Fluch und Segen: Das Digi-Camp will helfen, Gefahren im Internet zu erkennen. Foto: dpa

Beim Digi-Camp am Georg-Büchner-Gymnasium in Winnenden bekommen Schüler Tipps für das Leben im Netz.

Winnenden - Wer Kinder oder Enkel im Teenageralter hat, weiß ganz genau: Das Internet ist für die Heranwachsenden der Tummelplatz schlechthin. Wie selbstverständlich bewegen sie sich mit ihren Smartphones bei WhatsApp, Instagram oder Snapchat, entdecken ihre Influencer auf Youtube – und wissen doch nicht ausreichend um die Gefahren, die im digitalen Leben auf sie lauern: Hacker, Datenspione, Mobber können hinter jeder Ecke warten. Damit die Teenager in Zukunft besser gerüstet sind, gibt es seit diesem Jahr das sogenannte Digi-Camp der Barmer-Krankenkasse sowie des Start-Ups BG 3000. Diese Woche hat das dreitägige Präventionsprojekt mit Workshops und Vorträgen am Georg-Büchner-Gymnasium in Winnenden Station gemacht.

Noch ein paar Drachenbilder

Richard Hofmann, Tobias Summerer und Jan Pavel sind mit Herzblut dabei. Die drei 13- bis 14-Jährigen arbeiten am dritten Tag des Digi-Camps an ihrer sogenannten Prezi-Präsentation zu ihrem Lieblings-computerspiel. „Hier würde ich mir noch ein paar Drachenbilder wünschen“, sagt der Trainer Frieder Krauß und bittet die drei, sich auch dem Thema „Gefahren von Internetspielen“ zu widmen. Der 33-Jährige hat den Achtklässlern zunächst erklärt, wie die neuartige Präsentationssoftware Prezi funktioniert – nun füllen die Jugendlichen in kleinen Gruppen jeweils ihre eigene Präsentation mit Themen, für die sie brennen. Wie selbstverständlich bewegen sie sich innerhalb kürzester Zeit in dem Programm und erlernen Fähigkeiten, die sie später in einer GFS – also einer Präsentation im Unterricht – brauchen können.

Einen Raum weiter arbeitet eine andere Gruppe an einem eigenen Youtube-Video zum Thema digitaler Stress. Auch an dieser Stelle verknüpfen sich zwei Ziele des Digi-Camps: Zum einen, so erklärt die Projektleiterin Sofie Kiefer, lernen die Jugendlichen mit dem Medium besser umzugehen, erfahren aus erster Hand von einem Influencer, wie viel Arbeit hinter einem Youtube-Kanal steckt und was ein Storyboard ist. Zudem vertiefen sie gleichzeitig, was sie tags zuvor im theoretischen Teil gelernt haben. „Wir wollen mit dem Digi-Camp die Schüler für die Themen digitaler Stress und Internetsucht sensibilisieren“, sagt Kiefer.

Keine Schule ohne Cybermobbing

Hintergrund des Engagements der Barmer-Krankenkasse ist das 2017 verabschiedete Präventionsgesetz des damaligen Bundesgesundheitsministers Hermann Gröhe. Für die Schulen ist der dreitägige intensive Workshop, zu dem auch ein Elternabend gehört, kostenlos. Am ersten Tag erfahren die Jugendlichen, wie einfach es ist, gehackt zu werden, was sie bei Cybermobbing tun können und wie sie sich im Internetzeitalter fit halten können – obwohl das Netz immer lockt. Auch Datenschutz und Benimmregeln im Internet stehen dabei auf dem Programm. Die beiden anderen Tage gehören dann den Workshops. Das Büchner-Gymnasium hat sich für drei von 21 möglichen Themen entschieden.

Das Konzept scheint aufzugehen. In ganz Deutschland waren die Barmer und die BG 3000 schon rund 50 Mal an verschiedenen Schulen zu Gast mit dem Digi-Camp. Auch die Schulleiterin Ilse Bulling ist überzeugt: „Das ist ein wichtiges Thema.“ Anlass, das Camp an ihre Schule zu holen, sah die Rektorin, weil es auch dort immer wieder Fälle von Cybermobbing gibt. „Es gibt keine Schule, die heutzutage nicht davon betroffen ist“, so Bulling.

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