Kate Winslet (links) und Jennifer Ehle in „Die Gärtnerin von Versailles“. Mehr Eindrücke gibt's in unserer Bildergalerie Foto: Verleih

In dem Drama „Die Gärtnerin von Versailles“ überzeugt Kate Winslet als verliebte Gärtnerin unter Männern. Ironisch zeichnet Regisseur Rickman, der auch als König auftritt, Sabine de Barra als Türöfferin zum intriganten und lasterhaften ­Leben der französischen Höflinge. Eindrücke von dem Film gibt's in unserer Bildergalerie.

Filmkritik und Trailer zum Kinofilm "Die Gärtnerin von Versailles"

1661 in den weitläufigen Gartenanlagen von Versailles, dem Schloss König Ludwigs XIV.: Wasser bricht in die Szenerie, zerstört mit brutaler Kraft ein gärtnerisches Bauwerk, das in der Barockanlage des Sonnenkönigs das neue Ballsaal-Boskett werden sollte, Aufführungsort von Konzerten, Schauspielen und anderen Vergnügungen, eine Arena mit Wasserkaskaden über kunstvoll mit Muscheln und Steinen besetzten Treppenstufen.

Sabine de Barra (Kate Winslet), zuständig für Entwurf und Bauausführung, ist von den wütenden Wassermassen überwältigt, versucht mit bloßen Händen zu retten, was nicht zu retten ist.

Was sie zu diesem Zeitpunkt nicht weiß: Das zerstörerische Werk hat nicht die Natur verursacht, sondern Menschenhand. Madame Le Notre, die Gattin (Helen McCrory) des königlichen Chefgärtners (Matthias Schoenaerts), rast vor Eifersucht, als sie merkt, dass ihr Mann und die neue Landschaftsgärtnerin sich verliebt haben.

Die prachtvolle Kate Winslet bewährt sich in allen anderen Szenen dieses opulenten Kostümfilmes in ihrer Rolle als einzige Frau unter männlichen Gärtnerkollegen – in der nachvollziehbaren Verzweiflung ist sie dann tatsächlich das wilde Weib, der unbezähmbare Freigeist, der sich auch durch höfische ­Regeln nicht einengen lässt.

Schon bei ihrem Bewerbungsgespräch rückt sie bei Hofe Pflanzentöpfe in eine eigene Ordnung und erregt damit die Aufmerksamkeit des mürrischen Chefgärtners. Dass sich hinter dessen Blasiertheit ein melancholischer Geist verbirgt wie der ihrige, ist dann neben der Liebe zur Natur ein wichtiger Schlüssel für das erotische Knistern zwischen den beiden.

Eine Gärtnerin als Türöfferin zum intriganten und lasterhaften ­Leben der Höflinge

Schade, dass es die Gärtnerin von Versailles nie gegeben hat, dass im Staatsgefüge des Sonnenkönigs eine Frau mit Entscheidungskraft keinen Platz fand. Aber so, wie Alan Rickman die fiktive Figur der Sabine de Barra erdachte, und so, wie Kate Winslet sie mit energischer und zugleich sinnlicher Selbstbestimmtheit spielt, wird sie zum schönsten Kinovergnügen.

In einer Verwechslungsszene begegnen sich König (Rickman selbst) und Gärtnerin und kommen sich im Gespräch sehr nah. Ironisch zeichnet Rickman de Barra als Türöfferin zum intriganten und lasterhaften ­Leben der französischen Höflinge. Das ­berühmte Ballsaal-Boskett – in Wahrheit ein Werk des Chefgärtners le Notres – ist noch heute in Versailles zu besichtigen.

Unsere Bewertung zu "Die Gärtnerin von Versailles": 4 von 5 Sternen - empfehlenswert!

Was sonst noch im Kino in Stuttgart läuft, finden Sie in unserem Kino-Programm.

Mehr Input gefällig? Unsere Rezension des Dramas „Big Eyes“.

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