VfB-Aufsichtsratchef Dieter Hundt Foto: dpa

Dieter Hundt über die Präsidentenwahl beim VfB Stuttgart und seine Rolle im Aufsichtsrat.

Stuttgart - Einst war er ein willkommener Helfer in schwierigen Zeiten, jetzt gilt er für einen Teil der Fans des VfB Stuttgart als Reizfigur. Deshalb kippt der Aufsichtsratschef des Fußball-Bundesligisten aber nicht aus den Pantinen. Er übernimmt gern Verantwortung - aber nicht für alles.

Guten Tag, Herr Hundt. Noch wenige Tage bis zur Präsidentenwahl beim VfB. Saust Ihnen schon ein bisschen der Frack?
(Blickt erstaunt.) Ich bitte Sie! Warum denn?

Selbst ernannte Kandidaten haben einen Wahlkampf inszeniert, der vor allem eines zum Ziel hat: den vom Aufsichtsrat gemäß Satzung benannten Bewerber Gerd E. Mäuser zu verhindern.
Ja, und das bedauere ich sehr. Diese Irritationen schaden dem VfB gewaltig. Deshalb bin ich froh, dass am nächsten Sonntag die Mitgliederversammlung entscheidet . . .

. . . und danach womöglich das große Chaos ausbricht.
Nein, um Himmels willen. Es muss schnellstmöglich wieder Ruhe einkehren, die der VfB braucht, um sich ungestört auf die nächste Saison vorbereiten zu können.

Teile der Fans haben sich nach der verkorksten Saison festgelegt: Dieter Hundt ist an allem schuld. Haben Sie eine Erklärung dafür?
Nein. Das Ganze ist ja auch sehr widersprüchlich. Auf der einen Seite wird kritisiert, ich hätte mich ins operative Geschäft eingemischt, auf der anderen Seite hält man mir vor, dass ich Fehler in diesem Bereich nicht verhindert habe.

Ein Stuttgarter Blatt feierte Sie bei Ihrem Amtsantritt als die neue Lichtgestalt beim VfB, nun würden Sie Ihre Kritiker am liebsten auf den Mond schießen.
Präsident Erwin Staudt tritt nicht mehr an, also muss ein anderer Schuldiger gesucht werden. Jetzt ziehe ich eben alle Pfeile auf mich. Grundsätzlich habe ich kein Problem mit Kritik, aber dann sollten mir die Kritiker auch sagen, was der Aufsichtsrat konkret falsch gemacht hat.

Teure Fehleinkäufe, die häufigen Trainerwechsel der vergangenen Jahre, regelmäßig verkorkste Rückrunden . . .
. . . jetzt aber mal langsam. Natürlich wurden die Dinge auch mit dem Aufsichtsrat diskutiert, aber die Entscheidungen über Trainerwechsel, Spielerein- oder -verkäufe hat immer der Vorstand getroffen.

Und da war mancher Fehlgriff dabei. Sie haben zu lange zugeschaut. Um die Gesamtverantwortung können Sie sich nicht drücken.
(Richtet sich in seinem Sessel auf.) Das tue ich auch nicht. Es wurden ohne Zweifel Fehler gemacht. Aber glauben Sie mir: Die wurden intern auch diskutiert. Dabei gab es im Übrigen nicht immer Einvernehmen. Es wurden auch notwendige Konsequenzen gezogen.

Jetzt gibt es einen Sportbeirat, der mit sich selber diskutiert.
So sehe ich das nicht. Wir bekommen zusätzliche sportliche Fachkompetenz, die wichtige Entscheidungen mit Manager Fredi Bobic, Finanzdirektor Ulrich Ruf und dem künftigen Präsidenten diskutiert. Es spricht auch nichts dagegen, im einen oder anderen Fall einen weiteren Experten dazuzubitten.

Die aktuelle Diskussion hat auch eine hochemotionale Komponente: Als Arbeitgeberpräsident sind Sie sozusagen das natürliche Feindbild der Arbeitnehmer.
Das mag teilweise der Fall sein. Aber was das mit meinem Amt beim VfB zu tun hat, erschließt sich mir nicht. Der Verein ist in den vergangenen Jahren sportlich und wirtschaftlich außerordentlich erfolgreich gewesen.

"Ich laufe nicht davon"

Ihre öffentlichen Äußerungen werden als Einmischung verstanden. 
Nennen Sie mir einen Fall, in dem ich ein Vorstandsmitglied korrigiert oder kritisiert habe.

Warum halten Sie sich öffentlich nicht mehr zurück?
Ich halte mich in der Öffentlichkeit in Sachen Fußball sehr zurück und äußere mich nur zu Themen, welche die Zuständigkeit des Aufsichtsrats berühren. Das ist aus meiner Sicht völlig in Ordnung.

Der ehemalige Manager Horst Heldt stand mit Ihnen auf Kriegsfuß.
(Hebt die Augenbrauen.) Das ist auch so eine Legende. Als er zum FC Schalke ging, kam er zu mir, um sich ausdrücklich und herzlich für die gute Zusammenarbeit zu bedanken. Dabei hat er betont, dass er viel von mir gelernt habe.

Gerd E. Mäuser wird von Teilen der Öffentlichkeit als Ihre Fingerpuppe bezeichnet. Er muss eine Anti-Hundt-Wahl befürchten.
Das hoffe ich im Interesse des Vereins nicht. Ich halte von seinen Führungsqualitäten außerordentlich viel. Er ist für diese Aufgabe bestens qualifiziert und war in den vergangenen Jahren eines der kritischsten Mitglieder im Aufsichtsrat. In ihm bekäme der VfB einen ganz hervorragenden Präsidenten.

Was, wenn er durchfällt?
Das wäre ein großer Schaden für den VfB. Aber die Mitgliederversammlung des VfB Stuttgart ist das höchste Vereinsorgan. Dort wird demokratisch entschieden. Das werden wir akzeptieren.

Auch, wenn nach einer Satzungsänderung Helmut Roleder gewählt würde?
Das wäre eine für den Verein sehr schlechte Lösung.

In Gerd E. Mäuser steht nur ein Kandidat zur Wahl, das wird von Teilen der Mitglieder kritisiert. Es sei keine echte Wahl.
Ich bitte Sie, Kampfabstimmungen werden doch in Gewerkschaften, Vereinen und Parteien wenn irgend möglich vermieden. Das sind Zerreißproben, das führt zu Lagerbildungen, bei denen es am Ende nur Verlierer gibt. Das kann beim besten Willen nicht die Zielsetzung sein. Ich werde auf keinen Fall davon abweichen, dass der Aufsichtsrat gemäß der Vereinssatzung und entsprechend den Statuten der Deutschen Fußball-Liga einen Kandidaten benennt. Die Mitgliederversammlung wählt ihn dann ins Amt oder lehnt ihn ab.

Es gibt vermutlich auch einen Antrag auf Abwahl des Aufsichtsrats.
Wie gesagt, die Mitgliederversammlung ist der Souverän. Das hätten wir dann zu akzeptieren.

Haben Sie schon einmal daran gedacht, vom Amt des Aufsichtsratschefs zurückzutreten?
Nein, ich bin gewählt, habe die Verantwortung übernommen, und ich werde dieser Verpflichtung gerecht. Ich laufe nicht davon.

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