Josef Klegraf engagiert sich bereits seit vielen Jahren Josef Klegraf engagiert sich bereits seit vielen Jahren für das Gedenken und hat mitgeholfen, das Mahnmal am Nordbahnhof zu errichten. Foto: Martin Bernklau

Die Geschichtswerkstatt recherchiert vor allem die Nazizeit am Killesberg.

S-Nord - Das „Zeichen der Erinnerung“ an die Deportationen der Stuttgarter Juden vom Nordbahnhof aus gehört dazu und auch die 72 inzwischen verlegten „Stolpersteine“ zum Gedächtnis an ermordete Juden: Die Geschichtswerkstatt Nord hat schon eine Menge bewirkt, bevor sie 2007 überhaupt erst offiziell gegründet wurde.

„Das war einfach wegen der Steuer“, sagt Josef Klegraf, der Vorsitzende des noch kleinen und jungen Vereins. Die inzwischen europaweite Stolperstein-Initiative des Künstlers Gunter Demnig ist trotz der engagierten Förderung der Stadt Stuttgart rechtlich eine Privatveranstaltung, die keine Spendenquittungen ausstellen kann. Mittlerweile erforschen allein in der Landeshauptstadt 14 Initiativen die ganz persönlichen Schicksale der Opfer nationalsozialistischer Vernichtungspolitik.

Gegen die Veränderung des Nordens

Eine zweite Wurzel hat die Geschichtswerkstatt im Protest gegen Stuttgart 21, dessen städtebauliche Auswirkungen gerade den Stuttgarter Norden besonders verändern werden, was durchaus auch Chancen bietet, wie Klegraf bereitwillig einräumt. Aber schon die geplante Hauptzufahrt für die Bahn-Baustelle am alten Eisenbahner-Quartier des Nordbahnhofs entlang sorgt dort für Unruhe.

Die alte Straßenbahnlinie 15, inzwischen dem U-Bahnnetz angegliedert, ist ein weiteres Thema der Geschichtswerkstatt. Deren Geschichte hat sie in einer Ausstellung in der Martinskirche gemeinsam mit anderen Initiativen dokumentiert. Dort, im „Infoladen Stuttgart 21“, hat die Geschichtswerkstatt außerdem ihr Büro.

In der Familie fehlten die Antworten

Johannes Klegraf war für die Grünen politisch aktiv und zehn Jahre lang Bezirksvorsteher im Norden, bis zum Jahr 2003. Den pensionierten Akademischen Oberrat für Anglistik an der Uni in Vaihingen hat die Familiengeschichte an das Thema herangebracht. Im Jahr 1938 geboren, hat er noch sehr bewusst mitbekommen, wie sein Vater, ein katholischer Lehrer, damit umging, dass er im Sauerland eine Ortsgruppe der NSDAP gegründet hatte, bevor er an die Ostfront zog. Klegrafs Fragen an den Vater nach dem Krieg bekamen nie eine Antwort.

Im Jahr 2001 kamen die ersten Pläne für ein Mahnmal am Ort der Deportation tausender Stuttgarter Juden auf. Die Querverbindungen zur Initiative „Zeichen der Erinnerung“ sind eng. Josef Klegraf führt dort die Kasse. Die Geschichtswerkstatt hat ein Buch herausgegeben, in dem der noch rechtzeitig nach Amerika geflohene Alfred R. Kandler, ein schwäbisch-jüdischer Textilunternehmer vom Killesberg, seine Lebensgeschichte aufgezeichnet hat: „In der Höhle des Löwen“. Josef Klegraf selber hat unter anderem die Geschichte des Stuttgarter „Judenladens“ in der Seestraße 39 dokumentiert, wo die Juden ganz Stuttgarts als letzter Verkaufsstelle noch Lebensmittel erwerben durften. Vor allem diesem Quartier widmen sich die aktuellen Recherchen der Geschichtswerkstatt. Arbeitstitel des geplanten Buches: „Der Killesberg unterm Hakenkreuz.“

Vereinssteckbrief

Anschrift: Wartbergstraße 30, 70191 Stuttgart Telefon: 0711/226 46 94 Mail: jupp@klegraf.net Homepage: www.stolpersteine-stuttgart.de

Vorsitzender: Josef Klegraf Gründungsjahr: 2007 Mitgliederzahl: 12

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