Bei der DHL in Köngen stehen noch Dutzende Tests aus. Foto: 7aktuell/Alexander Hald

Bislang haben sich mindestens 85 Mitarbeiter des DHL-Frachtzentrums in Köngen mit dem Coronavirus infiziert. Es ist noch nicht ganz klar, wie das passieren konnte und wer das Virus mit einschleppte.

Köngen - Im DHL-Frachtzentrum in Köngen ist die hohe Zahl der positiv auf das Coronavirus getesteten Mitarbeiter noch gewachsen. Laut dem Landratsamt gibt es in dem Betrieb mindestens 85 Fälle, 56 Personen davon leben im Landkreis Esslingen. Wie es zu der Ansteckungswelle in dem Paketzentrum gekommen sei, sei nicht vollständig aufklärbar. „Wahrscheinlich ist, dass sich das Virus auch außerhalb des Unternehmens in der Mitarbeiterschaft verbreitete“, sagt die Pressesprecherin des Landratsamts, Andrea Wangner. Zudem könne nicht geklärt werden, ob es eine Person gewesen sei, die das Virus in den Betrieb gebracht habe, oder es mehrere gewesen seien.

Keine Verzögerung bei der Paketzustellung

In einer Pressekonferenz am vergangenen Donnerstag hatte die Dominique Scheuermann, die Leiterin des Kreisgesundheitsamts, von 250 bis dahin durchgeführten Testungen gesprochen, davon seien 76 positiv. Nun kamen neun weitere Fälle dazu. Laut dem DHL-Sprecher Marc Mombauer soll jeder der 500 Beschäftigten am Standort auf das Virus getestet werden. „Es stehen noch weitere 250 Tests im Raum“, sagte er.

Angst, dass die Pakete nicht zugestellt werden, müsse jedoch niemand haben. Das Frachtzentrum sei nach wie vor in Betrieb, es komme auch zu keinen Störungen oder Verzögerungen. „Wir stellen die Pakete wie gewohnt zu“, sagte Mombauer. Wie das bei Ausfällen üblich sei, helfe derzeit ein anderes Frachtzentrum aus.

Der Esslinger Landrat Heinz Eininger hatte auf der Pressekonferenz am Donnerstag mitgeteilt, dass die Lage im Paketzentrum analysiert werde. Es würden Maßnahmen zur Eindämmung der Infektionen getroffen, die auch zu einer Schließung des Betriebs führen könnten. Am Donnerstagnachmittag hatten dann Mitarbeiter des Gewerbeaufsichtsamtes und des Gesundheitsamts das Gelände besichtigt. „Das Unternehmen hat sehr gut mitgearbeitet. Die Maßnahmen zum Arbeitsschutz, insbesondere die zum Infektionsschutz, gehen über die erforderlichen Maßnahmen hinaus“, teilte das Gewerbeaufsichtsamt mit.

Kritik an der DHL wird laut

Unterdessen hat unsere Zeitung mehrere Hinweise bekommen, in denen Kritik an DHL geäußert wird. So schrieb ein anonymer Leser, der in Verbindung zu dem Betrieb in Köngen steht, dass DHL nichts im Griff habe, viele Mitarbeiter würden sich nicht an die Maskenpflicht halten. Eine Leserin aus Wolfschlugen sorgt sich, weil sie in der ganzen Zeit keinen DHL-Fahrer mit Maske gesehen habe. „Auch wenn die Übergabe weitgehend kontaktlos ist, so ist bei einer offenen Haustür kein Mindestabstand gegeben. Und da die Fahrer sich auch im Paketzentrum in Köngen aufhalten, sind sie potenzielle Überträger nach draußen in die Bevölkerung“, schreibt sie.

Verständigung könnte Grund für die Ansteckungen sein

Wie die Leiterin des Gesundheitsamts anmerkte, könnten die Ansteckungen an Verständigungsschwierigkeiten liegen. Rund 80 Prozent der Beschäftigten des Paketzentrums hätten einen Migrationshintergrund. So könne es sein, dass Mitarbeiter die Infektionsschutzregeln nicht verstünden oder gar fürchteten, den Job zu verlieren, sollten sie in Quarantäne gehen. Laut Mombauer kann das aber nicht passieren. Denn wenn Mitarbeiter positiv getestet würden, kämen diese Personen gar nicht mehr auf das Gelände. „Derzeit gibt es übrigens keine abschließenden Erkenntnisse darüber, ob sich Mitarbeiter im beruflichen oder im privaten Umfeld infiziert haben“, sagte er. Die Testungen würden seit einigen Monaten vorsorglich und aus Eigeninitiative durchgeführt.

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