Auf dem E-Bike durch den Schwarzwald: Mit Helm wäre es noch besser. Foto: STG

Im Schwarzwald sollen Touristen von diesem Sommer an den Urlaub der Zukunft erleben können.

Christian Klaiber startet den Wagen, doch alles bleibt still. Nur auf der Instrumententafel sieht auch sein Beifahrer, der später diesen Artikel schreiben wird, dass der Motor tatsächlich an ist. Dann fahren wir los. Das Elektroauto schnurrt leise vom Haus des Gastes in Schonach die Steigung hinauf. Als wir erstmals bergab fahren, wird es etwas lauter. Nicht nur der Fahrtwind ist zu hören. Denn E-Autos bremsen stark ab, wenn der Fahrer das Gas wegnimmt. So kann der Generator die gewonnene Energie in die Akkus leiten.

Für Autofahrer, die nur Benzinmotoren kennen, ist diese Art der Fortbewegung neu. Der Elektromotor beschleunigt viel schneller, als man es vom Benziner gewohnt ist. Und er ist umweltfreundlicher. Das sorgt für ein gutes Gefühl hinterm Steuer. Genau darauf setzt man in diesem Sommer im Schwarzwald. Ohne Auto geht es hier nicht. "Unsere Gäste sind hier im ländlichen Raum aufs Auto angewiesen", sagt Stefan Schürlein, der Tourismuschef von Schonach. "Nur mit Bus und Bahn wird's schwierig."

Deshalb wagen der Schwarzwald-Tourismus und die Landesregierung in den Sommerferien ein Experiment. Gemeinsam mit dem Steinbeis-Beratungszentrum für Innovationen und Energie in Trossingen wurde das Projekt "Zukunftsmobilität in der Ferienregion Schwarzwald" (Zumo) ins Leben gerufen. Eine Woche lang stehen den Urlaubsgästen wahlweise Elektroautos oder Biogasfahrzeuge zur Auswahl.

Auch E-Bikes, Segways (Elektrogefährte auf zwei Rädern) und die kostenlose Nutzung von Bussen und Bahnen zählen zu den Angeboten im Rahmen des Pilotprojekts. Christian Klaiber vom Steinbeis-Beratungszentrum, das den Versuch wissenschaftlich begleitet: "Die Urlauber erleben den Schwarzwald mit CO2-freien beziehungsweise CO2-armen Fortbewegungsmitteln."

Gereift ist die Idee bei den Vorbereitungen zum Autosommer des Landes. Allerdings hat man nicht alle Partner mit im Boot, die dazugehören sollten. Das Land wollte die baden-württembergischen Autobauer dabeihaben, "doch da haben wir uns blutige Nasen geholt", so Klaiber. "Daimler war nicht lieferfähig, die Elektro-Porsche noch nicht für einen Praxiseinsatz tauglich." Auch der Versuch, beim bayerischen Konkurrenten BMW für sechs Wochen genügend Fahrzeuge zu bekommen, scheiterte. Klaiber: "So sind wir am Ende bei Peugeot gelandet." Die Franzosen stellen zehn E-Autos. Weitere zehn Tazzari Zero kommen aus Imola in Italien. Für den Steinbeis-Manager steht seither fest: "Was die Politik zur Elektromobilität sagt, ist das eine. Was wirklich verfügbar ist, das andere."

Dennoch kann das Pilotprojekt im Schwarzwald starten – nun eben dank französischer und italienischer Unterstützung. Wobei Familien nur mit den Gasautos ausgestattet werden, die wiederum von VW und Opel kommen. Diese Gasfahrzeuge haben eine Reichweite von mindestens 400 Kilometern und einen entsprechend großen Kofferraum, während die Elektroautos höchstens 120 Kilometer fahren können, ehe die Batterie neu aufgeladen werden muss. Und bei Familien soll auf jeden Fall gewährleistet sein, dass sie auch Tagestouren ohne Einschränkungen in Angriff nehmen können.

Einer, der dieses Jahr zu den Pionieren unter den Zumo-Urlaubern zählt, ist Günter Walz aus Ostfildern. Dem Rentner spielt das Angebot in die Karten. Er möchte sich bald ein neues Auto kaufen und denkt dabei "an die Möglichkeit, klimafreundlich mobil zu sein". Jetzt kann er ein E-Auto schon vor dem Kauf "eine Woche Probe fahren".

Auch wer ohne Auto im Schwarzwald unterwegs sein will, kann sich elektrisch fortbewegen. Denn der Trend zu Elektrofahrrädern und Pedelecs hält unvermindert an. Gerade Familien profitieren davon: Wer weniger gut bei Kondition ist, kann mit dem E-Bike an Steigungen mithalten. Zudem können bei den E-Bikes Kinderanhänger angebracht werden. Etliche Orte im Hochschwarzwald, die Bergwelt Südschwarzwald, der Kreis Freudenstadt, das Enztal oder der Kaiserstuhl bieten bereits einen umfangreichen Service an. Dazu gehören Verleihstationen, spezielle Karten mit erprobten Touren sowie Akku-Wechsel- und Ladestationen. Bei den Ladestationen gibt es bereits ein flächendeckendes Netz im Schwarzwald. Der Elektro-Radler kann seinen Akku kostenfrei aufladen, "in Routenabständen, die eine lückenlose Versorgung garantieren", verspricht Ulrike Lehmann von der Schwarzwald Tourismus GmbH. Die Ladestationen befinden sich vorwiegend in Gaststätten und Hotels. Lehmann: "Während des Mittagessens kann man den Akku wieder aufladen." Nach anderthalb Stunden hat er wieder 70 Prozent seiner Kapazität.

Das ist, sagt Steinbeis-Experte Klaiber, das Problem bei E-Autos, da der Ladevorgang fünf bis acht Stunden in Anspruch nimmt. Nur über Nacht oder tagsüber während des Besuchs in einem Bad oder einer längeren Wanderung kann das Fahrzeug wieder flottgemacht werden. "Niemand bleibt mit dem E-Auto liegen, aber der Tagesablauf muss schon gut geplant werden." Mittelfristig streben die Zumo-Partner an, dass sie im Schwarzwald jedem Gast einen Urlaub mit klimafreundlichen Pkw anbieten können. Klaiber: "Wir wollen einen Fahrzeugpool anschaffen, bei dem sich die Anbieter von touristischen Dienstleistungen dann die angefragten E-Autos holen können." Vielleicht schaffen es bis dahin ja auch die Fahrzeugbauer im Südwesten, dass sie mit von der Partie sind.

Schwarzwald

Das Projekt Zumo
Die einwöchige Pauschalreise für 2 bis 4 Personen kann während der Sommerferien wahlweise in der Region um Todtnau und Schönau oder in Schonach, Triberg und Furtwangen gebucht werden.

Unterkunft
Es gibt 160 Angebote (7 Übernachtungen in einer Ferienwohnung ab 299 Euro, Pension ab 369 Euro oder einem Hotel ab 439 Euro). Inbegriffen ist die An- und Abreise mit der Bahn und ein Mietwagen inkl. Ökostrom bzw. Biogas.

Allgemeine Informationen
www.zukunftsmobilitaet.de, www.schwarzwald-tourismus.info, Telefon 0761/896460; zu den Pauschalen www.zukunftsmobilitaet.info

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