Szene aus „Die Räuber“ mit Isild Le Besco und Maximilian Schell Foto: Verleih

Schillers Drama „Die Räuber“ in einer Filmversion von Frank Hoffmann und Pol Cruchten. Zu sehen: im Stuttgarter Metropol.

Stuttgart - Die ganz große Geste, das extreme Gefühls-Auf-und-Ab: Die Regisseure Frank Hoffmann und Pol Cruchten verbeugen sich vor Friedrich Schillers Pathoslust in ihrer Filmversion des „Die Räuber“-Dramas.

Sie verlegen in dieser luxemburgisch-deutsch-belgischen Koproduktion die Geschichte nach Luxemburg. Neben Bruderzwist und der Geschichte um den ­verlorenen Sohn geht es vor allem um Finanzmauscheleien. Die Bösen in diesem Film sind richtig, richtig fies, schauen auch oft so. Die feinen Büro- oder Gesellschaftsräume, in denen sie sich begegnen, sind kalt beleuchtet. Glänzende Oberflächen, ­darunter lauert die Niedertracht. Karl (Éric Caravaca) kommt aus dem Gefängnis frei (dramatisch grau bewölkter Himmel, als er den Knast verlässt).

Er hat die krummen Geschäfte der Firma seines Banker-Vaters (Maximilian Schell in seiner letzten Filmrolle) auf sich genommen, der böse Bruder Franz (Robinson Stévenin) bleibt gemein, will nichts mehr mit Karl zu schaffen haben, damit er noch besser seine Geldwäsche-Intrigen vor dem alten Vater geheim halten kann. Aber Amalia (Isild Le Besco) – anders als bei Schiller nicht die ­Geliebte von Karl, sondern die Schwester – kümmert sich um den Bruder.

Die Parallelen zu Schiller wirken – abgesehen von großen Gefühlswirren – erzwungen. Manches Ränkespiel erscheint extrem konstruiert, etwa wenn Karl mit Hilfe einer Räubergang an Papiere zu kommen versucht, die seine Unschuld beweisen und die Machenschaften des Bruders ans Tageslicht bringen könnten.

Die Atmosphäre in diesem Film ist ­eigenartig künstlich und – abgesehen von Verfolgungen im Wald und hektischen Autofahrten, wenn ein Banker entführt wird – recht statisch. ­Viel wird in Innenräumen herumgestanden; die Großaufnahmen bei Streitszenen lohnen sich vor allem, wenn die Kamera auf dem Gesicht von Isild Le Besco ruht. Hohe ­Wangenknochen, grandios hochmütiger Blick, dann wieder kaum merkliches Zucken um den Mundwinkel, wenn sie leidet, sich verletzt fühlt.

Die hoch emotionale Frau unterdrückt ihre Wut auf das Betrüger­system zunächst und poussiert sogar mit Franz’ Geschäftsfreund Henry (Wolfram Koch, den man als Theaterschauspieler am Deutschen Theater Berlin kennt). Sie wechselt dann aber doch auf die bessere – aber auch nicht wirklich gute – Seite.

Grandios auch Maximilian Schell in seinem letzten Auftritt: Sehr fein lässt er in der Schwebe, ob er wirklich nichts von den Machenschaften des Sohnes Franz weiß oder sie schweigend toleriert, ja gutheißt.

Hoffmann ist Theatermann (und leitet die Ruhrfestspiele Recklinghausen), er konzentriert sich auf die emotionalen Zwiste und Abgründe. Freude hat an diesem Film, wer abgefilmte Kammerspiele dem großen Bilderkino vorzieht.

Der Film ist ab 12 Jahren freigegeben und läuft in Stuttgart im Metropol.

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