Der Leiterwagen mit dem Wehrmachtshelm samt Hakenkreuz steht in der Kritik. Foto: Stadt Eislingen

In Eislingen hat die CDU eine Debatte losgetreten: diffamiert ein Wehrmachtshelm samt Hakenkreuz Vertriebene als Nationalsozialisten?

Eislingen - Ein Hakenkreuz auf einem Stahlhelm aus dem Zweiten Weltkrieg hat in Eislingen Irritationen ausgelöst. Zu sehen ist es auf einem Foto, das auf einer Stele des Eislinger Geschichtspfads zum Thema Flucht und Vertreibung im Zweiten Weltkrieg angebracht ist. Neben dem Stahlhelm sollen auch ein Tornister, eine Trinkflasche, eine Schüssel und andere Habseligkeiten auf einem Leiterwagen an das wenige erinnern, das die Flüchtlinge nach Eislingen mitbrachten. Das Führungsteam des CDU-Ortsverbands fordert nun in einer Pressemitteilung, der Stahlhelm müsse weg, denn die Darstellung unterstelle, alle Vertriebenen seien Nationalsozialisten gewesen.

In der CDU rumort es vernehmlich

„Ich bin sehr verärgert über dieses Vorgehen“, das mit mir so nicht abgestimmt worden sei, erklärt die CDU-Stadträtin Karin Schuster, die bis vor einem Jahr auch im Vorstand des örtlichen CDU-Ortsvereins tätig war. Karin Schuster gehört zu den Stadträten, die, abgeordnet von ihren Fraktionen, bei der Erarbeitung des Geschichtspfads maßgeblich mitgewirkt hatten. Von einem Generalverdacht gegenüber Heimatvertriebenen, wie ihn der Vorsitzende des CDU-Ortsvereins, Axel Raisch, und sein Stellvertreter, Hans Jörg Autenrieth, in ihrer Pressemitteilung nahe legten, könne überhaupt keine Rede sein. „Das ist falsch interpretiert“, erklärt die pensionierte Pädagogin.

„CDU kritisiert fatale Botschaft: Das Hakenkreuz muss weg“, ist der Beitrag von Raisch und Autenrieth überschrieben. Darin heißt es, die Darstellung mit dem besagten Stahlhelm samt Hakenkreuz stoße bei der CDU auf Kritik und Unverständnis.

Der Fraktionschef möchte die Sache nicht so hoch hängen

Schuster bezeichnet diese Veröffentlichung, die unnötigen Wirbel auslöse, in den derzeit politisch aufgeheizten Zeiten als zu plakativ und ungeschickt und ihr gegenüber außerdem noch als brüskierend. Da frage sie sich schon, wer denn die CDU Eislingen eigentlich sei. Auch der Vorsitzende der CDU-Fraktion im Stadtrat, Manfred Strohm, spricht von einem unglücklichen und unbedachten Vorgang. „Ich kann diese Interpretation nicht nachvollziehen“, erklärt der Kommunalpolitiker, der die Sache aber nicht „so hoch hängen“ möchte. Das Thema Hakenkreuz habe Axel Raisch in der letzten Ausschusssitzung des Gemeinderates zur Sprache gebracht, und die Verwaltung habe zugesagt, die Sache zu prüfen.

Ja, der Arbeitskreis Geschichtspfad werde sich mit dem Thema noch mal beschäftigen, erklärt auch Heike Rapp, die Sprecherin der Kommune, die den Wehrmachtshelm „als Bestandteil beim Thema Krieg und Vertreibung“ bezeichnet. Für das Fotomotiv mit dem Leiterwagen habe sich der Arbeitskreis damals einstimmig entschieden. Und die SPD-Stadträtin Gudrun Igel-Mann verteidigt die Abbildung als ein Zeitzeugnis, an dem man nicht herumkritteln sollte. Sie könne daran nichts anstößiges finden.

Axel Raisch bleibt dabei: Bei dem Foto handle es sich um ein verzerrendes Bild, das die Vertriebenen in ein falsches Licht rücke und diskriminiere. Darauf sei er auch von Bürgern angesprochen worden, die den Stahlhelm samt Hakenkreuz als „seltsam“ und „unmöglich“ bewertet hätten.

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