John Keats letzte Ruhestätte auf dem protestantischen Friedhof in der Ewigen Stadt. Foto: imago/imagebroker/imago stock&people

Vor 200 Jahren ist der britische Romantiker John Keats in Rom gestorben. Der Schriftsteller kann als Vorläufer der späteren Beatniks gelten.

Stuttgart - Als John Keats im November 1820 nach zweimonatiger Schiffspassage gemeinsam mit dem Maler Joseph Severn in Rom eintrifft, sind beide von der „gewaltigen Größe und schroffen Grandeur“ des Kolosseums überwältigt. Doch obwohl er sich sehr für die Antike interessiert, ist der britische Dichter nicht nach Rom gekommen, um Kunstwerke und Denkmäler zu sehen: Keats (1795-1821) ist schwer an Tuberkulose erkrankt und hofft auf die heilende Wirkung des milden Klimas.

Vom Fenster seines Schlafzimmers direkt an der Spanischen Treppe kann er das Leben auf dem Platz rund um den Brunnen beobachten. Doch bereits kurz nach seiner Ankunft verschlechtert sich sein Zustand merklich. Er hat eine anstrengende Reise hinter sich. Aus Geldmangel hatte er den weniger kostspieligen Weg über das Meer gewählt und war über Neapel gereist, wo er wegen Typhus-Alarms erst mal zehn Tage in Quarantäne verbringen muss.

Am 20. November schreibt er in seinem letzten erhaltenen Brief, es gehe ihm zwar viel besser als während der Quarantäne. Er habe aber das Gefühl, dass sein „wirkliches Leben“ vorüber sei und er in Rom eine „posthume Existenz“ führe.

In der Nachbarschaft ruht Goethes Sohn

Rund drei Monate nach seiner Ankunft, am 23. Februar 1921, stirbt Keats in seinem kleinen Schlafzimmer im zweiten Stock des Hauses, in dem er mit seinem Malerfreund Severn vier Zimmer gemietet hat. Er wird nur 25 Jahre alt. Am Tag danach wird er auf dem protestantischen Friedhof von Rom beerdigt. Anstelle seines Namens steht seinem Wunsch gemäß auf dem Grabstein: „Here lies One Whose Name was writ in Water“ (Hier liegt einer, dessen Name in Wasser geschrieben war). Wenige Jahre später, 1830, wurde Johann Wolfgang Goethes Sohn August in unmittelbarer Nähe zu Keats beerdigt. Auch auf seinem Grab steht nicht der Name des Verstorbenen sondern nur „Goethe filius“ (Sohn Goethe).

Keats gehörte gemeinsam mit Percy Bysshe Shelley (1792-1822) und George Byron (1788-1824) der zweiten Generation der britischen Romantiker an. Der damals bereits anerkannte Shelley förderte Keats, nachdem dessen erste Veröffentlichungen auf verheerende negative Kritik gestoßen waren.

Im Unterschied zu Shelley und Lord Byron stammte Keats nicht aus der Aristokratie und hatte nicht an einer Elite-Universität studiert. Seine im Vergleich zur Generation der Vorgänger lebendigere Sprache brachte ihm zunächst Spott ein: Das „Blackwoods Magazine“ verhöhnte ihn als „Cockney-Dichter“ und spielte damit auf den Dialekt der Londoner Arbeiterschicht an. Heute zählt er zu den bedeutendsten englischen Dichtern.

Keats wurde 1795 in London als Sohn eines Stallmeisters geboren. Sein Vater starb, als er acht Jahre alt war. Mit seinen drei Geschwistern wuchs er bei den Großeltern auf. Gemeinsam mit dem Sohn seines Schulleiters entwickelte er früh ein Interesse für Homer und die Renaissance-Dichtung. Als Arzt-Lehrling widmete er später eines seiner ersten Gedichte dem Homer-Übersetzer und Shakespeare-Zeitgenossen George Chapman (1559-1634).

Tragische Liebesgeschichte

Sowohl seine Mutter als auch sein Bruder Tom starben früh an Tuberkulose. 1818 zog Keats zu seinem Freund Charles Brown, an den er später aus Rom seinen letzten Brief richten sollte. In dessen Londoner Haus schrieb er seine berühmtesten Gedichte, darunter „Ode an eine Nachtigall“.

Und er lernte dort die fünf Jahre jüngere Fanny Brawne kennen, in die er sich verliebte. Das Verhältnis sorgte in der prüden viktorianischen Gesellschaft für einen Skandal, als nach Keats Tod die Briefe der beiden veröffentlicht wurden. Die Filmregisseurin Jane Campion („Das Piano“) erzählte die von Geldnöten und seinem frühen Tuberkulose-Tod überschattete tragische Liebesgeschichte 2009 in „Bright Star“.

Keats war ein Bohème-Schriftsteller, sei für seine Zeitgenossen das gewesen, was später die Autoren der Beatnik-Generation wie Jack Kerouac(1922-69) und Allen Ginsberg (1926-97) für ihre Leser waren, sagt Giuseppe Albano. Er ist der Kurator des Keats-Shelley-House in Rom. Denn in der einstigen Pension an der Spanischen Treppe, in der Keats Wohnzimmer nur durch einen Vorhang vom Zimmer der Vermieterin getrennt war, erinnert seit 1909 ein Museum an die beiden Dichter.

Das Bett gegenüber dem Kamin in Keats kleinem Schlafzimmer ist aber eine Rekonstruktion. Denn den damaligen Gesundheitsbestimmungen gemäß musste das Mobiliar der Räume, in denen der Kranke gewohnt hatte, verbrannt werden. „Die Vermieterin sah das als Gelegenheit, sich die Renovierung bezahlen zu lassen“, sagt Albano, „sie war eine exzellente Geschäftsfrau.“

  
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