Axel Prahl, Jan Josef Liefers, Barbara Schöneberger und Thomas Gottschalk (v. li.) mit Brillen, die sich mancher Zuschauer bestimmt auch öfter wünschte. Foto: RTL/Hempel

RTL versucht's noch mal: Mit den Gästen Axel Prahl und Jan Josef Liefers sollen Barbara Schöneberger, Thomas Gottschalk und Günther Jauch endlich eine große Samstagabendshow hinbekommen. Klappt aber wieder nicht.

Stuttgart - Jan Josef Liefers und Axel Prahl sollen nicht mitbekommen, wie sich Barbara Schöneberger und Thomas Gottschalk bei der nächsten Herausforderung schlagen. Also müssen sie in der neuen RTL-Samstagabendshow „Denn sie wissen nicht, was passiert“ blick- und seitenblickdichte Brillen nebst plärrenden Kopfhörern aufsetzen. Prahl hat den Beschallungsapparat nur so lange auf den Ohren, wie man seine Hand versehentlich auf eine gerade abgeschaltete Kochplatte legen würde, dann moniert er: „Die Musik hier ist nicht Euer Ernst, oder?“

Das ist auch sein Job an diesem Abend. Die neue Show setzt auf die stete Witzelei der Beteiligten: Barbara Schöneberger, Thomas Gottschalk und Günther Jauch als Gastgebertrio sowie Prahl und Liefers als Gäste. Die zehn Spiele sind so kasperhaft, dass Mauligkeit, Sticheleien und Zynismus gegenüber Konzept und Ablauf der Show kein kalkuliertes Risiko scheinen, sondern geplanter Markenkern.

„Können wir abkürzen?“

Die Höhepunkte der sich über vier Stunden Sendezeit streckenden Veranstaltung sollen von vornherein die kleinen Ventilzischer werden, wenn wieder mal jemand zeigt, dass er sich Fernsehen auch anders vorstellen könnte. „Leute, das läuft auf ein Scheißspiel hinaus“, frotzelt Jauch. „So, jetzt können wir mal langsam zum Ende kommen“, brummt Prahl. Und öfter sieht man in den Gesichtern jenen Gedanken, der auch mal laut wird: „Können wir die Sendung abkürzen?“

Das Problem dieser Ich-könnte-mir-Besseres-vorstellen-Sticheleien? Sie sind nur halb wahr. Für sich selbst und Freunde könnte jeder der vor der Kamera Hampelnden einen schöneren Abend gestalten. Aber wenn jemand eine Idee für eine heute noch mehrere Generationen gleichzeitig faszinierende Show hätte, hätte er sie längst verkauft und würde als Regenmacher erster Güte gefeiert. Das Konzept der Lagerfeuer-Show befindet sich im Endstadium der Selbstkarikatur, und Privatsender wie RTL mit ihrer Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen tun sich mit der Verleugnung dieser Tatsache besonders schwer.

Mitleidige Leihgabe der ARD

Ihre Zielgruppe ist mobil, nicht nur mit den Fingern auf der Fernbedienung, sie ist ungeduldig und heterogen. Die teuren „Show-Giganten“ dürften ihr wie unmodisch gewordene Erbstücke vorkommen. Also setzt RTL ausgleichshalber auf Kindergeburtstagsalbernheit. Aber das macht das Ganze nicht frisch und pfiffig. Es verstärkt nur das Gefühl, aus Versehen in eine Sendung des Kinderkanals gerutscht zu sein, auf deren Tonspur die Zynismusbremse nicht richtig funktioniert.

Spontaneität soll ein anderes belebendes Element sein. Wenn Schöneberger, Gottschalk und Jauch auf die Bühne kommen, wissen sie angeblich weder, wer diesen Abend moderieren und wer das Spielteam bilden wird, noch gegen wen sie antreten werden. Dass in der wichtigen Debütausgabe Deutschlands beliebtestes „Tatort“-Duo anrücken darf, Liefers und Prahl, die nun wie Leihgaben einer mitleidigen ARD wirken, sagt viel über die aktuelle Glanzlosigkeit von RTL.

Nüsse und Kultureinlage

In der Folge rollen Nüsse durch ein Rohr und sollen beim Herauskullern mit dem Hammer zertöppert werden. Von einem Türmchen aus werden Teebeutel in eine Tasse geworfen, die ein unten Liegender auf dem Bauch stehen hat. Eine Kaffeemaschine wird geschreddert, und die Teams müssen anhand der Plastiktrümmer raten, was das wohl mal war. Der Uhrzeiger quält sich trotz all der „Hach, was haben wir für einen Spaß“- Quiekereien äußerst zäh voran.

Dann gibt es noch eine Kultureinlage. Markus Krebs, „Deutschlands bester Witzeerzähler“, verklappt ein paar trostlose Schoten, die auch bei einem in Ohnmacht gesoffenen Ballermann-Vergnügten Schmerzreaktionen hervorrufen könnten. Schöneberger lacht ein paar Mal laut, und die Kamera fängt den spannendsten Moment des Abends ein: Prahl hat sich ein Lächeln ins Gesicht gehängt, das nur mühselig seine Fassungslosigkeit verbirgt.

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