Auch wenn er in dieser Episode ziemlich heruntergekommen aussieht: Bastian Pastewka glänzt in der 9. Staffel von „Pastewka“. Foto: Brainpool

Nach der eher schwachen achten Staffel von „Pastewka“ wird jetzt alles anders. In der neunten Staffel, die jetzt bei Amazon Prime Video startet, läuft der Titelheld zu großer Form auf.

Stuttgart - Wie er guckt, kann keiner gucken. Hilflos wie der treudoofste Dackel und doch tierisch überheblich. Hier ein Zucken ums leicht fliehende Kinn, da amüsiert vibrierende Lefzen. Der Komiker Bastian Pastewka, der in der Serie „Pastewka“ sich selbst spielt, ist wieder in Form. In seiner ganzen Unförmigkeit.

Der in jeder Hinsicht Ungeschickte hat allen Grund dafür, in Staffel neun gleich von Anfang an so zu schauen. Großtuerisch, weil er jetzt ein Bambi Courage im Stall hat, ihn also wieder jeder kennt – immerhin hat er am Ende der achten Staffel actionreich, kameratauglich und wie bestellt von „Bunte“ oder „Gala“ seine Nichte Mafalda zur Welt gebracht. Hilflos, weil er jetzt – in der Handlung ein halbes Jahr später – immer noch von seiner geliebten Anne (Sonsee Neu) getrennt ist und eigentlich keinen Plan hat, was er mit seinem neuen B-Klasse-Ruhm überhaupt anstellen soll.

Erstunken und erlogen

Also hockt er erst einmal bei „Markus Lanz“ in der Talkrunde. Um auf die Tränendrüse zu drücken. Aber vor allem, um 150 Euro für seinen Auftritt dort zu kassieren. Er muss schließlich sein viel zu teures Hotelleben finanzieren. Bei Lanz erzählt er was vom Pferd, also dass er jetzt der Patenonkel von der kleinen Mafalda sei. Wie so oft bei ihm: Erstunken und erlogen. Aber so dicht seine Managerin Regine Holl (Sabine Vitua) wieder mal ist, sie will die Geschichte vom „Patenonkel“ verkaufen – was einer bei „Markus Lanz“ gesagt hat, muss auch so sein.

Dafür braucht Pastewka Bestechungsgeld. Das erbettelt er beim Jungkomiker Chris Tall, der in seiner Villa im Geld zu ertrinken scheint. Obendrein nimmt er mit seiner Nerv-Freundin Anke Engelke bei einem „German Stars for Charity“-Dinner teil. Dort sitzt der hilflos Überhebliche ausgerechnet Hugo Egon Balder gegenüber, der ihn für seine neue Show gewinnen will: „Das große Promibumsen“.

Raus aus dem Jammertal

Innerhalb weniger Sendeminuten haben Markus Lanz, Chris Tall, Anke Engelke und Hugo Egon Balder ihr jeweiliges Image herrlich aufs Gröbste zugespitzt. Von diesen Spielereien mit realen Figuren und selbstironischen Übertreibungen hat „Pastewka“ schon vor dem Wechsel zum Streamingdienst Amazon Prime sieben Staffeln lang beim Privatsender Sat 1 gelebt. Und so geht es nach dem tiefen Jammertal der achten Staffel nun weiter. Diesmal ohne großes Drama, nackte Haut oder Product-Placement. Dafür bitterböse und gut.

Pastewka hat seine schwere Midlife-Crisis überwunden. Die Serie die ihre auch. Pastewka ist wieder wer – und das tut den neuen Folgen gut. Er fährt noch den Saab. Hat noch den Handyklingelton aus der Serie „24“. Isst noch seine Autoreifen-Kekse. Und ist immer noch ein Kandidat fürs Aufbauseminar für punkteauffällige Kraftfahrer. Er guckt nur nicht mehr so viel fern. Obwohl er jetzt bei seinem Halbbruder Hagen (gespielt von Matthias Matschke) auf dem Bio-Hof lebt – zusammen mit seiner verhassten Schwägerin, Frau Svenja Bruck (Bettina Lamprecht). Und mit Mafalda, die den Bastian im Gegensatz zu ihrer Mutter zu mögen scheint. Das einzig andere Gute auf dem Land: der Empfang, „Pay-TV in Ultra-HD, besser als in der Stadt“.

Schmonz in der Klinik

Statt Fernsehen läuft nun eher die Föhn-App. Damit Mafalda besser schläft. Bei ihrer Super-Nanny Pastewka. Als ob all das an Handlungsverzweigungen und -versteigungen nicht schon reichen würde, wird der völlig empathielose Bastian Pastewka auch noch Arzt: Doktor Roman Engel in der ZDF-Serie „Ein Engel für alle Fälle“. Gedreht wird die Schmonzette natürlich in der „realen“ Klinik, in der Pastewkas nach wie vor angebetete Anne arbeitet.

Aber das ZDF-Drehbuch will, dass er jetzt erst einmal wieder seiner Arztserien-Ex, der Brigitte, näher kommt. Gespielt wird dieses schöne Gift von Katja Woywood. Katja Woywood, bekannt aus Pilcher-Filmen, Lindström-Streifen, dem „Traumschiff“, aus der „Schwarzwaldklinik“ - aber hauptsächlich aus „Alarm für Cobra 11“.

Heino Ferch toppt alle

Wie sich der gern mal zu Unrecht als bloßer Gesichtskomiker geschmähte Pastewka andauernd mit der mutmaßlich großen Charakterdarstellerin Woywood, einer vom Fach, grandios kabbelt, und wie dem ZDF dabei ständig links und rechts eine mitgegeben wird, ist großes Kino. Das wird nur von den Auftritten Heino Ferchs getoppt. Der spielt auch in der unsäglichen „Engel“-Serie, auch er einen Ex von Brigitte. Wenn die Serienkamera aus ist, nimmt Ferch sich und die ganze Zunft auf die Schippe – so heftig, dass ihm das mancher Kollege krumm nehmen könnte.

Vier von zehn Folgen hat es für die Presse vorab zu sehen gegeben. Was zu Sat-1-Zeiten noch knappe Häppchenkomik, Staccatowitze und Slapstickgewitter waren, hat sich in Staffel neun zu ausgereifter Erzählkunst über die Medienbranche ausgewachsen. Wer mit dem alten, aufgedrehten Pastewka nicht viel anfangen konnte, sollte mal frisch hinsehen: Amazon hat Pastewka Raum und Zeit geschenkt. Da kann sich sein Knuddelgesicht viel besser entfalten – und seine menschliche Unfömigkeit gleich mit. Außerdem knallen die zynischen Seitenhiebe jetzt noch heftiger.

Verfügbarkeit: Alle Folgen der neuten Staffel von Pastewka sind ab 25. Januar 2019 beim Streamingdienst Amazon Prime Video abrufbar.

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