Der deutschen Nationalmannschaft fehlt es beim 1:2 gegen Nordmazedonien an Klarheit und Leichtigkeit im Spiel. Muss sie jetzt gar um das Ticket zur Fußball-WM nach Katar 2022 bangen?
Duisburg - Joachim Löw hat es eilig gehabt. Früh schickte der Bundestrainer die Mannschaft aus der Halbzeitpause wieder auf den Rasen in Duisburg. Er selbst machte sich noch Notizen. Offenbar suchte Löw nach der Lösung für die Probleme gegen Nordmazedonien. Er fand sie jedoch nicht. Die Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) verlor das WM-Qualifikationsspiel mit 1:2 (0:1).
Die größte Chance für die Gastgeber vergab der eingewechselte Timo Werner. Ilkay Gündogan hatte ihn bedient, doch der Stürmer traf den Ball aus kurzer Entfernung nicht richtig und das Spielgerät kullerte vorbei (80.). Es wäre die Führung gewesen, und es war eine bezeichnende Szene an einem Abend, an dem sich die deutsche Mannschaft mühte, ihr aber die Klarheit und die Leichtigkeit fehlte.
Ilkay Gündogan übt Selbstkritik
„Das darf uns nicht passieren. Gefühlt waren die Nordmazedonier zweimal vor unserem Tor und haben zweimal getroffen“, sagte der Torschütze Gündogan. Damit hat sich die DFB-Elf blamiert und steht in der Gruppe J hinter Armenien und Nordmazedonien auf dem dritten Platz. Dennoch bleibt Platz eins das Ziel, ebenso wie die WM-Endrunde 2022 in Katar. Löw wird dann nicht mehr als Bundestrainer dabei sein. Weshalb in Spanien über ihn als künftigen Coach von Real Madrid spekuliert wird. Das mag dem 61-Jährigen schmeicheln, verankert ist er aber im Hier und Jetzt.
„Die Enttäuschung ist riesengroß, aber diese Situation haben wir uns selbst eingebrockt“, sagte Löw. Nur der Gruppensieger ist sicher bei der WM dabei. Mit Nordmazedonien traf die DFB-Mannschaft dabei im WM-Reigen auf den bislang stärksten Gegner. Und der Bundestrainer hatte sich etwas Neues überlegt, um den Gästen zu begegnen. Er entschied sich nicht nur dafür, mit Marc-André ter Stegen im Tor und Robin Gosens auf der linken Seite zwei neue Kräfte in die Mannschaft einzubauen, sondern er änderte auch die taktische Grundordnung.
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In der Abwehr knüpfte er mit Matthias Ginter, Antonio Rüdiger und Emre Can eine Dreierkette. Dadurch sortierte sich das Mittelfeld anders. Vor allem Kai Havertz schlüpfte in eine andere Rolle. Er agierte aus einer Halbposition heraus. Dennoch blieb eines gleich: Die DFB-Elf trat zunächst dominant mit zahlreichen Positionswechseln auf. Mit Leon Goretzka hatte ein weiterer Mittelfeldspieler die erste Chance. Der Münchner traf mit seinem Schuss jedoch nur die Latte (9.).
Danach zeigte sich weiter das Manko, das sich bereits in Rumänien (1:0) offenbart hatte: die schlechte Chancenverwertung. Serge Gnabry vergab zwei Möglichkeiten (27./31,). Und Havertz versäumte es, direkt zu schießen (34.). Eigentlich etwas für Werner. Doch der Stürmer vom FC Chelsea musste im dritten WM-Qualifikationsspiel zum dritten Mal erst einmal auf der Bank Platz nehmen. Was schon als Zeichen des Bundestrainers an den früheren Angreifer des VfB Stuttgart zu verstehen ist. Löw setzt vorne auf Serge Gnabry und Leroy Sané. Um sie herum kreiselten Ilkay Gündogan und Havertz.
Die deutsche Mannschaft wirkt müde
Nett ist das manchmal anzuschauen, aber gegen die aggressiven Nordmazedonier reichten die Ansätze nicht. Zumal die Osteuropäer sowohl technisch als auch taktisch geschickt auftraten. So leicht wie gegen die Isländer (3:0) hatten es die Deutschen also nicht. Die müde wirkende Löw-Elf musste schon körperlich dagegen halten. Als sie es nicht konsequent hinbekam, hieß es 0:1. Goran Pandev traf (45.). Zuvor hatte ter Stegen nach einem Freistoß den Rückstand verhindert (40.).
Nach dem Wechsel brachte Löw schnell in Werner und Amin Younes zwei Offensivkräfte, die über die Flügel für mehr Tempo sorgen sollten. Das war auch der Weg zum Ausgleich: Sané wurde im Strafraum zu Fall gebracht, Gündogan verwandelte den Elfmeter (63.). Dennoch blieb es eine zähe Angelegenheit, wobei die deutsche Mannschaft sogar Glück benötigte. Nach einem Eckball unterlief Can ein Handspiel im Strafraum. Die Pfeife von Schiedsrichter Sergej Karasev blieb jedoch stumm. Und einen Videoassistenten gab es nicht.
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Beim zweiten Tor durch Eljif Elmas (85.) benötigte ihn der Weltranglisten-65. nicht. Außer Rand und Band gerieten die Nordmazedonier anschließend beim Jubel. Die Sensation gegen den großen Favoriten war greifbar nahe und die Gäste verteidigten den Vorsprung gegen verzweifelt anrennende Deutsche leidenschaftlich. Ohne Struktur im Angriff war jedoch nichts zu machen. Weshalb die Diskussionen um den scheidenden Löw jetzt wieder heftiger werden dürften. Denn bei der EM warten in der Gruppenphase mit Frankreich und Portugal ganz andere Kaliber.