Andernorts, wie hier in Korb, sind Nachtwanderer schon länger unterwegs. Foto: Horst Rudel

Ebersbach will auf Jugendliche zugehen, die nachts Lärm machen. Deshalb werden ehrenamtliche Helfer gesucht. In anderen Städten hat man schon gute Erfahrungen mit den „Nachtwanderern“ gemacht.

Ebersbach - Spätestens im Juli oder August hätte es losgehen sollen. Da sich aber nicht ausreichend Frauen und Männer bereit erklärten, in bestimmten Nächten als Nachtwanderer durch Ebersbachzu streifen, hat Jutta Schabel den Start des Projektes fürs Erste verschoben. „Wenn ich die Leute nicht habe, können wir nicht loslegen“, sagt die Leiterin des Amtes für Bürgerservice und Soziales. Es dürfe keinesfalls passieren, dass die Ehrenamtlichen kräftemäßig ausbluteten. Schabel ist aber zuversichtlich, dass schon bald ein Testlauf stattfinden kann. Die Nachtwanderer sind vornehmlich an Wochenenden in den späten Abendstunden unterwegs, um Konflikte zwischen Jugendlichen und Anwohnern erst gar nicht aufkommen zu lassen.

Resonanz auf Aufruf sehr verhalten

Auf zwei Frauen und vier Männer kann Schabel mittlerweile zählen. Darüber ist sie froh, denn die Resonanz auf einen ersten Aufruf im vergangenen Herbst war sehr verhalten. Es meldeten sich gerade einmal drei Leute. Bei einem zweiten Versuch im Frühjahr waren es sechs, einige kamen dann aber doch nicht. Woher diese Zurückhaltung kommt, kann Schabel nicht mit Sicherheit beantworten. Sie vermutet aber, dass sich viele Leute diese Aufgabe nicht zutrauten. Schließlich müssten die Nachtwanderer viel Verständnis für Jugendliche mitbringen. Außerdem seien viele Kräfte in der örtlichen Flüchtlingshilfe gebunden.

Trotzdem hofft Schabel, dass sie weitere Nachtwanderer gewinnen kann, wenn das Projekt erst einmal läuft. Interessierte könnten dann auch einmal mit auf eine Tour gehen und sich bei den bereits aktiven Nachtwanderern informieren. „Wenn die Leute sehen, dass es gut läuft, dann setzt das vielleicht die Hemmschwelle herunter“, hofft sie.

Obwohl mindestens zwölf, besser sogar 20 Ehrenamtliche am Start sein sollten, um die Last auf möglichst viele Schultern zu verteilen, will Schabel schon bald einen Testlauf wagen. Die sechs Nachtwanderer, die sich bisher gemeldet hätten, seien mit Feuereifer dabei. „Wir bauen sie gerade für diese Aufgabe auf“, sagt sie. So sind in den zurückliegenden Wochen viele Gespräche über die Ziele und die gemeinsame Haltung geführt worden. Auch eine Schulung haben die sechs künftigen Nachtwanderer bereits absolviert. Es ging um das Thema Deeskalation. „Dieses Thema ist wichtig, falls die Nachtwanderer in eine Konfliktsituation geraten“, erklärt Schabel. Auch Erste-Hilfe-Kurse oder Gesprächsführung stehen auf dem Programm. Je nach Bedarf will Schabel weitere Kurse anbieten. Auch über die „Arbeitskleidung“ mache man sich schon erste Gedanken.

Nachtwanderer gut für soziales Klima

Polizeiliche Aufgaben sollen die Nachtwanderer nicht übernehmen. Ihre Aufgabe ist es, vor allem zu Jugendlichen einen Draht zu finden und Vertrauen aufzubauen. Gegebenenfalls sollen sie die Nachtschwärmer auch auf ihr Fehlverhalten hinweisen, wenn sie etwa zu laut sind oder Müll in einer öffentlichen Grünfläche liegen lassen. Von anderen Städten, die bereits Erfahrungen mit Nachtwanderern gemacht haben, weiß sie, dass diese viel zu einem guten sozialen Klima beitragen.

In Ebersbach ist geplant, die Nachtwanderer vorläufig nur einmal im Monat freitags und samstags von 22 bis 1 Uhr loszuschicken. Da es pro Tour jeweils drei Personen sein sollten, sei im Moment auch nicht mehr drin. Erst kürzlich hat Jutta Schabel wieder einen Aufruf im örtlichen Mitteilungsblatt und auf der Homepage der Stadt gestartet. „Im Moment hoffe ich noch, dass wir Zuwachs bekommen, damit das Projekt wirklich lebensfähig ist“, sagt sie.

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