Mit der richtigen Kleidung ist Laufen auch im Herbst kein Problem Foto: Fotolia

Auch im Herbst und Winter zieht es viele Menschen zum Joggen nach draußen – doch bei der falschen Kleidung kommt man schnell mit einer Erkältung und Verspannungen  nach Hause. Unfallchirurg und Läufer Markus Walther erklärt, warum auch Wolle ein gutes Material für Sportkleidung ist.

Herr Walther, es gibt eine Menge teurer Jogging-Klamotten. Was braucht man wirklich?
Notwendig ist sicher nichts davon. Aber es ist zum Beispiel nicht empfehlenswert, in einem Baumwoll-T-Shirt zu laufen, weil es sich mit Schweiß vollsaugt und die Feuchtigkeit nur langsam an die Umgebung abgibt. Es liegt dann wie ein nasser kalter Schwamm auf der Haut auf. Dadurch kühlt die Muskulatur aus. Das kann Verspannungen verursachen.
Aus welchem Material sollte die Kleidung sein?
Es gibt verschiedene Fasern, die in Lauf­bekleidung verwendet werden. Letztlich sind es allesamt Kunstfasern. Sie bilden netzartige Gewebe, die den Schweiß gut transportieren können und selbst kaum Flüssigkeit aufnehmen. Dadurch erreicht man, dass der Stoff sich nicht vollsaugt. Der Schweiß verdunstet schnell, so dass ein Kühleffekt vorhanden ist.
Es gibt große Preisunterschiede bei der Bekleidung. Woran erkennt man gute Kleidung?
Ob es sich um hochwertige Laufkleidung oder um ein eher günstiges Produkt handelt, sieht man unter anderem daran, ob un­terschiedliche Gewebe verwendet werden. Bei den besseren Shirts hat man zum ­Beispiel im Nacken etwas dickeres Material, um diesen vor Auskühlung zu schützen. Das ist praktisch, weil man dort nicht stark schwitzt, und es beugt Verspannungen vor. An der Wirbelsäule dagegen verwendet man bei hochwertiger Laufkleidung dünneres Material. Denn dort liegt die hintere Schweiß­rinne, wo man stärker schwitzt. An der Frontseite wird wieder dichteres Gewebe verwendet, damit der Sportler gegen Lauf- und Fahrtwind geschützt ist.
Was ist von Laufkleidung mit Aluminium-Bestandteilen zu halten?
Aluminium-Pads oder eingewobene Aluminium-Fasern verwendet man, um bei Hitze einen besseren Kühlungseffekt zu haben. Die Kleidung fühlt sich kalt an, wenn man sie anzieht, aber der Effekt bei intensivem Sport ist doch eher gering. In dem Moment, in dem das Aluminium mit Wärme gesättigt ist, ist es schwierig, diesen Kühlmechanismus noch wahrzunehmen. Es gibt aber aus medizinischer Sicht keine Bedenken, diesen als komfortablen Kühleffekt auf der Haut zu nutzen.
Aber von Aluminium im Deo wird doch abgeraten . . .
Im Deodorants sind Alu-Mikro- oder -Nanopartikel vorhanden. Das ist etwas ganz anderes als Alufäden, die im Gewebe bleiben und dadurch nicht vom Körper aufgenommen werden.
Die Temperaturen sinken langsam. Was trägt man am besten?
Läufer tragen am besten Oberbekleidung aus semipermeablen Membranen. Sie sind so aufgebaut, dass winzige Wasserdampfmoleküle, die beim Schwitzen entstehen, durch die Membran austreten können. Regentropfen dagegen, die um ein Vielfaches größer sind, können von außen nicht ein­treten.
Sind semipermeable Materialien denn auch sinnvoll, wenn es nicht regnet?
Ja, weil sie winddicht sind, man aber gleichzeitig viel weniger schwitzt als unter einer normalen Kunststoffmembran. Man kühlt deshalb weniger aus. Die Grenze dieses Systems ist vor allem der Luftfeuchtigkeitsunterschied. Wenn Sie im Regenwald unterwegs sind, wo die Luft mit Wasser gesättigt ist, gibt es ihn nicht, und es kann kaum Feuchtigkeit austreten. Je größer der Luftfeuchtigkeitsunterschied, desto besser funktioniert die Membran – optimal funktioniert sie in den Bergen, denn da ist die Luft sehr trocken.
Was zieht man am besten darunter an?
Es kommt darauf an, bei welchem Klima man läuft. Wenn es kalt ist, sollte man Materialien anziehen, die mehr Luft im Gewebe einschließen.
Eignet sich Wolle dafür?
Der große Vorteil der Wolle ist, dass sie aus sehr kleinen Fasern besteht – sie schließt viel Luft ein und isoliert deshalb sehr gut. Vor ­allem für Unterwäsche, die man in kalter Umgebung trägt, ist das von Vorteil. Leider vertragen aber nicht alle Sportler natürliche Wolle direkt auf der Haut, manche Menschen bekommen Allergien auf Wolle oder Kontaktekzeme – das juckt dann auf der Haut. Nachteil ist auch, dass Wolle mehr Flüssigkeit aufnimmt als ein Kunststoffgewebe. Sie wird also schwerer, und man friert sehr schnell, wenn Wind direkt auf nasse Wolle trifft.
Ist Kunstfaser besser verträglich als Wolle?
Kunstfaser wird tatsächlich wesentlich besser vertragen. Wenn Sportler Probleme mit Kunstfasern haben, dann meist wegen den Zusätzen wie Farbstoffen. Die Sachen sollten vor dem Tragen gewaschen werden.
Am besten zum Sport geeignet ist also doch Kunstfaser?
Eine gute Kombination bei Kälte könnte sein: Shirt aus Merino-Wolle, kombiniert mit einer leichten Jacke aus einer semipermeablen Membran. Wenn ich aber stark schwitze und es weniger drauf ankommt, den Körper warm zu halten, dann bevorzuge ich eine Kunststoff-Faser.
Sollte man Unterwäsche aus Kunstfaser verwenden?
Bei einer längeren Strecke hat es Vorteile, weil Kunstfaser schnell trocknet und man nicht auskühlt. Wenn ich zum Beispiel an Mountainbike-Touren denke, wo man beim Rauffahren ziemlich schwitzt und beim Runterfahren sehr auskühlt, sind Kunst­fasern am ganzen Körper sinnvoll. Eine Baumwoll-Unterhose wird den ganzen Tag nicht mehr trocken und fühlt sich entsprechend unangenehm an. Bei der Sportkleidung ist oft eine Kunstfaser-Unterwäsche miteingearbeitet, da muss man keine Unterhose drunter ziehen. So vermeidet man diese Nässeproblematik.
Sollte Laufkleidung eher eng anliegen, oder darf sie etwas weiter geschnitten sein?
Die Kleidung sollte nicht beim Atmen hindern, aber sonst möglichst eng anliegen. Wenn man ein zu großes Oberteil anhat, hebt es sich beim Laufen ab. Es erzeugt beim Wiederauftreffen auf der Haut einen kalten Luftstoß und stört eventuell sogar die Bewegung.