Das Döner-Franchise Maydonoz hat in der Türkei über 200 Filialen und will sich auch in Deutschland einen Namen machen. Die erste Filiale hat in Ludwigsburg eröffnet und wird Döner-Fans überraschen.
Zugegeben: Ein wenig gewöhnungsbedürftig liegt er im ersten Moment in der Hand, der Taco-Döner von Maydonoz, dem neuen Dönerladen in der Ludwigsburger Lindenstraße. Dönerfleisch gehört doch eigentlich in fluffiges Fladenbrot, zusammen mit Salat, Kraut und Tomaten. Im Taco-Döner dagegen finden sich Zwiebeln, Essiggurkenstückchen, Pommes, Käse und viel Fleisch. Statt Fladenbrot zu befüllen wird hier ein Tortilla geklappt, bei jedem Biss knackt der knusprige Teig. Die Soße ist ordentlich pikant und erinnert geschmacklich mehr an Mexiko als an die Türkei.
Der Taco-Döner ist also kein gewöhnlicher Döner, und Maydonoz ist auch keine gewöhnliche Dönerbude, wie sie in jeder deutschen Kleinstadt zum gastronomischen Standardangebot gehört. Maydonoz ist ein riesiges Döner-Franchise aus der Türkei. Mehr als 200 Filialen gibt es schon, nun will es auch den deutschen Markt erobern.
„Schon etwas anderes, oder?“, fragt Hasan Dedeli lachend. Er ist der Filialleiter und muss es wissen, schließlich macht er schon seit mehr als 30 Jahren Döner. Erst tingelte er mit seinem Bruder im Imbisswagen über die Wochenmärkte der Region, die vergangenen 20 Jahre führten seine Frau und er einen eigenen Döner-Laden in Besigheim. „20 Jahre lang jeden Tag hinter der Theke stehen, das strengt an“, sagt Dedeli. „Selbstständig zu sein, ist schwierig, gerade seit der Pandemie.“ Seinen eigenen Laden hat er Ende des vergangenen Jahres aufgegeben, aber dem Döner ist er treu geblieben.
Dedeli ist in Ludwigsburg Filialleiter, nicht aber der Inhaber. Die deutsche Zentrale von Maydonoz liegt in Böblingen, der Firmensitz ist in Istanbul. „Ich bin hier angestellt, arbeite meine acht Stunden, gehe dann nach Hause und kriege ein festes Gehalt“, sagt er. „Alles viel entspannter.“ Das ist ihm anzumerken, fröhlich und emsig steht er mal vor und mal hinter der Theke, hält ab und an ein Schwätzchen. Der türkische Akzent ist deutlich hörbar, der schwäbische Zungenschlag auch.
Die Amerikanisierung des Döner-Ladens
Das Maydonoz ist kein Nobel-Restaurant und keine reine Imbissbude, am ehesten ist es mit einem Fast-Food-Laden vergleichbar. Mehr Burger King als Kebabhaus. Grelle Flatscreens über der Theke präsentieren in bunten Farben das Angebot, auf Abbildungen sind die einzelnen Produkte in ihrer Vorzeige-Variante zu sehen. Dürüm und Taco fallen direkt ins Auge, bei genauerem Hinsehen entdeckt man auch den klassischen Döner Kebab. Die Preise sind stattlich, der Taco-Döner mit Rindfleisch kostet 6,90 Euro, ein großer Dürüm sogar 11,50 Euro.
Alle Wände sind in sanftem Gelb gehalten, die Hochstuhlreihen an langen Tafeln versprühen Diner-Atmosphären, und der Schriftzug „Maydonoz Döner“ vor dem gelben Kreis erinnert ans Logo des Hard Rock Cafe. Es ist die Amerikanisierung des Dönerladens.
So wie in Ludwigsburg sieht es in jeder einzelnen Maydonoz-Filiale aus, von denen es nach Angaben des Unternehmens mehr als 200 gibt, die meisten davon in der Türkei. Auch die Zutaten sind überall dieselben, egal ob Käse, Brot oder Spezial-Soße. Egal wo, Maydonoz soll nach Maydonoz schmecken. „Die Leute kommen von weit her und sagen, hier schmeckt es wie in der Türkei“, sagt Hasan Dedeli.
Die Filiale in Ludwigsburg ist die deutschlandweit erste, aber dabei soll es nicht bleiben. „Die Lage ist hervorragend, etwas Vergleichbares haben wir in Stuttgart nicht gefunden“, sagt Levent Cagril, der Geschäftsführer des deutschen Ablegers. Wer eine Filiale betreiben will, muss sich um eine Lizenz bewerben. Gespräche liefen bereits in mehreren Städten in Süddeutschland, auch aus den Niederlanden gebe es schon Anfragen. Von Ludwigsburg aus nach ganz Europa.
Das Manko: Die hohen Preise
Doch kann das Franchise wirklich Fuß fassen? In kurzer Zeit hat die Filiale der Barockstadt auch schon erstaunlich viele Google-Rezensionen bekommen. Viele loben die freundlichen Mitarbeiter, der Döner sei „speziell und wird nicht jedem schmecken“, schreibt einer. Nur die hohen Preise bemängeln einige Kunden. Oder, wie es jemand formuliert: „Hat auf jeden Fall Potenzial, die Preise oder Portionsgrößen sollten aber noch mal angeschaut werden.“