rotfelden - Wilhelm Breitling hat sich unter die Besucher gemischt. Still und andächtig sitzt er mit seiner Frau Rose bei der Trauerfeier für seine 87 in der Nacht zum 31. Januar verbrannten Trampeltiere und Dromedare in einer der hinteren Sitzreihen. Vor ihnen stehen die Ruinen des bis auf die Grundmauern zerstörten Hauptgebäudes des Kamelhofs in Ebhausen-Rotfelden (Kreis Calw). Mehr als 500 Menschen, darunter viele Kinder, sind am Samstag zu der Feier in die überregional bekannte Kamelfarm gekommen.

Seit ihrer Eröffnung im Jahr 2002 hat sie viele Besucher angelockt. Seit Ende Januar gibt es die Touristenattraktion am Rande des Nordschwarzwalds nicht mehr. Nur noch ein paar Betonpfeiler ragen wie Mahnmale in den blauen Himmel, als die beiden Breitling-Söhne Markus und Jörg an die guten Zeiten des Kamelhofs erinnern. Dass der Gründer der Farm, der heute 73 Jahre alte Wilhelm Breitling, nicht selbst ans Mikrofon tritt hat laut Sohn Markus einen einfachen Grund: „Seine Stimme versagt noch immer, wenn er von seinen hier in dem verheerenden Feuer gestorbenen Tieren spricht.“

Sie war nicht unumstritten, die zweieinhalb Monate nach dem Großbrand veranstaltete Trauerfeier für die Schwarzwald-Kamele, von denen laut Markus Breitling 80 auf der Farm geboren wurden. Die Diskussion darüber, ob es richtig ist, mit geistlichem Beistand Abschied von den über die Jahre liebgewonnenen Tiere zu nehmen, hat Wilhelm Breitling und seine Mitstreiter aber nicht gestört. Er hat mit der Veranstaltung getan, was er tun musste. So, wie er die Kamelfarm einst auch gegen einige Widerstände aufgebaut hat, wie Markus Breitling sagt: „Der Kamelhof hat immer polarisiert.“

Ob die Einrichtung wieder aufgebaut wird, ist noch nicht entschieden

Ob die Einrichtung wieder aufgebaut wird, ist noch nicht entschieden. Sicher ist nur eins: Wilhelm Breitling selbst wird die Farm nicht aufbauen. So lange es geht, will er mit seiner Frau aber noch die fünf Tiere, die das Feuer überlebt haben, und das nach dem Brand geborene Jungtier versorgen. Schließlich ist Breitling seit fast vier Jahrzehnten ein begeisterter Kamel-Fan. Bereits 1987 kamen die ersten Tiere auf sein Anwesen nach Rotfelden.

Sollte die Farm wieder errichtet werden, dann muss es, so lässt es der Kamelfarmgründer durch seinen Sohn mitteilen, grundlegende Änderungen geben. Deutlich mehr als eine Million Euro würde ein Wiederaufbau kosten. Bis wieder ein Zustand wie vor dem Brand erreicht werden kann, müsse über acht bis zehn Jahre eine neue Zucht aufgebaut werden. Gespräche mit möglichen Investoren schließt Wilhelm Breitling nicht aus. Schon länger hatte der Kamelliebhaber nach einem Nachfolger für sein Lebenswerk gesucht.

Einen Wiederaufbau der Kamelfarm würde auch Bürgermeister Volker Schuler begrüßen. Sie sei eine große Attraktion für den Ort und die ganze Region gewesen. „Um aber wieder so etwas aufzubauen, braucht es jemanden, der das nötige Wissen, die Begeisterung für Kamele und das erforderliche Geld hat“, sagt Schuler. „Davon gibt es nicht viele.“

Welche Ursache zu dem Brand geführt hat, bei dem das Hauptgebäude in kürzester Zeit bis auf die Grundmauern niedergebrannt ist, ist bis heute nicht geklärt. Die Ermittlungen an der Brandstelle sind laut der Calwer Polizeisprecherin Sabine Doll zwar abgeschlossen, letzte Untersuchungen beim Landeskriminalamt (LKA) in Stuttgart stünden aber noch an. Es sei unklar, bis wann Ergebnisse vorliegen. Zumal das Feuer eine so zerstörerische Hitze entwickelt habe, „dass es wohl sehr schwierig sein wird, die wirklich Brandursache zu finden“.

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