Die Segelflieger aus Ebersbach schlüpfen unters Dach der größeren Segelfliegergruppe Neckartal-Köngen. Sie werden so von Diensten für den Flugbetrieb und den Erhalt ihrer Flugzeuge entlastet. Der Verein bleibt erhalten.
Die Kooperation steht“, erklärte Michael Eisele, Vorstand der Segelfluggruppe Neckartal-Köngen. Nachwuchssorgen und Mitgliederschwund machten auch vor der Segelfliegerei nicht Halt und deshalb beschlossen die Segelflugvereine Ebersbach und Neckartal-Köngen (Kreis Esslingen), ihre Synergien zu bündeln.
Die Umstände gebieten es. Die Luft für kleinere Segelfliegervereine ist dünn geworden. „Es gibt immer neue Verordnungen“, klagt Udo Höfer, Vorsitzender des Sportfliegerclubs Ebersbach (SFC). Die Hobby-Segelflieger würden ähnlich reglementiert wie die kommerzielle Fliegerei. „Das wird heruntergebrochen.“ Sodann koste der Erhalt der Flugzeuge Kraft. Da gebe es Nachprüfungen, das sei wie ein Tüv. Der Verein braucht einen Werkstattleiter, einen Motorflugwart. Der Flugbetrieb will betreut sein. Schon ewig lange gebe es auch das Thema Nachwuchssorgen. So hat sich ein Druck aufgebaut.
Nicht nur für die Ebersbacher, sagt Höfer. „Im Raum Aalen haben sich sieben Vereine zu einem Luftsportring zusammengeschlossen.“ Michael Eisele vermutet: Von den neun Segelflugvereinen, die auf der Hahnweide fliegen, werden aller Voraussicht nach drei übrig bleiben.
Der Verein bleibt rechtlich unabhängig
Schon vor zwei Jahren war die Frage, wie es weitergehen soll? Der Ebersbacher Verein entschloss sich, auf die große Segelfliegergruppe Neckartal-Köngen zuzugehen. Diese hat 70 Aktive. Sie kennen sich gut, fliegen beide auf der Hahnweide bei Kirchheim. Nach eineinhalb Jahren intensiver Verhandlungen, so beschreibt es Vorstand Eisele für die Fliegergruppe Neckartal-Köngen, einigte man sich auf eine Kooperation, die eigentlich eine Fusion sei. Die Ebersbacher blieben zwar rechtlich unabhängig, mit eigenem Clubheim in der Gottlieb-Haefele-Straße, erhielten aber den Status eines Fördervereins für Köngen.
Rechtlich unabhängig – das ist den Ebersbachern wichtig. Der Verein löst sich nicht auf. „Wir behalten den Namen und den Bezug zu Ebersbach“, sagt Höfer. Der Vereinszweck bleibe erhalten: die Luftfahrt, insbesondere den Luftsport, zu fördern, unter besonderer Aufmerksamkeit der Jugend. Auch das Clubheim bleibe soweit erhalten. Die Ebersbacher wollten es sanieren. Angedacht sei, dort Mieteinnahmen zu generieren. Bisher brauchten sie es für die Wartung .
Es bleibt noch mehr. Die Mitglieder beider Vereine sind eingeladen, auch beim jeweils anderen Club Mitglied zu werden. So erhoffen sich die Ebersbacher einen Zuwachs. „Es ist angedacht, den Verein auf hundert Mitglieder zubringen.“ Bisher sind es etwa 70.
Für Vorstand Höfer ist es ein Zusammenschluss ohne Schmerz. Er hatte dazu auch seinen Vater gefragt, der im Verein ein wichtiger Mann ist. Siegfried Höfer war lange Vorsitzender, Vor-Vorgänger seines Sohnes, der auch schon 18 Jahre im Amt ist, und er ist heute Ehrenvorstand. Tun sich die Alten viel schwerer, wenn man ein Stück Tradition aufgibt? Sein Vater habe gesagt: „Es ist der richtige Weg.“ Der Gewinn ist groß. Die Köngener übernehmen alle fliegerischen Aktivitäten. Heißt: Die Dienste auf dem Fluggelände, den Erhalt der Flugtüchtigkeit der Flugzeuge. Nur bei eigenen Veranstaltungen müssen die Ebersbacher auf dem Gelände noch ran.
Auch Klimaschutz ist für die Segelflieger ein Thema
Für Vorstand Eisele von Neckartal-Köngen steht fest: „Die Hahnweide bietet komplettes Know-how bis zur fliegerischen Weltspitze im Segelfliegen“. Acht Fluglehrer aus den eigenen Reihen böten Unterrichtsstunden an. „Das geht auch mal abends um 18 Uhr nach Vereinbarung.“ Flieger kämen mit einem modernen Ultraleicht- Motorflugzeug in die Höhe, das spare erheblich Zeit gegenüber der Seilwinde. Aktuell bestehe die Flotte aus fünf Segelflugzeugen und einem leistungsfähigen Ultraleicht-Motorflieger, was zusätzlich Menschen fürs Fliegen begeistern soll, denn mit seinem Gewicht von 350 Kilogramm lässt er sich fast mit „zwei Fingern“ aus dem Hangar befördern.
Auch Klimaschutz ist für die Segelflieger ein Thema geworden. Zukünftig bestehe ihr Beitrag darin, auf elektrobetriebene Hilfsmotoren umzurüsten, die Bodenfahrzeuge auf Elektro auszustatten und eine PV-Anlage aufs Dach der Hallen zu setzen. Das bringe auch Lärmreduzierung.
Es begann mit einem Grunau-Baby namens Sonnenwirtle
Anfänge
Die Geschichte des Sportfliegerclubs Ebersbach beginnt mit der ersten Flugzeugtaufe im November 1951, reicht aber weiter zurück. Denn dieses Flugzeug vom Typ „Grunau-Baby“ musste, wie auch ein zweites, nach dem Krieg vor den Alliierten versteckt werden. Diese verboten den Deutschen das Fliegen. Dieses „Grunau-Baby“ bekam den Namen Sonnenwirtle, nach dem berühmten Gastwirt und Räuber aus Ebersbach.
Anfänge
Eine Werkstatt mit Flughalle am heutigen Clubheim entstand schon 1953. Das erste Fluggelände war in Roßwälden. 1958 zogen die Ebersbacher auf die Hahnweide bei Kirchheim. In den 90ern gelangen ihnen ihnen immer wieder spektakuläre Langstreckenflüge. Damals hatte der Verein seinen Höchststand von 45 bis 50 aktiven Mitgliedern.