Noch ein Schild mehr – damit der Stadtwerke-Stromer keine Verwarnungen mehr bekommt Foto: Hans-Dieter Wolz

Wer zu lange parkt, bekommt ein Ticket. Aber gilt das auch für ein Carsharing-Elektromobil, das an einer Ladesäule steht? Ein eifriger Beamter löst mangels besseren Wissens Verwirrung aus – und die Verwaltung ergänzt nun den Schilderwald.

Fellbach - Es ist schon kurios: Ein städtischer Vollzugsbeamter steckt einen Strafzettel an die Frontscheibe eines Fahrzeugs der Stadtwerke Fellbach, also der städtischen Tochtergesellschaft. Das steht am Rathaus, wie von der Stadt vorgesehen. Wer das beobachtet hat, dürfte amüsiert gewesen sein.

Inzwischen hat die Stadtverwaltung deswegen im Schilderwald nachgepflanzt

Es handelte sich um eines der vier Elektromobile der Stadtwerke Fellbach, die zum Carsharing bereitstehen. Jeweils ein e-Golf wartet bei den Stromtankstellen am Rathaus in der Kirchhofstraße und nahe am Bahnhof in der Eisenbahnstraße gegenüber der neuen Volkshochschule auf Mieter, die ihn kurzfristig ausleihen wollen. Dazu kommen zwei Renault Zoe bei der Bücherei in Oeffingen und in der Bühnerstraße in Schmiden.

Ladestationen in der Bühnerstraße in Schmiden. Foto: Patricia Sigerist

Der e-Golf der verwarnten Stadtwerke stand, wie laut der Stadtsprecherin Sabine Laartz mit der Verwaltung vereinbart, auf einem der beiden Parkplätze vor der Ladesäule. Aber dort ist das Parken auf vier Stunden begrenzt. Nach Ablauf der für Ladevorgänge vorgesehenen Zeit kam prompt der Strafzettel für den Stromer. Aber sollte man die Stadtwerke dafür verwarnen, dass sich binnen vier Stunden kein weiterer Besteller des Mietfahrzeugs fand? Die Regelung zum Parken „war dem Beamten nicht bekannt“, sagt Sabine Laartz.

Inzwischen hat die Stadtverwaltung deswegen im Schilderwald nachgepflanzt. Ein weiteres Zusatzschild mit der Aufschrift „E-Carsharing frei“ wird die Stadtwerke an dieser Stelle vor weiteren roten Karten der städtischen Ordnungshüter bewahren. Weil die Ladesäule dort rege frequentiert wird, hat die Verwaltung erst vor wenigen Tagen sogar einen dritten Stellplatz ausgewiesen.

Gut ist die Ausleihe am Standort Bücherei in Oeffingen. Foto: Patricia Sigerist
Er dient künftig gezielt dem Stadtwerke-Stromer, zwei weitere bleiben für Ladevorgänge privater Elektromobilisten frei. Auch am Bahnhof, in der Eisenbahnstraße, wird der Stellplatz noch durch ein Schild ergänzt. Dort gilt ebenfalls eine begrenzte Höchstparkdauer, andererseits weist das europaweite Zeichen für E-Mobilität auf der Pflasterfläche darauf hin, dass zwei Stellplätze eigentlich für Ladevorgänge reserviert sind. Noch dazu dient einer davon dem E-Carsharing. Den Status eines Verkehrszeichens haben diese beiden Zeichen auf der Parkfläche aber nicht, und schnell kann ein Ladevorgang dort die Höchstparkdauer überschreiten. Deswegen plant die Stadtverwaltung laut ihrer Sprecherin Sabine Laartz, auch dort noch Verkehrsschilder aufzustellen, um die Sache rechtssicher zu regeln.

Insbesondere das E-Carsharing am Bahnhof und am Rathaus werde stark frequentiert

Bei aller Kuriosität: Der Vorgang zeigt auf, dass die Stadt und ihre Stadtwerke an Alternativen für eine Elektromobilität arbeiten und auch auf die Nachfrage reagieren. Insbesondere das E-Carsharing am Bahnhof und am Rathaus werde stark frequentiert, sagt Sabine Laartz. Gut ist die Ausleihe demnach auch in Oeffingen. „Nur in Schmiden ist die Nachfrage ausbaufähig“, formuliert die Sprecherin und betont aber: „Es ist sehr erfreulich, wie die Fahrzeuge angenommen werden. Gemessen an der kurzen Zeit seit Einführung des Angebots ist dies ein sehr gutes Ergebnis.“

Ob die Stadtwerke die gebührenpflichtige Verwarnung tatsächlich an ihre Muttergesellschaft die Stadt bezahlen mussten, also gewissermaßen von der einen in die andere städtische Tasche, oder das Verfahren eingestellt worden ist, ist derweil nicht bekannt.

Ladestation am Fellbacher Bahnhof. Foto: Patricia Sigerist

Elektromobilität zum Mieten

Vier E-Autos - zwei e-Golf von Volkswagen und zwei Renault Zoe – stehen seit Juli an vier Stellen in Fellbach zum Mieten bereit. Die Stadtwerke Fellbach haben dort eigens vier Ladestationen geschaffen und jeweils ein Elektrofahrzeug für das E-Carsharing im Angebot.

Partner

Für die Vermietung haben die Stadtwerke Fellbach die Firma Deer gewonnen, ein städtisches Start-up aus Calw. Die Firma kümmert sich um 120 Elektroautos, die in 50 Kommunen als Kooperationspartner bereitstehen. Sie bietet für ihre Kooperationspartner einen technischen Komplett-Service.

Ladesäulen

An den vier öffentlichen E-Ladesäulen im Stadtgebiet, am Fellbacher Bahnhof in der Eisenbahnstraße, am Rathaus, an der Bücherei in Oeffingen sowie in der Ortsmitte von Schmiden in der Bühnerstraße, können Kunden die Energie für den Akku ihres privaten Stromers zum Preis von 30 Cent pro Kilowattstunde ziehen und in drei bis vier Stunden eine 40-Kilowattstunden-Autobatterie wie etwa im e-Golf vollständig aufladen.

Carsharing-Stationen

Die vier öffentlichen Ladestationen der Stadtwerke Fellbach sind gleichzeitig Abhol- und Abgabestationen für die stundenweise zu mietenden vier Elektroautos. Die kommen je nach Fahrweise und Witterung bis zu 300 Kilometer weit. Dann muss der Akku wieder geladen werden.

Nutzung

Nach einer Registrierung, die nur einmalig erfolgen muss, und der Prüfung des Führerscheins können Nutzer die Autos per Smartphone-App, über das Onlineportal oder den telefonischen Kundenservice buchen. „Mit diesem Angebot möchten wir die Elektromobilität mit verschiedenen Fahrzeugtypen für alle erfahrbar machen“, heißt es auf der Homepage der Stadtwerke. Eine Stunde kostet 6,50 Euro Miete. Ein ganzer Tag wird mit 34,90 Euro berechnet.

Zukunft

Horst Graef, der Geschäftsführer des Betreibers Deer, will nicht von einer Revolution in der Mobilität sprechen, wenn immer mehr Privatfahrzeuge von Elektromotoren angetrieben werden. „Wir glauben, es wird sich durchsetzen, dass Autofahrer nicht mehr ein Fahrzeug kaufen, sondern nur noch für die genutzte Zeit zahlen. Wer ökonomisch und ökologisch fahren will, muss lernen zu teilen.“

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