Außenminister Sigmar Gabriel mit der Künstlerin Anne Imhof in Venedig Foto: dpa

Anne Imhof bespielt den Deutschen Pavillon mit der beeindruckenden Performance „Faust“.

Venedig - Das Gebäude ist schwer gesichert. Ein hohes Gitter schließt es ein. Dahinter drehen vier Dobermann-Hunde ihre Runden. Im bis unter das Dach ganz weiß getünchten Inneren des deutschen Biennale-Pavillons bewegt man sich im Hauptsaal wie in den Nebenräumen auf einem erhöhten Glas­boden und zwischen Glaswänden. Alles erscheint kalt, steril, unnahbar und zugleich zerbrechlich. Ein Gefühl der Unsicherheit macht sich breit. Unter dem Boden und hinter den Glaswänden bewegen sich einige junge Männer und Frauen. Stumm, teilnahmslos bilden sie mit ihren Körpern Ensembles, die laufend wechseln. Lebende Bilder, die Machtbeziehungen erkennen lassen, Gewalt, seelische Verletzungen spürbar machen, aber auch Befreiungen andeuten. Das Glas schafft Distanz, es macht den Besucher mit seinen Blicken andererseits aber zum Beteiligten.

Anne Imhof hat den deutschen Beitrag bei der diesjährigen Kunstbiennale eingerichtet und diese albtraumhafte Performance mit dem Titel „Faust“ inszeniert, die in voller Länge fünf Stunden dauert, aber auch in kürzeren Fassungen aufgeführt wird. Zudem, sagt die 38jährige Künstlerin aus Frankfurt, sei es dem Besucher überlassen, wie lange er selbst Teil des Stückes und der Choreografie bleiben möchte. Anne Imhof hat, nachdem sie 2012 mit dem Absolventenpreis der Städelschule ausgezeichnet worden war, eine steile internationale Karriere hin­gelegt. Ihr Stück „Angst“ wurde 2016 jeweils erweitert und verändert in Basel, Berlin und Montreal aufgeführt. Viele der Mitarbeiter, die in Venedig dabei sind, bringen diese Erfahrung jetzt auf der Biennale ein. In „Faust“ bewegen sie sich hinter Glas in ausgeschlossener Gesellschaft.

Außenminister Sigmar Gabriel, der den Pavillon am Donnerstagabend eröffnete, kommentierte die Arbeit von Anne Imhof nicht. Er plädierte jedoch grundsätzlich für eine Kunst und Kultur, die „Augen, Seelen und Hirne öffnet“. Der Deutsche Pavillon, wie immer vom Institut für Auslandsbeziehungen für die Biennale koor­diniert, scheint in diesem Jahr ein guter Raum dafür.

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