Vorbild für eine römische Stadtvilla: Die wiedererbaute Villa Rustica in Hechingen Foto: Schmidt-Lawrenz

Da hat wohl einer abgekupfert. Eine römische Stadtvilla im neuen „Asterix“ steht eigentlich in Hechingen.

Hechingen - Wenige Tage nachdem „Der ­Papyrus des Cäsar“ erschienen war, erhielt Stefan Schmidt-Lawrenz eine überraschende E-Mail. Im neuen Asterix-Heft sei die ­Villa Rustica abgebildet, schrieb ihm ein ehemaliger Student – ein römisches Landgut, das vor einigen Jahrzehnten im Hechinger Stadtteil Stein entdeckt und teilweise ausgegraben und wiederaufgebaut wurde.

Erst sei er misstrauisch gewesen, erzählt Schmidt-Lawrenz, Leiter des römischen Freilichtmuseums in Stein, dann wollte er es aber doch genau wissen. Und war „geplättet“: Auf Seite zehn findet sich tatsächlich eine Zeichnung, die der Villa Rustica erstaunlich ähnlich sieht. Wie diese verfügt der gezeichnete Bau über vier Giebelfenster, eine offene Säulenhalle und eine Freitreppe. Nur den Turm, den der französische Zeichner Didier Conrad hinzugefügt hat, gibt es nicht.

Als Vorlage diente dem französsichen Zeichner vermutlich ein Foto, das Schmidt-Lawrenz selbst aufgenommen hat und das sein Museum häufig für Werbezwecke verwendet. Wer im Internet nach einer römischen Villa sucht, stößt auch auf dieses Bild.

Ausgrabungen seit den 70er Jahren

Die „Wiedergeburt“ der Römer in Hechingen begann in den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Auf der Suche nach einem mittelalterlichen Ort hatte der da­malige Bürgermeister von Stein, Gerd Schollian, 1973 im Wald erste Mauern entdeckt. Nach weiteren Erkundungen stellte sich heraus, dass es sich um Reste eines römischen Gutshofs, einer Villa Rustica, handelte. Darauf veranlasste das Landesdenkmalamt Tübingen Ausgrabungen, bei denen zunächst das Haupthaus und das Badehaus zutage kamen. Seit 22 Jahren ist auch Schmidt-Lawrenz dabei – er hat über die römischen Siedlungsreste auch seine Doktorarbeit geschrieben.

Die Villa Rustica in Stein stammt allerdings nicht aus Cäsars Zeit. Vermutlich erst 150 Jahre nach der Ermordung des römischen Feldherrn im Jahr 44 vor Christus wurde mit dem Bau der riesigen Anlage begonnen, in der Nähe gibt es auch noch zwei kleinere. Und anders als im Comic vorgesehen handelt es sich auch nicht um eine römische Stadtvilla. Einen richtigen römischen Ort habe es an dieser Stelle nicht gegeben, sagt der Archäologe – die nächstgrößtere Siedlung war Sumelocenna, das heutige Rottenburg. Dort lebten schätzungsweise 4000 Römer.

Die Gutshöfe in Hechingen dienten wohl vor allem dazu, die keine 20 Kilometer entfernte Stadt mit Lebensmitteln zu versorgen. Den Archäologen gibt die Villa Rustica aber immer noch viele Rätsel auf. So stießen sie vor einigen Jahren auf eine Art heiligen Ort, ein umfriedetes Stück mit zehn kleinen Kapellen und Statuen aus der römischen Götterwelt – unter anderem von Göttervater Jupiter, der Liebesgöttin Venus und der Kriegsgöttin Hera. Für den privaten Gutshof eines römischen Veteranen sei eine ­solche Ausstattung ungewöhnlich, sagt Schmidt-Lawrenz. Die Suche geht weiter.

Museum hofft auf Freiexemplare

Auch beim Ehapa-Verlag in Berlin, der die Lizenz für den aus Frankreich kommenden Comic hat und schon einmal 1,7 Millionen Exemplare für den deutschsprachigen Lesermarkt gedruckt hat. Natürlich werde man den Zeichner fragen, was ihn zur Entscheidung für dieses Gebäude bewegt habe, sagt eine Sprecherin des Verlags. Aber Didier Conrad sei derzeit nicht zu erreichen, weil er und der Autor derzeit mit dem Comic durch Westfrankreichs Buchhandlungen tourten. Und Tauben – die im neuen Asterix für Kurznachrichten eingesetzt werden – stehen natürlich nicht zur Verfügung.

Für Schmidt-Lawrenz ist die Verwendung seines Fotos kein rechtliches Problem. Schließlich ist er selbst Asterix-Fan und trauert den inzwischen verstorbenen Urhebern nach, deren Witz und Ideen er besonders schätzte. Er würde sich freuen, wenn sich der Verlag für seine gute Foto-Vorlage spendabel zeigen würde, etwa durch einen großen Stapel Freiexemplare, die dann im Museumsladen verkauft werden könnten. Die Nachricht von der Abbildung der Villa verbreitete sich über die Zeitung und Facebook so schnell, dass es in der Stadt keine Exemplare mehr gibt.

Und er hofft, dass die Villa Rustica durch die Veröffentlichung auch im Ausland bekannter wird. Der „Papyrus des Cäsar“ ist immerhin in einige europäische Sprachen übersetzt worden – Übersetzungen voriger Bände gibt es in 111 Sprachen. Auf ausländische Gallierfreunde ist das Museum in Hechingen bestens eingestellt – auf der Internetseite des Museums finden sich Hinweise in vielen Sprachen.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: