Mit unterschiedlichen Modellen und Ökostrom-Ladesäulen an drei Standorten zeigt der Carsharing-Anbieter Deer neuerdings Flagge auch in Gärtringen. Foto: Eibner-Pressefoto/Dennis Duddek

Gärtringen baut an der E-Mobiliät: Der private Anbieter Deer ist jetzt gleich mit drei Standorten im Flecken vertreten und unterhält landesweit ein dichtes Säulennetz mit zehn Standorten allein im Kreis Böblingen. Auch mit der EnBW wird kooperiert.

In Gärtringen tut sich einiges in Sachen E-Mobilität: Der in Calw beheimatete E-Carsharing-Anbieter Deer GmbH, eine Hundertprozenttochter der Energie Calw GmbH, ist seit Dienstag in Gärtringen präsent – und zwar gleich mit drei Fahrzeugen an drei Standorten: Am S-Bahnhof auf dem südlich gelegenen Park-and-ride-Platz und auf den beiden Parkplätzen an den Rathäusern in Gärtringen und Rohrau fallen die schwarzen Ladestationen mit silbergrauen Akzenten, die jeweils mit zwei Ladepunkten ausgestattet sind, ins Auge.

 

Drei doppelt belegbare Ladestationen

Als „mutig“ lobte Horst Graef, der Deer-Geschäftsführer, die Gärtringer Entscheidung, gleich mit drei Ladesäulen zu starten, denn die Kosten für die Ladesäulen samt Tiefbau hat die Kommune übernommen. Abzüglich eines knapp 50-prozentigen Zuschusses des Landes lagen die Gesamtkosten bei rund 30 000 Euro.

Um alles Weitere kümmert sich Deer. Die 2019 gegründete Firma ist auf einem rasanten Wachstumskurs: „50 Mitarbeiter, 10 000 Kunden, 1000 Fahrzeuge“, führte der Diplom-Ingenieur die aktuellen Firmenkennzahlen auf.

Das Besondere am sogenannten halbstationären Geschäftskonzept der Firma: Die Autos der rein elektrischen Fahrzeugflotte, die aus Fahrzeugen verschiedener Hersteller besteht, müssen nicht an dem Standort zurückgegeben werden, an dem sie entliehen wurden, sondern dies ist auch an jedem anderen Deer-Standort möglich. Somit liegen auch Einwegfahrten drin. Das Auto muss lediglich am Zielort an die dortige Deer-Ladestation angeschlossen werden. Nur dann wird der Buchungsvorgang beendet.

Ladestatus, Standorte, Startfunktionen: Alles funktioniert per App

Gebucht wird über eine kostenlose App, mit deren Hilfe die Autos auch geöffnet und geschlossen werden. Über diese ist auch einsehbar, in welchen Ladezustand sich das jeweilige Fahrzeug befindet. Wer beim Buchen, Losfahren oder Abstellen Hilfe braucht, bekommt diese über eine rund um die Uhr besetzte Hotline. Falls im Voraus bekannt ist, wohin die Fahrt geht, kann der Abstellort zudem in der App hinterlegt werden – so wird die Arbeit der Deer-Disponenten, die bei Bedarf in die Flottenverteilung eingreifen, erleichtert. Die Deer-Tarife sind nach Zeit gestaffelt: 7,90 Euro pro Stunde, 49,90 Euro für einen Tag und 89,90 Euro für ein Wochenende. Die zurückgelegten Kilometer spielen bei der Abrechnung keine Rolle. Auch die Ladekosten – das Deer-Schwesterunternehmen Schwarzwald Energy beliefert die Ladestationen mit 100 Prozent Ökostrom aus Wasserkraft – sind in den Tarifen enthalten. Nicht nur Deer-Fahrzeuge können an den Ladesäulen geladen werden, betonte Horst Graef: „Auch mit der EnBW-Karte ist das möglich.“

Carsharing-Netz mit 250 kommunalen Knotenpunkten über land verteilt

„Carsharing läuft besser mit Vernetzung“, so der Deer-Geschäftsführer weiter. 250 Kommunen mit jeweils mindestens einem Standort, davon bisher die weit überwiegende Mehrheit in Baden-Württemberg, hat die Firma bereits unter Vertrag, 75 weitere sollen in diesem Jahr noch realisiert werden. Auch im Landkreis Böblingen gibt es nun bereits über zehn Standorte.

Einzig der Lieferengpass der Fahrzeugindustrie bremst einen noch schnelleren Expansionskurs aktuell aus. „Generell gehen wir in jede Kommune, auch mit 300 Einwohnern“, betont Horst Graef. Und falls die Nachfrage an einzelnen Standorten groß ist, dann werden diese mit weiteren Ladesäulen und Fahrzeugen aufgerüstet.

In Gärtringen gibt es jetzt insgesamt fünf Ladesäulen

Für Gärtringens Bürgermeister Thomas Riesch vereint das neue Angebot, das die Gemeinde einen weiteren Schritt hin zur klimafreundlichen Kommune gehen lässt, drei wichtige Faktoren für die Mobilität der Zukunft: Elektromobilität, Carsharing und mit dem Standort am Bahnhof auch die Vernetzung der Mobilitätsformen.

Dabei war Gärtringen in Sachen Elektromobilität schon seit ein paar Jahren kein weißer Fleck mehr. Die EnBW betreibt dort bereits zwei Ladesäulen, eine bei der Gärtringer Kreissparkassen-Filiale und eine auf dem Rohrauer Dorfplatz. Die Stärkung der E-Mobilität ist ein Baustein des Mobilitätskonzepts der Gemeinde. Eine verbesserte Anbindung der Gewerbegebiete an den ÖPNV, der Betrieb eines „Senioren-Mobils“ und die Verbesserung des innerörtlichen Radwegenetzes gehören außerdem dazu.

Drehscheiben der Elektromobilität für die letzte Meile

Verknüpfungspunkte
 In immer mehr Städten und Gemeinden entstehen so genannte E-Mobility-Hubs.

Bahnhofsvorplätze
 Solche „Hubs“ sind Plätze, an denen sämtliche Dienstleistungen zum Teilen oder Entleihen von Fortbewegungsmitteln der E-Mobilität gebündelt werden.

Ehningen
 Die Deutsche Bahn hat im Frühjahr angekündigt, dass sie spätestens zum 1. Oktober am Bahnhof in Ehningen nach dem Vorbild Stuttgart-Vaihingen einen solchen Stützpunkt für Carsharing, E-Bikes oder E-Scooter errichten will.

Holzgerlingen
 2016 hatte Holzgerlingen am Bahnhofsvorplatz die seinerzeit siebte Ladestation speziell für E-Bikes in der Region Stuttgart installiert.

Die letzte Meile
Ziel ist es immer auch, die letzten Wege zu den Wohn- oder Arbeitsplätzen bequem hinter sich bringen zu können, um die Energiewende und den Umstieg auf den ÖPNV zu beflügeln.