Der letzte Tag der Olympischen Spiele im Berliner Olympiastadion 1936. Foto: akg-images

Lebensgroß in Aktion zeigt eine Ausstellung 17 deutsch-jüdische Sportstars verschiedenster Disziplinen in Zeiten des Nationalsozialismus. Die Schau im Berliner Olympiastadion, zusammengestellt von Sporthistorikern, informiert über deren Schicksal.

Berlin - Das Olympiastadion in Berlin ist nicht nur eine der prachtvollsten deutschen Sportstätten, es ist auch eine der geschichtsträchtigsten. Das architektonisch gigantische Bauwerk und die aufgerauten Muschelkalkplatten, die dieses verkleiden, erinnern bis heute an die Zeit seiner Entstehung – an die Zeit des Nationalsozialismus. Vor allem die Olympischen Spiele 1936, die Diktator Adolf Hitler für seine NS-Propaganda missbrauchte, werden für immer mit dem Stadion der Superlative am Rande Charlottenburgs verbunden sein. Und genau hier, ­hinter der Nordkurve, rauscht nicht nur deutlich hörbar das Wasser des benachbarten Sportbads. Hier läuft nun auch eine Open-Air-Ausstellung, die in die dunkle Vergangenheit zurückblickt und deutsch-jüdische Sportlerpersönlichkeiten ehrt. Ihr Titel lautet: „Zwischen Erfolg und Ver­folgung – Jüdische Stars im deutschen Sport bis 1933 und danach“. Die Autoren der informativen Schau sind Sporthistoriker der Universitäten Potsdam und Hannover, die beim Zusammentragen des Materials mit mehreren Sportverbänden und dem Verein Zentrum deutsche Sportgeschichte zusammengearbeitet haben.

Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen 17 deutsche Juden, die zu den Sportidolen ihrer Zeit gehörten: Rudi Ball (Europameister im Eishockey), Hermann Baruch (Europameister im Ringen), Julius Baruch (Europameister im Gewichtheben),Walther Bensemann (Mitbegründer des Deutschen Fußball-Bundes und des Fachmagazins „Kicker“), Gretel Bergmann (britische und mehrfache US-amerikanische Meisterin im Hochsprung ­sowie im Kugelstoßen), Alfred Flatow (Olympiasieger am Barren und Reck), Gustav Felix Flatow (Olympiasieger am Barren und Reck), Gottfried Fuchs (Nationalspieler im Fußball), Lilli Henoch (zehnfache deutsche Meisterin in verschiedenen Disziplinen der Leichtathletik), Julius Hirsch (Nationalspieler im Fußball), Martha Jakob (deutsche Meisterin im Speerwurf), Ralph Klein (Spieler und späterer israelischer und deutscher Nationaltrainer im Basketball). Emanuel Lasker (Weltmeister im Schach), Helene Mayer (Olympiasiegerin und Europameisterin im Fechten), Nelly Neppach (deutsche Meisterin im Tennis) und Erich Seelig (deutscher Meister im Boxen, Halbschwergewicht).

Hinzu kommt die Schwimmerin Sarah Poewe, die 2004 in Athen als erste jüdische Athletin nach dem Zweiten Weltkrieg eine olympische Medaille für Deutschland gewann. Dadurch werde eine Brücke zur Gegenwart geschlagen, sagt Historiker Berno Bahro.

Auf der Vorderseite der Skulpturen begegnen die Sportler dem Betrachter lebensgroß in Aktion

Sechs der 17 Athleten wurden von den ­Nazis deportiert und ermordet, die anderen konnten sich ins Exil retten. Die im ­oberschwäbischen Laupheim bei Biberach geborene Gretel Bergmann zum Beispiel lebt mittlerweile in New York. Im April feierte sie ihren 101. Geburtstag.

Die Exponate sind Skulpturen aus Plexiglas, die auf weiß verkleideten Sockeln aus Holz befestigt sind. Auf der Vorderseite begegnen die Sportler dem Betrachter lebensgroß in Aktion. Zum Beispiel Fußball-Nationalspieler Julius Hirsch, der nach einem Tor jubelt, oder der Schachweltmeister Emanuel Lasker, der am Schachtisch sitzend seinen nächsten Zug überdenkt. Auf der Rückseite der Figuren geben ein Steckbrief mit Geburtsdatum, (letztem) Wohnort und größten Erfolgen, ein biografischer Text und mehrere kleine Fotos einen Einblick in das Leben der Legenden. Sogenannte QR-Codes ermöglichen dem Betrachter zudem, auf dem Smartphone online Videos anzusehen und historische Originaltöne anzuhören.

Die Ausstellung läuft noch bis zum ­16. ­Januar 2016 und kann während der ­Öffnungszeiten des Olympiastadions ­besucht werden.

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