„My Baby Just Cares For Me“, „I Wish You Love“, „Superstition“: Die STB Big Band beweist bei ihrem Jahreskonzert in der Sindelfinger Stadthalle mal wieder ihr Können. Selbst Dizzy Krisch, der als Vibrafonist mitspielt, ist beeindruckt.
Wieland Harms, stellvertretender Leiter der Sindelfinger Schule für Musik, Theater und Tanz (SMTT), war sichtlich stolz und erfreut, als der die Bigband ankündigte, die als ein Aushängeschild für groovenden Jazz „made in Sindelfingen“ gilt. Seit geraumer Zeit proben die rund 20 Musiker aus vier Landkreisen Woche für Woche im Odeon der Musikschule und tragen dazu bei, dass sich unter diesem Dach Qualität versammelt. In der gut gefüllten Stadthalle gab es davon einiges zu hören.
Bandleader Magnus Mehl stellte erleichtert fest, dass sich trotz VfB-Spitzenspiel so viele auf den Weg gemacht haben, um dem Bigband-Groove zu frönen. Die Gäste sollten es nicht bereuen! Im Handumdrehen stand ein überraschend gut abgemixter Sound im Raum, der vergessen machte, dass hier Amateure, Semi-Profis und nur wenige Profis am Werk waren. Sicherlich auch die Handschrift des Ex-Landesjazzpreisträgers und begnadeten Altsaxofonisten Magnus Mehl, der es versteht aus dieser Band sukzessive immer mehr herauszukitzeln.
Der Altmeister zollt Hochachtung
Mit „This Can’t Be Love“ und „My Baby Just Cares For Me” legte die Formation los und offenbarte zugleich, an welch einer versierten und ausdrucksvollen Sängerin sie sich erfreuen kann. Pearl Bretter verfügt über ein ausgezeichnetes Timbre und lässt kaum Wünsche übrig in Sachen Jazzgesang.
Danach kam er: Dizzy Krisch, der Vibrafonist, der weit über die Grenzen des Ländles hinaus als Meister der Schlägel und Klangplatten gilt. Kaum ein Genre, das er in seiner mehr als 60 Jahre währenden Bühnenkarriere ausgelassen hätte. In Sachen Bigband war er bereits mit den meisten renommierten Orchestern der Republik unterwegs. In der Pause verriet er: „Tolle Band – es macht Spaß mit denen zu spielen; Hochachtung vor deren Leistung! Nach nur zwei Probetagen haben wir es geschafft, einen satten Groove auf den Weg zu bringen“.
Krisch selbst ließ bei „Day In Day Out“ mit seiner Schlägel-Kunst aufhorchen und bewies erstmalig an diesem Abend seine Klasse. Doch auch die Solisten der Bigband sind an dieser Stelle zu erwähnen. Oliver Guhl (Tenorsaxofon), Alex Förschner (Altsaxofon), Sven Fisch (Trompete), Claus Regelmann (Gitarre), Gunter Maag (Piano), Dietmar „Spaxe“ Lang (Bass), um hier nur einige Namen aufzuführen, haben im Laufe der Jahre bemerkenswerte Entwicklungen gemacht. Wohl ebenfalls ein Verdienst Mehls, deren Talente zu erkennen und ihnen eine Spielwiese zu geben.
Auch Rumpelstilzchen tanzt
Mehl selbst griff bei seiner Komposition „Rumpelstilkin’s Rhythm“ oder bei „One For Daddy O“ (Nat Adderly) selbst zum Altsaxofon, ließ als Tonzauberer die Bigband ums Feuer tanzen (Rumpelstizchen) und schaukelte sich bei der Adderly-Nummer mit Krisch zum musikalischen Zwiegespräch erster Güte hoch. Mit Stevie Wonders „Superstition“ und Pearl Bretters musikalischem Dialog mit Claus Regelmann ging es in die Pause, bevor die zweite Halbzeit mit Charlie Parkers „Billie’s Bounce“ begann.
STB kann auch Bebop-Jazz und stellte sich souverän den jagenden Phrasen, die diese Stilrichtung ausmacht. Eines der schönsten Bigband-Arrangements der viel zu früh verstorbenen Bigband Koryphäe Peter Herbolzheimer, „I Wish You Love“ präsentierte mit einer Soloeinlage des Duos Bretter/Lang, ein besonderes Schmankerl. Und schließlich wurde mit „The Chicken“ der Konzertabend beendet. Ein Bigband- und Session-Klassiker, den der legendäre Bassist Jaco Pastorius einst bekannt gemacht hatte, bei dem Saxofonsoli und ein funky E-Bass im Vordergrund standen.
Stolze Eltern
Vor der Zugabe „Cute“ von Count Basie, betonte Mehl nochmals die Bedeutung des Bigband-Drummers, der den Laden maßgeblich zusammenhalten muss. Froh sei er, mit Ralf Püpcke, den geeigneten Mann in seinen Reihen zu haben. In der Tat hat der Organisator der Böblinger JazzTime und Kulturpreisträger der Stadt Böblingen auch auf dem Drumkit etwas drauf, wie er es an diesem Abend eindrücklich bewies. Sichtlich angetan auch dessen Eltern, die sich kaum eine Veranstaltung ihres Sohnes entgehen lassen. „Seit seinem zehnten Lebensjahr trommelt er, zunächst in der AEG-Bigband und im AEG-Orchster und nun hier. Ein ganz solider Spieler, gerade für Bigband-Jazz“, freuen sie sich. Und die Klasse eines Magnus Mehl, der mit seinem Zug die STB zum Strahlen brachte, erwähnen sie natürlich auch.