Das Eichhörnchen ist ein häufiger Gast auf dem Balkon des Fotografen. Foto: Dustin Hönes

Dustin Hönes spielt in Fernsehserien und Musicals mit, kellnert und nimmt gerade ein Heavy-Metal-Album auf. Vor allem aber hat der gebürtige Weinstädter einen ganz besonderen Blick für Impressionen aus dem Tierreich.

Auf den ersten Blick regt sich in dem Gebüsch an der Rems gar nichts. Aber schon nach wenigen Augenblicken blickt Dustin Hönes auf: „Oh, ein Waldbrettspiel“ – und meint damit keine Partie Mensch-ärgere-dich-nicht zwischen Bäumen, sondern einen kleinen Schmetterling, der dank seines hübschen Musters gut getarnt bleibt. Schönheit, sagt Hönes, erkenne man manchmal erst durch genaues Hinsehen, im Kleinen. „Zum Beispiel bei der Skorpionsfliege – die sieht spektakulär aus, und man findet sie in fast jedem Busch. Es gibt fast keinen Spaziergang, auf dem man keine Motive sieht.“

 

Der 32-Jährige hat einen Blick für das Besondere. Bei dem Spaziergang in Waiblingen entdeckt er ständig neues zum Fotografieren – „und das, obwohl die eigentliche Fotosaison schon so gut wie vorbei ist“. Seine Beobachtungen hält er mit der Kamera fest. „Das hat etwas vom Jagen und Sammeln“, findet er. Seine Aufnahmen zeugen von großem Respekt für die Natur und ihre Bewohner – und oft auch von seinem Sinn für Humor.

Dustin Hönes ist in Weinstadt und Alfdorf aufgewachsen und wohnt inzwischen in Stuttgart. Während er nachmittags und abends oft jobbenderweise im CBC-Wirtshaus am Alten Postplatz in Waiblingen anzutreffen ist, das seinem Vater gehört, kennen ihn einige auch aus seinem anderen Leben als Sänger und als Schauspieler. Angefangen hat Hönes im Chor des Musical „Der Glöckner von Notre Dame“, viele weitere Auftritte folgten, zum Beispiel bei Improvisations-Theatergruppen.

Inzwischen hatte Hönes auch einige Auftritte auf dem TV-Bildschirm: Regelmäßig spielt er als Komparse in Serien wie „Soko Stuttgart“ mit, findet Mordopfer, wird als Demonstrant beiseite gezerrt oder läuft im Hintergrund herum. Auch in einigen Werbespots ist der charismatische Blondschopf zu sehen. „Nur eine Leiche wollte ich nicht spielen. Dann wird man nämlich für einige Zeit als Darsteller geblockt, damit man nicht zu schnell wieder lebendig auftaucht“, verrät Dustin Hönes. Die Rollen, die er bekommt, werden tendenziell größer: „Neulich hatte ich auch eine Rolle mit Text in „Sturm der Liebe“. Er ist schon gespannt, wann die Folgen ausgestrahlt werden.

Eine weitere Passion von Hönes ist die Musik. Und zwar nicht nur die aus der Musical-Sparte, sondern auch kernigere Sounds: Zusammen mit Andy Paynes, einem Gitarristen aus Waiblingen, betreibt er die Band Dream Legacy. „Wir nehmen gerade ein Album auf, das in Richtung Classic Rock und Heavy Metal geht“, erzählt Hönes und zückt sein Handy. Der neueste der Songs heißt „You are the One“ und ist gerade auf Spotify erschienen. „Ich mache eben alles, was mir Spaß macht“, sagt er. Dazu gehört auch die Fotografie. Es fasziniert Hönes, wie viel Schönheit auch in kleinen, scheinbar alltäglichen Beobachtungen steckt.

Wer seine Fotografien näher betrachtet, entdeckt nicht nur eben diese Schönheit im Detail, sondern immer wieder auch richtig humorvolle Perspektiven, die es bei Tierfotografien sonst nur selten zu sehen gibt. Eine Gruppe Graugansküken war sogar gleich für zwei Aufnahmen zum Schmunzeln gut: Auf einem der Bilder reckt sich eines der in einer Reihe stehenden Tiere so in die Höhe, als könne es gar nicht erwarten, ins Wasser zu hüpfen. Auf einem anderen Bild der Serie reckt sich eines der Küken dann auf einem Bein stehend, in echter Yoga-Manier. Auf einer anderen Aufnahme finden sich drei Rote Weichkäfer auf einer Blüte zu einer Ménage-à-trois ein.

Darum liegen Steinkäuze dem Fotografen besonders am Herzen

Hinter der Aufnahme eines Eichhörnchens mit Miniatur-Einkaufswagen steckt eine Geschichte: Das Tier war ein regelmäßiger Gast auf Hönes’ Balkon. Der Fotograf stellte ihm den Einkaufswagen mit den Nüsschen hin – das Tier nahm die Futterspende dankbar an und sieht auf den Fotos aus, als befinde es sich gerade auf einer emsigen Shoppingtour.

Besonders am Herz liegen Hönes Steinkäuze. Das liegt unter anderem an einem Erlebnis in seiner Jugend in Weinstadt: „Dort gab es damals große Streuobstwiesen.“ Der junge Dustin hielt sich oft dort auf und genoss es, die dort lebenden Steinkäuze zu beobachten. Eines Tages entdeckte er, dass Messpflöcke eingehauen wurden – der Start zum Bau eines Wohngebiets. Die Existenz der Steinkäuze, sagt Hönes, sei damals verleugnet worden, eine Sachverständige habe bei ihrem Rundgang zumindest keine entdecken können. Damit war das Schicksal der Wiese besiegelt. „Ich habe so geheult und versucht, den Bau noch zu verhindern. Was man als 14-Jähriger eben so tut“, sagt er.

Der Widerstand war damals vergebens. Aber umso mehr freute sich das Multitalent, als er nun in Stuttgart, ganz in der Nähe seines aktuellen Wohnsitzes, wieder Steinkäuze entdeckte. Wo genau die drolligen Tiere nisten, mag er nicht verraten: „Sonst fallen dort so viele Fotografen ein.“

Um zu fotografieren, wie die jungen Steinkäuze ihre Schnäbel aus der Nisthöhle recken, brauchte Hönes ein Tarnzelt und jede Menge Geduld. Gelohnt hat es sich allemal: Entstanden sind beeindruckende Porträts der Jungvögel. Es werden nicht die letzten geblieben sein. Wer sich einige der Aufnahmen von Dustin Hönes ansehen will, wird nicht nur auf Facebook fündig, wo er regelmäßig neue Fotos aus der Region einstellt: Einige seiner Aufnahmen sind auch im Wirtshaus am Alten Postplatz ausgestellt.