Thomas Reiner, einer der erfolgreichsten Snychronsprecher in Deutschland Foto: tr

Keiner weiß genau, wie alt Statler ist, einer der Logen-Opas von der „Muppets Show“. Seine deutsche Stimme aber wird am Samstag 90 Jahre alt. Der Stuttgarter Thomas Reiner, bekannt auch aus „Eugen“ und „Raumschiff Orion“, feiert am Starnberger See.

Stuttgart - Hahaha! Brüll! Prust! Wieher! Die beiden Alten lachen über ihre fiesen Beleidigungen immer am heftigsten. Worüber auch sonst sollten sie sich freuen? Die Show, die sie besuchen, finden sie grundsätzlich ätzend.

Statler und Waldorf, die unheimlichen Stars der Comedy-Serie „Muppets Show“, hocken seit den 1970er Jahren in ihrer Loge, um von oben herab alles rundzumachen.

„Was hast du heute, Kermit?“, lautet eine ihrer Fragen, „einen chinesischen Gorilla, der Ballett tanzt?“ Die Oldies ersticken fast an ihrem Lachanfall, während sich Kermit, der Frosch, wie immer ärgert, dass man ihn durchschaut. Schon tanzt ein Gorilla an ihm vorbei und spricht dabei chinesisch.

Von betagten Menschen mit reichem ­Lebensschatz lässt sich viel lernen. Wir ­lernen etwa von ihnen, warum Bienen summen: „Sie haben ihren Text nicht gelernt.“

Thomas Reiner, seit drei Jahrzehnten die deutsche Stimme von Statler, hat seinen Text immer gelernt. Er gehört zu jener Schauspieler-Generation, die bescheiden bleibt und selbst bei 100-prozentiger ­Perfektion meint, da ginge noch was besser.

Was für eine Stimme! Sie klingt so rein!

Rein, reiner – Thomas Reiner.

Oder: Wie Thomas Reiner kann’s keiner!

Staatsanwalt Schlitz im „Königlich-Bayerischen Amtgericht“

Seinen Namen kennt nicht jeder. Aber die Stimme und das Gesicht von ihm sind den meisten aus Film und Fernsehen vertraut. Die knarzig-nasale Stimme prädestinierte den als Horst-Otto Reiner geborenen Stuttgarter für Autoritätspersonen etwa im ­„Königlich-Bayerischen Amtsgericht“ (als schwäbischer Staatsanwalt Schlitz). Am Telefon artikuliert der Mann, der 1944 sein Theaterdebüt in Esslingen hatte, so deutlich, dass selbst Banales nicht sinnentleert erscheint. Wir sprechen über einen kaputten Fernseher. Kurz vor seinem runden Geburtstag habe ich einen der erfolgreichsten deutschen Synchronsprecher mit meinem Anruf in seiner Wohnung am Starnberger See vom Hantieren am Fernseher weggeholt. Der Reparaturversuch ist misslungen.

Wenn das Gerät defekt bleibt – welches Programm würde er am meisten vermissen? „Eigentlich keines“, antwortet er, „ich schaue selten.“ Es bereitet ihm wenig Freude, Synchronsprecher und Schauspieler nuscheln zu hören. Til Schweiger scheint der Gegenentwurf zu einem Altmeister der klaren Aussprache. Als Reiner in den 1950ern im Fernsehen auftrat, mussten die Kollegen und er deutlich sprechen. Man konnte keine Szene wiederholen. „Damals wurden Fernsehspiele nicht aufgezeichnet, sondern live ausgestrahlt“, erinnert er sich.

Die Liste seiner besten Rollen ist lang. Die einen schwärmen für den Hemmerle, den Reiner in den 1980ern mit Trudel Wulle und Walter Schultheiß in der Huby-Serie „Der Eugen“ beim SDR spielte. Die anderen habe ihn noch heute auf Video als schadenfroher Spring-Brauner in „Raumschiff Orion“. Außerdem war er die Stimme von Miraculix in den Asterix-Filmen, von Dr. Bellows in der Serie „Bezaubernde Jeannie“ und von Hedley in „Daktari“.

Als Statler macht er weiter

All diese Rollen sind Vergangenheit – von einer Figur aber kann er auch mit 90 Jahren nicht lassen: Als Statler der „Muppets-Show“ war Thomas Reiner zuletzt im ­August im Aufnahmestudio und gelobt am Telefon, es wieder zu tun. Nicht leicht ist es, alt und noch älter zu werden. Die Puppen-Opas machen vor, wie man Spaß am Leben am Ende dieses behält – mit viel Witz, Spott und Selbstironie. Körperliche Gebrechen nerven, aber sie eignen sich für Gags.

Stellt Waldorf fest: „Von Woche zu Woche scheint die Show besser zu werden.“ Erklärt Statler den Grund: „Weil von Woche zu Woche deine Sehkraft nachlässt.“ Wer es positiv sieht: Alles ist immer für was gut.

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