Jonas Hofmann (re.) im Testspiel gegen Dänemark. Gladbachs Jonas Hofmann gibt sich angriffslustig. Foto: AFP/Christof StacheE

Auf der Position des rechten Verteidigers tut sich im Kader der deutschen Nationalmannschaft vor der EM 2021 eine Lücke auf. Die könnte ein Überraschungskandidat schließen. Dem davor nicht bange wäre.

Seefeld - Es sollte um etwas Anderes gehen, zumindest um eine andere Position. Als Jonas Hofmann am Samstagmittag Platz nahm in einem Nebenraum des Mannschaftshotels in Seefeld, da antwortete er auf die Frage unserer Redaktion nach seiner Konkurrenz im Offensivbereich und seiner Rolle zunächst, recht erwartbar, dies: „Ich versuche, alles reinzuhauen und mich in jedem Training anzubieten.“

 

Dann aber schaltete der Offensivmann von Borussia Mönchengladbach in den Angriffsmodus – und überraschte im Videocall mit neuen persönlichen Ambitionen. „Es gab schon einige Gespräche mit dem Bundestrainer wegen einer genauen Position für mich bei der Europameisterschaft“, sagte Hofmann: „Ich glaube, dass ich die offensive Rechtsverteidigerposition ganz gut bekleiden könnte – und das ist auch die Position, auf der ich hier im Training in Seefeld fast ausschließlich eingesetzt werde.“

Lesen Sie hier: Alles zum DFB-Team in unserem Newsblog

Einmal in Fahrt gekommen, legte Hofmann nach: „Ohne dass ich jetzt arrogant klingen oder jemandem zu nahe treten will will: Ich bin ein Typ, der neue Vorgaben schnell und gut umsetzen kann – ich weiß, was hier verlangt wird als Rechtsverteidiger.“

Die Baustelle von Joachim Löw

Diese Position ist ja neben der linken Abwehrseite die größte Baustelle von Bundestrainer Joachim Löw mit Blick auf die EM – jetzt also tat sich im Trainingslager der DFB-Elf in Seefeld überraschend ein neuer Kandidat hervor. Fakt ist: Löw hat in Lukas Klostermann nur einen gelernten Rechtsverteidiger im Kader. Der Leipziger aber überzeugte zuletzt nicht. Schlägt nun also bei der EM die Stunde Hofmanns?

Lesen Sie hier: Manuel Neuer in der Club der 100-er

Mittelfeldspieler Joshua Kimmich, der erwiesenermaßen auch den Rechtsverteidiger geben kann, nahm etwa eine halbe Stunde später auf dem Stuhl Platz, auf dem Hofmann vorher gesessen hatte – und sagte auf Nachfrage gegenüber unserer Zeitung dies zum neuen Kandidaten: „Gerade in der Fünferkette ist Jonas sicher eine Option für hinten rechts. Er ist ein sehr intelligenter Spieler, er ist geschickt im Zweikampf, und er kann gut umschalten. Das ist eine Position, auf der Jonas auf jeden Fall spielen kann.“

Die Dreierkette ist aktuell das bevorzugte System

Das sieht auch Trainer Löw so, wie er einen Tag später bestätigte. „Jonas ist eine Variante für die Außenbahn. Wir versuchen das mal, ihm gefällt das gut“, sagte Löw am Sonntag. Und weiter: „Jonas hat es gut gemacht im Training, er hat tiefe Laufwege nach vorne, er bricht durch bis zur Grundlinie, und er hat einen guten letzten Pass und gute Flanken.“

Lesen Sie hier: Unser Interview mit Weltmeister Toni Kroos

Dann ging Löw ins Detail und machte klar, warum der offensivstarke Hofmann ein Kandidat als Rechtsverteidiger ist: In einer möglichen Dreierkette mit zwei Außenverteidigern daneben, so sieht das der Bundestrainer, sind diese beiden Außen in einer offensiveren Ausrichtung keine Abwehrspieler – sondern Mittelfeldspieler, die permanent Flügelläufe nach vorne machen sollen.

Darin ist auch Joshua Kimmich geübt, der Mittelfeldchef könnte ja bei der EM ebenfalls hinten rechts aushelfen. Diese Variante aber ist mit Blick aufs erste Gruppenspiel am 15. Juni in München gegen den Weltmeister Frankreich unwahrscheinlich, wie es Joachim Löw am Sonntag betonte.

Denn dafür, so der Bundestrainer, müssten im Mittelfeld „erst einmal alle fit und an Bord sein“. Und da Leon Goretzka nach seinem Muskelfaserriss möglicherweise den Auftakt in das EM-Turnier verpassen wird, wird Kimmich gegen die starken Franzosen wohl im Mittelfeld gebraucht.

Übrigens: Den deutschen Kader haben wir in der Bilderstrecke übersichtlich für Sie zusammengefasst.