"Kommissar Bienzle" mit Frau Foto: Eppler

Im Pflegeheim geht es Dietz-Werner Steck, unvergessen als „Tatort“-Kommissar, laut seiner Frau „ein wenig besser“. Jetzt ist ein neues Bienzle-Buch von Felix Huby erschienen.

Stuttgart - Es war am Tag der ersten Mondlandung. Der damals 32-jährige Dietz-Werner Steck, Ensemblemitglied des Staatstheaters Stuttgart, fuhr im Urlaub auf Mallorca im Bus ins Hotel. Neben ihm war der Platz frei. Eine hübsche, junge Frau setzte sich zu ihm. Die Hanna aus Frankfurt! Es war eine Punktlandung in seinem Herzen. Zwei Jahre später haben sie geheiratet.

Meist sind es schöne Geschichten, die Paare von der erste Begegnung erzählen. Der in Waiblingen geborene Steck, der erst mit 55 Jahren zur Fernsehrolle seines Lebens kam und mit ihr so sehr verwuchs, dass noch heute viele Bienzle zu ihm sagen, war just zu dem Zeitpunkt im siebten Himmel angekommen, als ein Mann auf dem Mond die Welt die Atem hielt.

Mir hat es immer gefallen, wie der spätere „Tatort“-Kommissar kurz und knapp davon erzählte, wie es bei ihm 1969 gefunkt hat. Doch noch ergreifender ist, wie das Fundament dieser im Bus von Mallorca entflammten Liebe auch nach über 40 Ehejahren immer noch hält – so fest, dass die beiden selbst in schlechter Zeit glückliche Momente erleben.

Von so einem glücklichen Moment hat mir Hanna Steck am Telefon erzählt. Wie fast jeden Tag war sie bei ihrem Mann gewesen, der nach mehreren Operationen in einem Pflegeheim lebt und auf den Rollstuhl angewiesen ist. Die beiden nutzten das schöne Wetter für einen Ausflug in ein Café, wo sie im Schatten saßen und er sich ein Eis bestellte. „Meinem Mann geht es besser“, sagte Frau Steck. Nach allem, was er durchgemacht habe, ist dies nicht selbstverständlich. Der 78-Jährige freute sich über die Sonne, über eine Flasche Wasser, die ihm eine Pflegerin mit den Worten „Bei diesem Wetter muss man viel trinken“ gebracht hatte, als er mit seiner Frau aufbrach. Und er hat sich auch über das neue „Bienzle“-Buch seines alten Freundes Felix Huby gefreut, aus dem ihm seine Frau vorgelesen hat.

„Gestatten: Bienzle, Pensionär“, so heißt die vom Belser-Verlag herausgegebene Geschichtensammlung, die drei neue Kriminalfälle enthält sowie neun Texte, die bereits in Anthologien erschienen sind. Dem Bienzle werden mit diesem Buch Hut und Mantel zurückgegeben - auch im Ruhestand findet er seine Täter. Etwa am Südheimer Platz. Ein Mann sitzt bei Paolo, dem einstigen Lieblingsitaliener des Autors. Plötzlich steht er auf und bittet Bienzle, auf seine Sachen am Tisch aufzupassen. Natürlich kommt der pensionierte Kommissar dahinter, warum er das tut. Der Unbekannte überfällt eine nahe Bank, um wenig später wieder beim Italiener zu sitzen und nicht aufzufallen.

In den neuen Geschichten klingt an einigen Stellen ein sentimentaler Ton mit. Die größte Herausforderung ist das Älterwerden, scheint uns der Autor sagen zu wollen. Huby, der den Bienzle 1977 erfunden hat, ist 76 – da müssen Gedanken übers Altwerden erlaubt sein. Bei seinen Texten fließen Gedanken großer Kollegen ein. Die mit 94 Jahren verstorbene Literaturnobelpreisträgerin Doris Lessing, so lässt Huby seinen Bienzle sagen, habe das Alter wie folgt beschrieben: „Das Schlimmste ist, dass die Kräfte nachlassen, ohne dass man etwas ändern kann. Das Schöne ist, dass man langsam davonschwebt und der Welt mehr und mehr zusieht wie einer großen Komödie.“

Wir wünschen Dietz-Werner Steck mehr Schönes als Schlimmes und dass ihm das Lachen trotz allem nicht vergeht. Als „Tatort“-Kommissar hat er Millionen erfreut. Heute, sagt seine Frau, will er nicht mehr, dass die Leute Bienzle zu ihm sagen. Steck ist nur noch Steck, der auf ein gelebtes Leben zurückblickt und sich bestimmt noch immer freut, was im Juli des Jahres 1969 geschah. Als der erste Mann den Mond betrat, trat eine wundervolle Frau in sein Leben.

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