Ihr Vater war Fußball-Nationalspieler – doch seine drei Töchter starten im Turnen durch. Charlize hat Mörz hat jüngst Geschichte geschrieben. Alissa und Collien erzählen in Stuttgart ihre ungewöhnliche Familiengeschichte.
Der DTB-Pokal in Stuttgart galt ja einmal als das Wimbledon des Turnens. Und zwar hat die Veranstaltung ihren Status als Weltcup längst verloren, doch als besonders gilt das Turn-Event in der Porsche-Arena noch immer. Denn: „Das Publikum hier kennt sich richtig gut aus.“ Findet zumindest Alissa Mörz. Von der dennoch die wenigsten in der Halle am Samstag Notiz nahmen.
Klar, der Fokus der Zuschauer lag auf der deutschen Frauen-Riege, auch noch auf den Topathletinnen aus China – oder auf Mörz’ Teamkollegin Carina Kröll. Die nämlich ist eigentlich Schwäbin, startet in der Bundesliga für den TSV Berkheim, international allerdings für Österreich. Doch gerade die Geschichte von Alissa Mörz – und ihren beiden Schwestern – ist ebenfalls eine besondere.
Für das Turnen, aber auch für Österreich.
„Es ist wirklich eines der größten Ereignisse beziehungsweise einer der größten Erfolge, die der Sport in Österreich bisher erlebt hat.“ Dieser Satz stammt aus der letzten Woche – und es ging nicht um eine Höchstleistung im Skirennlauf, im Fußball oder im Skispringen, also in den populären Sportarten in der Alpenrepublik. Es sagte ihn Gabi Jahn. Und die ist Vizepräsidentin von Turnsport Austria.
Gesagt hat sie die Worte beim Empfang von Charlize Mörz – die in der vergangenen Woche Geschichte geschrieben hatte. Als erste Österreicherin überhaupt hat sie in Baku einen Turn-Weltcup gewonnen. Sie siegte am Boden und qualifizierte sich damit für die Olympischen Spiele im kommenden Sommer in Paris. „Da“, sagte Alissa Mörz, „werden wir auch hinfahren.“
Der Vater ist immer sehr nervös
Charlize (18) ist die mittlere der Mörz-Schwestern und pausierte in Stuttgart. Alissa (21), die Älteste, war aber ebenso am Start wie Collien (17), die in der Porsche-Arena ihren ersten internationalen Wettkampf turnte. „Voll schön“, fand sie den. Voll was los ist aufgrund des Trios plötzlich rund um das Turnen in Österreich. Zumal die Geschichte ja noch einen interessanten Aspekt hat. Michael Mörz, der Vater der drei jungen Frauen, war einst Fußball-Nationalspieler, machte zwischen 2005 und 2007 zwölf Länderspiele für Österreich.
„Mit dem Turnen“, sagt Alissa Mörz, „hatte er nichts zu tun – bis wir angefangen haben.“ Nun ist auch der Ex-Fußballer in der Welt von Stufenbarren, Boden, Schwebebalken und Sprung angekommen, hat sich reingefuchst und engagiert. Nur: Zuschauen kann er selten, wenn seine Töchter am Gerät sind.
Als die ganze Familie mit Freunden in der vergangenen Woche die Boden-Übung von Charlize per Livestream verfolgte, verzog sich der Papa in den Garten. „Er ist immer sehr nervös“, sagt Alissa Mörz und lacht. Das tut sie auch, wenn sie über die Wohngemeinschaft spricht, die die drei Schwestern in Linz haben.
Dort steht seit gut zweieinhalb Jahren der neue Bundesstützpunkt im österreichischen Turnen, der war ein Schritt, das Turnen in Austria weiter zu professionalisieren. Die Mörz-Schwestern zogen also aus Mattersburg Landeshauptstadt von Oberösterreich, trainieren, turnen – und managen gemeinsam den Alltag in der Frauen-WG. „Ich bin die Älteste und so ein bisschen wie die Mama“, sagt Alissa Mörz lachend.
Training unter Gabriele Frehse
In Linz übrigens ist Gabriele Frehse die Trainerin der besten österreichischen Turnerinnen. Die war einst in Chemnitz aktiv, sah sich im November allerdings schweren Vorwürfen gegenüber. s ging um einen zu rüden Umgangston und nicht sachgemäßer Verabreichung von Medikamenten. Frehse wurde freigestellt, es folgten eine Kündigung und Rechtsstreitigkeiten. Die Ermittlungen gegen Frehse und zwei Ärzte wegen des Vorwurfs der fahrlässigen Körperverletzung wurden 2023 eingestellt.
Alissa Mörz kannte natürlich diese Geschichten, als Frehse dann im vergangenen Jahr nach Österreich kam. Aber sie sagte sich: „Ich gebe jedem eine Chance.“ Nach einigen Monaten Training untre Frehse erklärt sie: „Wir machen alle Fortschritte und das Training macht Spaß.“
Dass sich nach Charlize noch eine zweite der Mörz-Schwestern für Paris qualifiziert, ist dennoch unwahrscheinlich. Weshalb Alissa und Collien eher als Zuschauerinnen nach Frankreich reisen werden. Aber vielleicht ist Alissa ja trotzdem so ein bisschen dabei, wenn die Medaillenentscheidungen fallen. Das wäre dann der Fall, wenn eine Turnerin am Boden den Bücksprung mit ganzer Drehung zur Liegestütz-Beugelandung zeigt.
Dieses Element hat eben sie erfunden, seit dem vergangenen Jahr hat es der Weltverband offiziell anerkannt und benannt. In „The Moerz“.