Die Sängerin Thabilé trotzt der Corona-Krise auf ihre Weise . Foto: Bimsum Production

Die Sängerin Thabilé nutzt die Corona-Zwangspause, um mit Künstlern weltweit Video-Clips zu produzieren und auf Youtube zu veröffentlichen. Die sechste Kooperation ist brandneu: eine Hommage an Bob Marley zusammen mit dem in Waiblingen lebenden John Noville.

Waiblingen/Stuttgart - Eigentlich sollte am Samstag im Waiblinger Kulturhaus Schwanen ein Konzert mit der Stuttgarter Soul- und Afropop-Sängerin Thabilé stattfinden. Doch dieser Auftritt fällt wie so viele andere dem Coronavirus zum Opfer. Im Schwanensaal, der aufgrund seiner Größe normalerweise für angenehme Klubatmosphäre sorgt, geht zurzeit nichts. „Durch die Maßnahmen mussten wir bisher 25 Auftritte absagen“, sagt Thabilés Produzent Steve Bimamisa. Damit es Künstlern nicht langweilig wird, hat sich Thabilé etwas für die Corona-Zeit ausgedacht. Jetzt produziert sie Musikclips zusammen mit Musikern im In- und Ausland und stellt sie auf Youtube.

Ein Duett als Hommage an Bob Marley

Die Idee dazu stammt von Thabilé. Sie singt zu Hause in Stuttgart und filmt sich dabei. Die Aufnahme schickt sie in das Tonstudio von Bimsum Records in Nürtingen. Dorthin schicken auch die Musiker, die mit ihr „auftreten“, ihre Aufnahmen. Ein Video-Artist setzt dann die beiden Aufnahmen zusammen, damit die Musik schließlich synchron zu hören ist. Die Ergebnisse wirken, als hätten die Musiker sie gemeinsam aufgenommen. Moderne Elektronik macht es möglich, über zurzeit geschlossene Grenzen hinweg gemeinsam zu musizieren. „Die Clips sind professionell gemacht, das ist unser Anspruch. Pro Song brauchen wir rund zwei Wochen, bis er fertig ist“, verrät Steve Bimamisa.

Die Arbeitsteilung ist ganz klar: „Thabilé sucht sich einen Musiker aus. Da sind Leute dabei, die wir noch nicht persönlich kennen. Ich rufe sie dann an und nerve sie so lange, bis sie die Idee auch super finden“, sagt Steve Bimamisa und lacht.

Thabilé schlägt die Lieder vor, die Musiker machen dann ihre Version daraus. Zurzeit entsteht die sechste „Co-Produktion“ mit dem amerikanischen Gitarristen Rudy Valentino jr. und John Noville, der in Waiblingen lebt und es bei „Voice of Germany“ 2013 bis ins Halbfinale geschafft hat. Der 1954 auf Barbados geborene Musiker setzt auf Reggae, Soul und Blues. Mit „Waiting in Vain“ wird die Aufnahme eine Hommage an Bob Marley sein. Der Clip ist seit diesem Donnerstag im Netz zu sehen.

Hier geht es zu Thabilé und John Noville

Weitere Musiker auf der beeindruckenden Liste sind der Gitarrist Daniel Stelter, der Jazzpianist Patrick Mabiala aus Dresden, der südafrikanische Bassist Shado Twala, der amerikanische Soulsänger David Whitley und Umannto, der in Stuttgart elektronische Musik macht.

„Umqombothi“ wird durch Corona erneut ein Hit

Einer der ersten Clips war eine Neufassung des afrikanischen Hits „Umqombothi“ aus den 1980er-Jahren, der zusammen mit dem Bassisten Mr. Ngo entstand, der in Paris lebt. Das Lied wurde durch die drastischen Corona-Einschränkungen in Südafrika brandaktuell. Umqombothi ist das traditionelle selbst gebraute Bier armer Leute. Die Interpretation Thabilés, die aus Südafrika stammt, kam genau zum richtigen Zeitpunkt. Der Verkauf von Alkohol war verboten, die Leute brauten Umqombothi wieder selbst – natürlich heimlich.

Hier sehen und hören sie Thabilés Version von Umqombothi

Thabilé und Steve Bimamisa leben und arbeiten seit 2016 in Stuttgart und sind mittlerweile feste Größen in der Musikszene. Mit ihrer Musik wollen sie ihr Publikum nicht nur unterhalten. Thabilés Debüt-Album „Dlamini Echo“ verweist auf das Township Dlamini bei Johannisburg, wo sie geboren und aufgewachsen ist. Bis heute ist Rassismus ein gewaltiges Problem in dem Land. Dagegen engagiert sich auch Steve Bimamisa, der im Alter von 14 Jahren aus dem Kongo fliehen musste. Er ist regelmäßiger Gast bei der alljährlichen Präventivwoche gegen Rechts, „Bunt statt Braun“, im Waiblinger Schwanen.

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