Ausgebremst: Rasante Talfahrten gibt es erst im kommenden Jahr Foto: Pressefoto Baumann

Nach langem Anlauf hat der Gemeinderat­ vor drei Jahren den Bau einer Mountainbike-Abfahrt im Süden von Stuttgart befürwortet. Seitdem verzögert sich das Verfahren immer weiter. Gebaut wird wohl erst im nächsten Jahr.

Stuttgart - Es geht bergab beim Downhill, einer anspruchsvollen Variante des Mountainbiking, so steil und natürlich auch so schnell wie möglich. Jannick Henzler verfügt über die Kunst, die Strecke, die Natur, das Fahrrad und auch den eigenen Körper zu beherrschen, auch wenn Bodenwellen, Wurzeln oder andere Fallen im Weg sind. Das verspricht Nervenkitzel und Adrenalin. Im Moment muss Henzler aber vor allem über eine Fähigkeit verfügen – Geduld. Der 21-Jährige zählt mit sieben weiteren Mitstreitern zur Arbeitsgemeinschaft Downhill, die sich seit 2011 für einen legalen Kurs in Stuttgart starkmacht.

Mit einer legalen Strecke könnte nicht nur die Sicherheit der Radsportler, sondern auch die Sicherheit von Spaziergängern im Wald garantiert werden. Bislang rasen die Fans dieses Extremsports noch auf etwa 15 wilden Radrouten durch den Stuttgarter Wald.

1020 Meter lang ist der geplante Kurs mit einem durchschnittlichen Gefälle von zwölf Prozent, 23 Streckenelementen und acht Drainagen. Aufprallmatten an den Bäumen sollen für Sicherheit sorgen. Die Hindernisse sollen je nach Niveau des Fahrers umfahrbar oder abrollbar sein, damit man nicht absteigen muss. Am oberen Ende der Strecke müsste zunächst eine Holzbrücke über einen Waldweg sowie eine Startrampe gebaut werden. Rund zweieinhalb Minuten braucht man für die Route und erreicht dabei eine durchschnittliche Geschwindigkeit von 33 Kilometern pro Stunde. Zumindest in der Theorie.

Bislang wurden die Befürworter des Downhill-Abenteuers immer wieder von der Stadt vertröstet, was den Baubeginn angeht. Eigentlich hätte es 2014 schon vor der Mountainbike-Saison grünes Licht geben sollen, dann im Sommer und schließlich während der Schulferien. Nichts ist passiert. Das 175 000 Euro teure Projekt stagniert.

„Natürlich sind wir inzwischen etwas ungeduldig, wissen aber, dass eine gewisse Vorarbeit sein muss“, sagt Jannick Henzler. Er steht deshalb ständig in Kontakt mit Horst Jesinger vom Sportamt Stuttgart, der die Sache eigentlich zügig durchziehen wollte. Dessen Auskunft ist eher ernüchternd. „Das Ganze verzögert sich auf unbestimmte Zeit. Es gibt Dinge, die von vielen Beteiligten geprüft werden müssen“, sagt Jesinger. Konkret steht noch immer die sogenannte landschaftsschutzrechtliche Befreiung aus. Sie ist notwendig, weil die Route durch ein Landschaftsschutzgebiet führt, in dem eine Bebauung eigentlich gar nicht möglich ist, und damit haben Förster und Naturschützer ein Mitspracherecht. Zuständig für die Erteilung der Befreiung ist das Amt für Umweltschutz.

Baubeginn vermutlich erst Ende 2015

Bei der ersten Prüfung im Frühjahr waren die notwendigen Unterlagen nicht vollständig. Jetzt liegen der Behörde jedoch alle notwendigen Informationen vor. Eine besondere Rolle spielt dabei auch die sogenannte Eingriffsausgleichsbilanz. Sie beschreibt, welche Maßnahmen als Ausgleich für Eingriffe in die Landschaft im Bereich Dornhalde notwendig sind. So kann beispielsweise für ein Streckenhindernis woanders ein Biotop erweitert werden. Derzeit läuft die Anhörung unter anderem beim Landesnaturschutzverband. Ende September lief die Anhörungsfrist aus. Seitdem prüft die untere Naturschutzbehörde die eingegangenen Stellungnahmen, um unter Abwägung der verschiedenen Belange eine Entscheidung treffen zu können. Noch unklar ist, ob neue, bislang völlig unbekannte Gesichtspunkte auftauchen. „Wir können derzeit keine endgültige Aussage treffen, ob und wann eine Befreiung für das Vorhaben erteilt werden kann“, sagt Hubert Otto vom Amt für Umweltschutz.

Wenn man dann noch von einer Bauphase von sechs bis acht Wochen ausgeht, scheint es eher unwahrscheinlich, dass die Downhill-Strecke in diesem Jahr gebaut wird. Vermutlich wird das Projekt auf 2015 verschoben. Wieder einmal. Dann wären fast zehn Jahre von der Idee bis zur Umsetzung vergangen. Der damalige OB Wolfgang Schuster hatte den Radlern 2006 schon versprochen: „Wir werden eine Strecke bauen.“ Zunächst scheiterte der Plan jedoch an der bürgerlichen Mehrheit im Gemeinderat und lag jahrelang auf Eis. 2011 genehmigte das Gremium auf Drängen der AG Downhill dann den Bau und einen zwei Jahre währenden Probebetrieb. Seitdem beschäftigt die Angelegenheit diverse Behörden, die sich auch mit Haftungs- und Sicherheitsfragen auseinandersetzen mussten.

Die Downhiller werden für ihren Actionsport im Gehölz wohl oder übel weiter auf illegale Strecken ausweichen müssen, wenn sie Sprünge wie Tables, Gaps oder Doubles machen wollen. Es bleibt also vorerst eine Geduldsprobe, bis Stuttgart als erste Stadt in Deutschland eine Downhill-Strecke unter kommunaler Verantwortung betreiben kann.

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