Weitsprung-Olympiasiegerin Heike Drechsler nennt Gründe für das schlechte Abschneiden des Deutschen Leichtathletik-Verbandes bei der WM in den USA und fordert unter anderem mehr Geld für die Nachwuchsarbeit.
Die frühere Weltklasse-Weitspringerin Heike Drechsler fehlt im internationalen Vergleich die Breite in der deutschen Leichtathletik. Welche Vorschläge die 57-Jährige hat, verrät sie im Interview.
Frau Drechsler, wie haben Sie den Gold-Sprung von Malaika Mihambo verfolgt?
Live am TV. Als Leichtathletik-Fan schaut man nicht auf die Uhrzeit. Ich bin um 6 Uhr ins Bett und konnte lange nicht einschlafen.
Was zeichnet sie aus?
Malaika ist eine leidenschaftlicher Kämpferin, die den Kick und den Nervenkitzel im Wettkampf braucht. Sie lässt sich auch von zwei Fehlversuchen nicht aus der Ruhe bringen. Sie weiß, was sie kann und ist jetzt über Jahre hinweg in ihren Leistungen sehr stabil.
War ihr zweiter WM-Titel nach 2019 ein Trostpflaster für die miese deutsche Medaillenbilanz?
Es war kein Trostpflaster. Malaika war ja Favoritin in ihrem Wettkampf. Nein, wir haben nun mal die Athleten, die in Eugene am Start waren. Sie geben ihr Bestes. Aber wir verlieren den Anschluss an die Spitze und müssen aufpassen, dass wir nicht untergehen.
Woran liegt das?
Die internationale Breite ist größer geworden. Andere Länder schlafen nicht, und wir können nicht mehr so wie früher mit unserem Fachwissen punkten.
Was ist zu tun?
Wir müssen es schaffen, junge Leute in der Breite von unten heraus viel stärker fördern. In Afrika zum Beispiel gibt es einen ganz anderen Anreiz, Sport zu treiben. In diesen Ländern lässt sich durch den Sport ein Status in der Gesellschaft erreichen.
Also?
Müssen wir mehr Geld in die Hand nehmen für die Nachwuchsarbeit. Gute Trainer müssen gut bezahlt werden. Das ist die Basis. Wir haben leider nicht die Breite, und nur über die Breite lässt sich die Spitze entwickeln. Wir haben solche Highlights wie Malaika, aber wir brauchen mehr Malaikas.
Viele investieren aber nicht in den Leistungssport, da sie nicht wissen, ob sie ganz oben ankommen.
Genau diese Angst muss man ihnen nehmen. Deshalb müssen auch die guten Leistungen der Athleten besser bezahlt werden. Noch etwas könnte eine Hilfe sein.
Bitte.
Ein Wissens- und Ideenaustausch mit ehemaligen Spitzenathleten könnte dem Verband Impulse bringen. Höhepunkte wie die anstehende EM helfen genauso. Olympische Spiele in Deutschland wären natürlich das Größte, das würde junge Leute anziehen.