Auch kleinere Kommunen investieren in E-Mobilität. Hier eine Ladesäule in Kernen-Rommelshausen. Foto: Gottfried Stoppel/Gottfried Stoppel

Der Ausbau der Ladeinfrastruktur ist in den großen Kreisstädten im Rems-Murr-Kreis in vollem Gange. Allerdings sind die Ausgangsvoraussetzungen zum Teil höchst unterschiedliche.

Rems-Murr-Kreis -

 

Das Elektro-Auto ist politisch gewollt. Automobilkonzerne – wie jüngst etwa Daimler – haben angekündigt, sich danach konsequent ausrichten zu wollen. Doch wie sieht die Infrastruktur für die „Betankung“ aus? Ein Überblick über die Lage und die Bemühungen der Großen Kreisstädte an Rems und Murr.

Weinstadt will der „rapiden Entwicklung“ Rechnung tragen

Gerade einmal zwei öffentliche Ladesäulen haben die Stadtwerke Weinstadt beim Start im Jahr 2015 installiert. Das berichtet deren Geschäftsführer Thomas Meier. Damals habe man dafür noch keinerlei Zuschüsse erhalten. Fünf Jahre später bereits habe man sechs weitere Säulen errichtet, die zumindest „gering gefördert“ wurden.

Nun will man erneut aufstocken – und zwar gleich um zwölf neue Ladesäulen, darunter auch zwei Schnellladeeinrichtungen. Denn die Nutzung des bisherigen Angebots habe eine „rapide Entwicklung“ genommen. Waren es im Januar noch rund 250 Ladevorgänge insgesamt, so steigerte sich deren Zahl von Monat zu Monat auf mehr als das Doppelte im Juni.

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405 000 Euro müssen laut der Kostenschätzung der Stadtwerke für den beabsichtigten Ausbau der Ladeinfrastruktur investiert werden. Dazu will man ein Förderprogramm nutzen, welches das Bundesverkehrsministerium jüngst aufgelegt hat. Mit diesem sollen bei einem Gesamtfördervolumen von 300 Millionen Euro 50 000 zusätzliche öffentliche Ladepunkte in Deutschland geschaffen werden.

Die Nase vorn unter den großen Rems-Murr-Kreisstädten hat bislang die Stadt Waiblingen

Aktuell 20 öffentliche Säulen werden von den Waiblinger Stadtwerken und der Eon-Tochtergesellschaft Innogy als Kooperationspartnerin betrieben. Drei davon wurden in diesem Jahr allein in der Kernstadt errichtet und weitere neue Ladesäulen sollen noch bis zum Jahresende folgen, wie Esma Cakici vom Bereich Management Netze der Stadtwerke auf Nachfrage ankündigt. Dabei habe man dann vor allem die Waiblinger Ortschaften im Blick. So sollen neben der Korber Höhe in Beinstein, Bittenfeld, Hegnach und Hohenacker je eine neue Säule hinzukommen. Neustadt sei derweil bereits gut ausgestattet, erklärt Cakici. Doch ist Waiblingen nicht nur vergleichsweise weit beim Ausbau, sondern auch früh eingestiegen. Bereits im Jahr 2011 wurden in der Stadt die ersten drei Säulen installiert.

Schorndorf verzeichnet eine deutlich zunehmende Nachfrage

Im selben Jahr wie in Waiblingen sind auch in Schorndorf die ersten öffentlichen E-Ladesäulen errichtet worden. Inzwischen gibt es acht mit insgesamt 15 Ladepunkten, darunter auch eine Schnellladesäule. Betrieben werden sie zwar allesamt von privaten Anbietern, doch ist die Hälfte ist im Eigentum der örtlichen Stadtwerke. Diese verzeichnen nach Auskunft ihres Geschäftsführers Daniel Beutel in diesem Jahr „eine deutlich höhere Nachfrage“ an ihren Säulen, nachdem diese im Vorjahr lediglich zwischen circa fünf und 20 Prozent ausgelastet gewesen seien. „Der Ausbau weiterer Ladestationen ist bereits in Planung mit deutlich zunehmender Stückzahl. Insgesamt sind aktuell 25 Ladesäulen für den gewerblichen Bereich angefragt und 20 Wallboxen für die private Nutzung“, gibt Beutel einen Ausblick auf die weitere Entwicklung in der Stadt. Darüber hinaus seien neun öffentliche Ladesäulen am Neubau der Stadtwerke Schorndorf geplant sowie mehrere Wallboxen auf dem Betriebsgelände.

In Fellbach wirken verschiedenste Unternehmen mit

Ähnlich viele wie in Schorndorf (15) umfasst die Liste der Stadtwerke Fellbach, die für den Auf- und Ausbau der Ladeinfrastruktur in der Stadt verantwortlich sind, an dem verschiedenste Unternehmen mitwirken: vom Stromanbieter über Einzelhandelsunternehmen und einer Autofirma bis hin zum Hotel. Die detaillierte Zahl lasse sich nicht ganz genau sagen, da die Anlagen in der Anfangszeit nicht meldepflichtig waren und die kleineren unter elf Kilowatt es immer noch nicht sind, teilt dazu der Stadtwerke-Geschäftsführer Gerhard Ammon auf Anfrage mit. Entstanden seien die ersten davon 2017, zu einem Zeitpunkt, an dem die technische Zuverlässigkeit gegeben gewesen sei.

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Seither beobachtet man eine ähnliche Entwicklung wie in Schorndorf. So sei der Bedarf an den öffentlichen Ladesäulen über Jahre hinweg sehr übersichtlich gewesen. In den vergangenen Monaten aber habe E-Mobilität deutlich angezogen. Entsprechend der Nutzungsdaten plane man daher die Weiterentwicklung des Netzes. Denn der Gebrauch der Ladesäulen steige nicht überall gleich stark. Während jene am Rathaus und Bahnhof sehr stark frequentiert seien, nehme an anderen Standorten die Nutzung langsamer zu. Besonders attraktiv seien Schnellladesäulen. Jedoch merkt Ammon an: „Wir werden sicher noch einen Ausbau an diesen Stellen haben, doch der größte Bedarf liegt im gewerblichen und privaten Bereich.“ Wo hierfür ein Ausbau indes nicht oder nur schwer möglich sei, etwa im Mietwohnungsbau, könnten öffentliche Säulen den Bedarf abdecken.

Winnenden steht noch vergleichsweise am Anfang

Vergleichsweise am Anfang des Netzausbaus stehen die Stadtwerke Winnenden. Erst vor zwei Jahren hat die städtische Tochter ihre erste Ladestation errichtet. Weitere sind beziehungsweise werden jedoch noch in diesem Jahr errichtet, wie Tobias Kilian von den Stadtwerken Winnenden ankündigt: „Insgesamt sind dann bald acht Ladepunkte von uns in Betrieb“ – wobei es mit den Energieunternehmen Süwag und EnBW noch weitere Anbieter in der Stadt gebe. Weitere zehn Ladepunkte plane man, im neuen Parkhaus am Rems-Klinikum einzurichten. Zudem installiere man in privaten Tiefgaragen Ladeinfrastruktur.

Backnang will bei den Ladestationen noch nachlegen

Auch in Backnang sollen weitere Ladesäulen entstehen. Bislang gibt es in der Murrstadt nach Angaben des Wirtschaftsförderers Reiner Gauger zwölf Säulen, die teils in der Hand der örtlichen Stadtwerke sind, teils der EnBW gehören.