Armin Laschet lacht und Angela Merkel findet die richtige Geste. Welche Bilder von der Flut diesmal bleiben – und ob sie in den Wahlkampf eingreifen, erklärt unsere Autorin Lisa Welzhofer.
Stuttgart - Bilder einer Hochwasser-Katastrophe haben schon einmal einen Wahlkampf geflutet: Im August 2002 war das. SPD-Kanzler Gerhard Schröder kämpfte gerade um seine Wiederwahl, als in Sachsen die Pegel der Elbe und ihrer Nebenflüsse stiegen. Schröder zog die Gummistiefel an und bahnte sich seinen Weg durch den Matsch der Stadt Grimma. Danach stiegen seine Zustimmungswerte. Nicht wenige sagten damals, auch die Flut hätte dem SPD-Mann die Wahl gerettet.
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Fast 20 Jahre später eilen wieder Kanzlerkandidaten und eine Kandidatin in Orte, die von Wassermassen überrollt wurden. Sowohl Annalena Baerbock (Grüne) als auch Olaf Scholz (SPD) und Armin Laschet (CDU) machten sich ein Bild vom Ausmaß der Zerstörung in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen. Allerdings gibt dabei nicht jeder ein gutes Bild ab: Dass Armin Laschet im Hintergrund feixte und lachte, während vorne Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (SPD) im Krisengebiet sprach, führte dazu, dass ihm manche Berichterstatter die Kanzlerfähigkeit per se absprachen.
Malu Dreyer hat MS
Tausendfach im Netz geteilt und kommentiert wurde aber auch eine andere Szene – und dass darauf keiner der Aspiranten aufs wichtigste Amt der Bundesrepublik zu sehen ist, scheint nur einer der interessanten Aspekte daran: Es ist das Foto von Kanzlerin Angela Merkel (CDU), die die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) beim Gang durch die Ruinen stützt. Zwei Landesmütter in Schwarz, parteiübergreifend in der Erschütterung vereint vor den Kulissen zerstörten deutschen Fachwerks. Mehr Herzerwärmung und Streicheleinheit geht für eine krisengeschüttelte, sich zunehmend polarisierende Gesellschaft ja kaum. Dass Malu Dreyer an Multipler Sklerose (MS) leidet und Merkel hier einer kranken Kollegin unter den Arm greift, die gleichsam heldinnenhaft die Bürde des Amtes auf sich nimmt, erhöht nur das ikonografische Potenzial dieser Abbildung.
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Ebenso interessant wie das Bild selbst sind die Kommentare, die es begleiten, wenn es auf Twitter und Co geteilt wird – und die auch erklären könnten, warum Olaf Scholz, bei dem sich Dreyer ein paar Tage zuvor untergehakt hatte, dafür nicht gefeiert wird. „Sie wird mir fehlen!“ – „Viel mehr muss man zur Klasse dieser Frau nicht wissen.“ – „Da regiert eine Frau mit Anstand. Ich werde sie vermissen.“ Das sind nur ein paar der Begleittexte zum Bild – und sie werden auch von jenen formuliert, die Merkel gar nie gewählt haben.
Die ewige Kanzlerin tritt ab
Die ewige Kanzlerin tritt nach 16 Jahren ab, und es geht eine bemerkenswerte Wehmütigkeit durchs Land. Dass ihre selbstverständliche Geste im Flutgebiet gegenüber Dreyer eine solche, vollkommen übertrieben scheinende Aufmerksamkeit erfährt, ist nur ein Ausdruck dessen. Aber es könnte andererseits auch Teil der Erklärung sein: Angela Merkel wird von vielen als absolut integer wahrgenommen. Sie gilt als machtbewusste, aber mauschelfreie Staatsfrau, die – egal ob man nun ihre Politik gutheißt oder nicht – weiß, wie sie sich zu benehmen hat. Und die ihren Dienst an den anderen über das Ego stellen kann.
In einem Bundestagswahlkampf, in dem gefühlt täglich frisierte Lebensläufe, schlampig geschriebene Bücher, frühere Maskendeals und andere Tricksereien der Kandidatin und Kandidaten bekannt werden, wird das besonders deutlich. Von Merkel wurde Ähnliches nie bekannt.
Ob das etwas für die Wahl heißt, wird sich zeigen
Ob die Flut auch in diesen Wahlkampf einzugreifen vermag, etwa indem das Bild des witzelnden Laschets diesen Stimmen kostet, wird sich noch zeigen. Aber vielleicht sagen die Bilder den Menschen dieses Mal ja weniger etwas über diejenigen, die kommen werden, als vielmehr über jene, die bald geht.