Für die Polizei gibt es wieder einen ungewöhnlichen Ermittlungsfall zu lösen. Foto: dpa

Nicht immer wird Hilflosen in Stuttgart geholfen. Die Polizei ermittelt nun in einem Fall, bei dem Diebe einen Mann mit einem epileptischen Anfall bestohlen haben sollen.

Stuttgart - Was hat sich da abgespielt, an jenem späten Samstagabend in der Paulinenstraße? Hat es Zeugen gegeben, als ein Mann, der während eines epileptischen Anfalls hilflos auf dem Pflaster lag, von zwei Unbekannten bestohlen wurde? Die Polizei bittet um Hinweise.

Das 57-jährige Opfer stammt aus Zuffenhausen, war nach bisherigen Erkenntnissen am Samstag gegen 22 Uhr in der Innenstadt an der Tübinger Straße unterwegs. In der Grünanlage bei der Paulinenbrücke soll sich Dramatisches abgespielt haben: „Nach seinen Angaben erlitt der Betroffene plötzlich einen epileptischen Anfall“, sagt Polizeisprecher Stephan Widmann. Und dabei wurde der 57-Jährige offenbar bestohlen.

Die Polizei sucht Zeugen

Zwei Personen, so vermerkt es das Polizeiprotokoll, hätten die Hilflosigkeit des Opfers ausgenutzt und dessen Rucksack an sich genommen. Außerdem sollen die Unbekannten die Geldbörse des 57-Jährigen aus der Hosentasche gezogen haben. Dadurch machten sie offenbar 35 Euro Beute. Den leeren Geldbeutel ließen sie am Tatort zurück.

Reichlich Ermittlungsansätze gibt es für die Polizei nicht. Denn zu der Tat, die sich in der Sozialgeschädigtenszene unter der Paulinenbrücke abspielte, gibt es keine Täterbeschreibung. Nur jene, dass es sich um zwei Personen gehandelt haben soll. Der 57-Jährige erstattete mit reichlich Verzögerung Anzeige. Er meldete die Tat erst am Sonntag gegen 13 Uhr beim Revier in Zuffenhausen. Bei den Ermittlungen ist die Polizei daher auf Hinweise aus der Bevölkerung angewiesen. Wer Verdächtiges beobachtet hat oder Hinweise geben kann, wird gebeten, sich über Telefon 07 11 / 89 90 - 37 00 zu melden.

Unfallopfer bestohlen – der Täter wurde gefasst

Bei einem anderen Fall, bei dem eine hilflose Person ins Visier von Dieben geraten war, hatte ein solcher Zeugenaufruf durchaus Erfolg. Am 21. Juni war eine 38-jährige Motorrollerfahrerin am Marienplatz im Stuttgarter Süden schwer verunglückt. Nachdem sie von einem Auto angefahren worden war, hatten sich Ersthelfer um die Frau gekümmert, die schwere Beinverletzungen erlitten hatte. Unter den Schaulustigen war damals auch ein Langfinger – er ließ den Geldbeutel aus der unbeaufsichtigt herumliegenden Handtasche des Unfallopfers verschwinden.

Ein Monat später wurde der Tatverdächtige ermittelt. Es handelte sich um einen 39-jährigen Drogenabhängigen, der bereits mehrfach polizeilich in Erscheinung getreten war. Die Polizei war durch Zeugenhinweise auf seine Spur gekommen – konnte ihn zunächst aber nicht festnehmen. Der Verdächtige wurde dingfest gemacht, als er in Degerloch in eine Wohnung einbrechen wollte und auf frischer Tat ertappt wurde.

Betrunkene sind stark gefährdet

Dabei kommt es immer wieder vor, dass hilflose Personen in der Stuttgarter Innenstadt nicht gerade an Samariter geraten. Besonders Stadtbummler und Nachtschwärmer, die stark alkoholisiert die Kontrolle über sich verlieren, können ohne Begleiter schnell zum Opfer werden. So rührte es einen Taschendieb vor Monaten wenig, dass sich eine 22-jährige Frau an der S-Bahn-Haltestelle Schwabstraße mehrfach übergab, weil sie offensichtlich zu viel Alkohol konsumiert hatte. Der Dieb nahm die Geldbörse aus ihrer Handtasche, nahm 15 Euro heraus. Der 39-Jährige konnte später jedoch von der Bundespolizei festgenommen werden. Ähnlich erging es einem 26-Jährigen, der in einer Stadtbahn zum Fernsehturm eingeschlafen war. Ein Dieb konnte so sein Handy an sich bringen. Allerdings passte ein Fahrgast auf und weckte das Opfer. Der Täter entkam nach einem Gerangel dennoch.

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