Deutsche Meisterschaft im Hufeisenwerfen Ruhige Hand und heißes Eisen

Von wei 

Beim Hufeisenwerfen ist höchste Konzentration gefragt. Foto: Frank Eppler
Beim Hufeisenwerfen ist höchste Konzentration gefragt. Foto: Frank Eppler

Was Nashville im US-Bundesstaat Tennessee für Countrymusikfans bedeutet, ist Schwaikheim für deutsche Hufeisenwerfer. Am Wochenende wurde dort die deutsche Meisterschaft ausgetragen.

Schwaikheim - Trotz seines schwarzen Cowboyhuts muss der braungebrannte Desperado die Augen im Sonnenlicht zusammenkneifen. Er fixiert sein Ziel, seine Hand greift nach unten, schnellt hoch – doch kein Schuss peitscht, kein Gegner geht tödlich getroffen in die Knie. Statt dessen ein metallisches Klirren. Das geworfene Hufeisen verfängt sich an dem Eisenpflock –  Volltreffer, drei Punkte.

Am Wochenende sind Westernenthusiasten aus ganz Deutschland nach Schwaikheim gereist, um die besten Hufeisenwerfer der Bundesrepublik zu bestimmen. Denn was Nashville im US-Bundesstaat Tennessee für Countrymusikfans bedeutet, ist Schwaikheim für deutsche Hufeisenwerfer. Der Ehrenpräsident der hiesigen Country- und Westernfreunde (CWF), Willy Räse, hat den Sport 1987 aus den USA nach Deutschland mitgebracht. „Und etwas später auch die German-Regeln aufgestellt“, erinnert sich der Mann mit dem Buffalo-Bill-Bärtchen. Denn im Land der unbegrenzten Möglichkeiten fliegen die Eisen ein wenig anders als hier, im Land der Dichter und Denker.

In Deutschland werden die Eisen etwas anders geworfen als in den USA

Das gilt nicht nur für die Regeln der jeweiligen Disziplinen, sondern auch für das Rahmenprogramm: Statt Stars and Stripes weht in Schwaikheim allerorts Schwarz-Rot-Gold, aus den Lautsprechern stampfen nicht nur Johnny Cash, Hank Williams und Co., sondern auch Helene Fischer und Konsorten. Und auf dem Spielfeld, wo sich der original-amerikanische Cowboy mit einem Lehmplatz zufrieden gibt, prangt in Schwaikheim trotz der Hitzewelle im Sommer frisch gezogener, üppiger Rasen – das Betreten desselben wird in der Runde ebenso missbilligend zur Kenntnis genommen wie die nackten Füße eines Teilnehmers.

Vollständig germanisiert ist das Event freilich nicht: Die Linedancer der CWF treten auf, die Band Tennessee Roadkill (aus dem nicht im Wilden Westen, sondern etwas östlich von Schwaikheim gelegenen Winnenden) sorgt für authentische Beschallung.

Das nächste Großevent findet für die Country- und Westernfreunde dann in der Schweiz statt: Im Jahr 2020 sind dort die Europameisterschaften. Bis dort die Eisen um die Wette fliegen können, müssen sich die einzelnen nationalen Verbände allerdings noch auf ein Prozedere einigen – denn auch dort wirft man bisher anders.

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