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Clara (8) und Lydia (6) wandern mit ihrem Vater Gabriel Beeby auf dem Jakobsweg in Spanien 800 Kilometer in sieben Wochen. Ihre Großeltern Margy und Dietmar Walter aus Hochdorf erzählen von der Reise ihrer Enkelinnen.

„Wir sind täglich per Whatsapp in Kontakt. Unser Schwiegersohn berichtet, wo sie gerade unterwegs sind, was sie erlebt haben und schickt regelmäßig Bilder“, erzählen Margy und Dietmar Walter aus Hochdorf. Margy Walter sammelt die Nachrichten und Fotos, die sie vom Jakobsweg in Spanien erreichen: „Das ist eine schöne Erinnerung für uns, und unsere Verwandtschaft in den USA kann die Wanderung so auch mitverfolgen. Mit den Mädels selbst telefonieren wir nicht, sonst würden sie vielleicht Heimweh bekommen. Sie haben sich fest vorgenommen, das Endziel in Santiago de Compostela zu erreichen“, berichten die Großeltern, die sichtlich stolz auf die beiden Enkelinnen und ihre tolle Leistung sind.

 

Im Schnitt wandern sie 20 bis 25 Kilometer täglich

„Sie sind am 1. Mai in Frankreich in Saint-Jean-Pied-de-Port nahe der spanischen Grenze gestartet und seitdem mit Ausnahme von zwei bis drei eingeschobenen Ruhetagen jeden Tag im Schnitt 20 bis 25 Kilometer gelaufen. Wenn Lydia (6) zu müde wird, trägt ihr Vater sie auf seinen Schultern. Aber meistens läuft sie mit ihrer Schwester und den Leuten, denen sie unterwegs begegnen“, sagt Margy Walter. Übernachtet werde in Herbergen oder Klöstern. Manchmal seien diese am Etappenziel belegt, da gerade sehr viele Pilger unterwegs seien. „Für den Fall der Fälle haben sie ein Zelt dabei, das schon zum Einsatz kam. Oder sie kommen spontan bei Einheimischen unter, man hilft sich gegenseitig. Das und überhaupt der Kontakt zu Menschen aus aller Welt auf dem Weg und in den Unterkünften ist eine tolle Erfahrung für die Mädels“, erzählt Margy Walter.

Das bestätigt Mama Carrie Walter, die ihre drei Wanderer am Ende der Tour abholen wird. Die Kommunikation falle den Enkelinnen, deren zweite Muttersprache Englisch ist leicht, berichtet die Oma. Begeistert seien sie zudem von der schönen Natur.

Seit 1982 wohnen Margy und Dietmar Walter im Hochdorfer Ortsteil Ziegelhof. Ihre drei Kinder sind dort aufgewachsen: Steven, einer der Mitgründer des Podium Festival Esslingen, Ingo, der mittlerweile in den USA lebt und Carrie, die mit ihrem britischen Mann Gabriel Beeby und den Töchtern Clara (8) und Lydia (6) derzeit in Berlin wohnt. „Unsere Enkelinnen besuchen uns oft in den Ferien und sind sehr gerne hier. Die Mädels gehen dann zum Beispiel ins Reichenbacher Freibad oder zum Reiten“, erzählt Margy Walter. Auch in den kommenden Sommerferien werden sie wieder Zeit bei den Großeltern verbringen.

Sechs Wochen von der Schule freigestellt

Während der Coronapandemie, in Zeiten von Homeoffice, -schooling und geschlossenen Kitas lebten die vier Wahl-Berliner ganze neun Wochen bei der Hochdorfer Familie. Schwiegersohn Gabriel wanderte bereits als Teenager einen Teil des Jakobswegs in Spanien und hat das tolle Erlebnis nie vergessen. Die Idee, den ganzen Weg einmal mit seinen Töchtern zu gehen, hatte er schon länger, aktuell bot sich dafür zeitlich die Gelegenheit. Die Vorbereitungszeit für das spontane Vorhaben dauerte nur gut zwei Wochen, nachdem die Klassenlehrerin und die Schulleiterin von Clara die Drittklässlerin auf Bitte des Vaters für sechs Wochen freigestellt haben, weil es im Sommer zu heiß für die Wanderung wäre. „Er hat der Lehrerin das Vorhaben geschildert und erklärt, welchen Nutzen er für die Entwicklung der Mädchen in dieser besonderen Erfahrung sieht. Dazu war es jetzt eine gute Gelegenheit, bevor Lydia im September in die Schule kommt. Claras Klassenlehrerin hat das ausdrücklich unterstützt. Das war wirklich toll“, sagt Margy Walter.

Als Training liefen die drei viel durch Berlin und bereiteten sich mental auf die besondere Tour vor. Das Pilgern auf dem Jakobsweg sei eine ganz neue Erfahrung für die Mädchen, so die Oma: „Sie lernen dabei unter anderem, mit wenig auszukommen. Clara sagte schon, man lerne Bescheidenheit.“ Natürlich gebe es auch mal schwierigere Tage, an denen sie sich neu motivieren müssten: „Sie singen dann beim Laufen, spielen ein Spiel oder freuen sich auf ein wohlverdientes Eis am Tagesziel. Ich denke, diese besondere Reise bringt die Mädchen persönlich auf jeden Fall weiter. Clara ist ein sehr aktiver Typ, Lydia eher ruhiger. Das ist spannend, wie sich das Erlebte eventuell auswirkt. Lydia ist schon selbstbewusster geworden“, berichtet Margy Walter. Erlebnisse, die im Gedächtnis bleiben werden, seien unter anderem das gemeinsame Backen und Tee trinken in einer von Engländern geführten Herberge, gefolgt von einer gesungenen Vesper mit bayrischen Mönchen. Am Wochenende hatten die Wanderer schon rund 635 Kilometer geschafft.

Die Muschel weist den Weg

Jakobsweg
Als Jakobsweg wird eine Anzahl von Pilgerwegen durch Europa bezeichnet, die alle das angebliche Grab des Apostels Jakobus in Santiago de Compostela in Galicien (Spanien) zum Ziel haben. In erster Linie wird darunter der „Camino Francés“ verstanden, die hochmittelalterliche Hauptverkehrsachse Nordspaniens, die von den Pyrenäen zum Jakobsgrab führt.

Muschel
An allen Pilgerzielen im Mittelalter konnte man Pilgerabzeichen erwerben. Sie sollten den Pilger auf dem Heimweg und in der Heimat schützen. Das Pilgerabzeichen der Santiago-Pilger war und ist die Jakobsmuschel, die ursprünglich als Nachweis diente, dass der Pilger die Reise tatsächlich absolviert hatte. Heute ist die Jakobsmuschel zudem eine Orientierungshilfe.