2017 hat Sono Motors den Prototyp des Modells Sion vorgestellt. Foto: Sono Motors

Dem deutschen E-Auto-Start-up Sonos aus München droht das Geld auszugehen, bevor das erste Modell auf den Markt kommt. Nun sollen sich die Kunden als Investoren beteiligen – mit einem Crowdfunding soll eine Rekordsumme zusammenkommen.

München - Den Elektroautos soll die Zukunft gehören. Beim Münchner E-Auto-Start-up Sono Motors sieht es allerdings gerade nicht danach aus. Denn die Jungunternehmer haben sich mit ihren Finanzinvestoren überworfen und brauchen nun kurzfristig 50 Millionen Euro – sonst stirbt das Projekt. „Wir sind noch nicht bereit aufzugeben“, sagt Sono-Gründer Jona Christians.

 

Zusammen mit seinen Mitgründern Navina Pernsteiner und Laurin Hahn ist Christians deshalb auf eine neue Idee gekommen, um ihren Stromer namens Sion auf die Straße zu bringen: Die nötigen 50 Millionen Euro sollen per Crowdfunding aus der Internetgemeinde kommen – und das sehr schnell. Bis 30. Dezember muss das Geld her.

Der Sion soll energiesparend sein

Das E-Auto ist mit Solarzellen bestückt und lädt sich bei der Fahrt im Sonnenschein auf. Außerdem hat der Wagen eine integrierte Carsharing-App, so kann man es mit anderen teilen. Die Gründer wollen so die Zahl der Fahrzeuge auf der Straße senken. Der Sion soll zudem so energiesparend wie möglich gebaut werden – das wirkt sich auch auf Zulieferer aus.

Unter anderem an dieser Stelle haben sich die Wege von Sono und potenziellen Finanzinvestoren getrennt. „Wir haben versucht, an unseren Werten festzuhalten, aber gleichzeitig diesen Finanzinvestoren gerecht zu werden“, sagt Hahn. „Das hat nicht funktioniert.“ Investoren hätten das letzte Wort bei der Lieferantenauswahl haben wollen.

Einen potenziell ökologisch fragwürdigen Einkauf wertet das Gründertrio aber als Verrat an ihrer Vision. Auch Patente für die Solarzellenverkleidung des Sion wollten sich Investoren übereignen lassen, um sie in Eigenregie verwerten zu können. Da haben Hahn, Christians und Pernsteiner die Notbremse gezogen.

Käufer sollen zu Investoren werden

In der Anfangsphase von Sono 2016 hatte das Trio bereits eine Crowdfunding-Kampagne gestartet. Statt erwarteter 200 000 Euro waren 820 000 Euro zusammengekommen. Das stimmt die Gründer nun zumindest nach außen hin optimistisch. Gleichzeitig sind 50 Millionen Euro eine viel größere Dimension. Sono will dabei Sion-Käufer zu Investoren machen.

Die Idee ist, dass 2000 Sion-Käufer den Preis von 25 500 Euro für das Gefährt vorab voll bezahlen. In der Summe kämen so die 50 Millionen Euro zusammen, die Sono zur ersten Fertigung braucht. Gut 10 000 Vorbestellungen für den Sion gibt es bereits. Alle Kunden haben bereits 500 Euro oder mehr anbezahlt. Es reiche, wenn jeder fünfte dieser Kunden mitmacht, rechnen die Sono-Gründer vor.

200 Millionen Euro für die Serienfertigung

Falls das klappt, ist aber noch eine weit größere Anschlussfinanzierung fällig, räumt das Gründertrio ein. Für den Start der eigentlichen Serienproduktion in ehemaligen Saab-Werken im schwedischen Trollhättan seien weitere 200 Millionen Euro nötig. „Sono braucht unfassbar viel Geld“, sagt Christians. 250 Millionen Euro sind als Anlaufkosten für ein neu entwickeltes Modell – gemessen am Branchenüblichen – auf der anderen Seite eher ein Schnäppchen.

Momentan halten die Gründer persönlich knapp zwei Drittel aller Gewinnbezugsrechte von Sono. Die will das Trio aber in einen Pool einbringen. Von diesem Geld könnten später die Sion-Käufer und Investoren profitieren, sollte das Unternehmen einmal profitabel werden. Nur ihre 74 Prozent Stimmrechte wollen Hahn, Christians und Pernsteiner behalten, um die Kontrolle über Sono nicht zu verlieren.

Produktion in Schweden

Falls die 50 Millionen Euro bis Ende des Jahres nicht erreicht werden, wird das Geld von niemandem abgebucht, verspricht Sono. Dann wird der Sion auch nicht gebaut. Zu echtem Risikokapital werden die 25 500 Euro je Bestellung und Vorkasse aber, wenn zwar die 50 Millionen zusammenkommen, aber die 200 Millionen Euro Anschlussfinanzierung nicht. Bis Letzteres klar ist, dürften die 50 Millionen Euro weitgehend ausgegeben sein.

Kommen die 50 Millionen Euro zusammen, hätte das aber eine gewisse Außenwirkung, hofft das Gründertrio. Womöglich wären dann auch große Kapitalgeber bereit, zu annehmbaren Konditionen einzusteigen. Selbst im günstigsten Fall würde der erste Sion in Schweden nach jetziger Planung im Herbst 2021 vom Band rollen. Bisher war Mitte 2020 als Startschuss geplant.

Die Chancen des Projekts kann man stundenaktuell mit einem Klick auf die Sono-Homepage ablesen. Dort läuft seit Anfang Dezember ein Zähler mit dem Stand der Crowdfunding-Kampagne. Donnerstagabend waren es knapp 4,7 Millionen Euro.