In der Wohnstadt Asemwald ist wegen der Pandemie in den 38 Lifts ein Desinfektionssystem eingebaut worden, dem einige Bewohner skeptisch bis ängstlich gegenüber stehen. Worum handelt es sich dabei?
Asemwald - Irgendeiner hat kurzen Prozess gemacht, hat in einem der Aufzüge den Strahler aus der Deckenverkleidung gerissen. „Der Widerstand der Bewohner ist groß“, kommentiert Matthias Bessing. Er meint das neue Desinfektionssystem in den Aufzügen im Asemwald, vor dem sich laut Bessing einige Bewohner der Wohnstadt fürchten. „Ich weiß nicht, ob die Verwaltung weiß, was sie da tut“, sagt Bessing.
Der Asemwalder ist Physiotherapeut, doch wenn er über die neuen UV-C-Technik in den Hochhaus-Lifts spricht, klingt er, als wäre er vom Fach. Er hat sich eingearbeitet, das Thema war ihm aber nicht fremd. Im medizinischen Bereich habe er seit 25 Jahren mit UV-C-Strahlung zu tun, und deshalb habe er gute Gründe, das, was da in die Lifts eingebaut worden sei, mit Skepsis zu betrachten.
38 Aufzüge im Asemwald ausgestattet
In dem Asemwald-Haus, in dem er wohne, überlege man sich, Unterschriften gegen die UV-C-Lösung zu sammeln. Von der seien die Bewohner der Wohnstadt vergangenes Jahr überrumpelt worden. Einen Eigentümerbeschluss hat es dazu nicht gegeben, die Pandemie hatte eine Versammlung im vergangenen Jahr nicht zugelassen. Der Verwaltungsbeirat, ein Gremium der Eigentümer, hatte jedoch zugestimmt, wie er unserer Zeitung im März 2021 sagte.
Aufgrund der Coronapandemie hat die Hausverwaltung Klauß & Partner Desinfektionssysteme in die Aufzüge einbauen lassen. Die Lifts werden aktuell ohnehin saniert, die Maßnahme gegen die Verbreitung von Viren ist nachträglich dazugekommen. Laut Stefan Geiger von der Hausverwaltung seien inzwischen alle 38 Aufzüge mit Luftfiltern und UV-C-Lampen ausgestattet worden. Diese Aufrüstung hat die Eigentümer alles in allem rund 135 000 Euro gekostet. „Eine Totinvestition“, sagt Bessing. Denn er gehe nicht davon aus, dass das System jemals ans Netz genommen werde. Laut Stefan Geiger von der Hausverwaltung ist aber eben dies für den 19. Mai geplant.
Sachverständiger hat UVC-Lampen geprüft
Die UV-C-Lampen waren bereits in Betrieb, wurden aber vorsorglich wieder abgeschaltet, nachdem Sicherheitsbedenken in der Wohnstadt laut geworden waren. Davon ist zum einen in der März-Ausgabe der Bewohnerzeitschrift „Asemwald intern“ zu lesen, zum anderen will Matthias Bessing von einer Frau erfahren haben, der sich ein UV-C-beleuchteter Aufzug geöffnet habe. Der Hausverwalter Geiger bestätigt, dass die Lampen einstweilen abgeschaltet worden seien, dass nun aber ein unabhängiger Gutachter Entwarnung gegeben habe und die Lampen deshalb in den Betrieb gehen könnten. „Es ist ein sensibles Thema“, sagt Geiger. Der Sachverständige habe aber die Einschätzung abgegeben, dass die Lampen „ungefährlich sind, selbst wenn sie an sind“, sagt er.
Das Bundesamt für Strahlenschutz warnt davor, UV-C-Entkeimungsgeräte am Körper einzusetzen. Für die Augen und die Haut stelle dies ein Risiko dar. Trifft UV-C-Strahlung auf menschliche Zellen, kann sie DNA-Schäden anrichten, Zellen mit durch UV-C-Strahlung gesetzten Schäden im Erbgut können zu Krebszellen entarten. „Aus Sicht des Strahlenschutzes als relativ unbedenklich einzuschätzen sind abgeschlossene Systeme, bei denen die UV-C-Strahlungsquelle in einer geschlossenen Einheit verbaut ist oder durch Abschirmung der Quelle sichergestellt ist, dass anwesende Personen keiner UV-C-Strahlung ausgesetzt sind“, erklärt Cornelia Baldermann, Referentin im Fachgebiet Optische Strahlung beim Bundesamt. UV-C-Strahlung könne aber auch offen in den zu desinfizierenden Raum abgegeben werden. Solche Systeme würden beispielsweise in biologisch-wissenschaftlichen Laboren oder medizinischen Einrichtungen genutzt. „Der Einsatz solcher Systeme ist aus Sicht des Strahlenschutzes nur dann unbedenklich, wenn die Anwesenheit von Personen ausgeschlossen ist“, erklärt Cornelia Baldermann.
Worum handelt es sich bei dem System im Asemwald?
Und wie funktioniert das System im Asemwald? „Durch das ultraviolette Licht einer zyklisch einschaltenden UV-C-LED-Lampe in der Kabinendecke werden die Kabinenoberflächen sterilisiert“, legt Peter Veit in „Asemwald intern“ dar. Er ist der Projektleiter einer externen Firma für die Aufzugssanierung. Ein Bewegungsmelder detektiere, „ob sich eine Person in der Kabine befindet und verhindert gegebenenfalls, dass sich die UV-C-LED-Lampe beim Lokalisieren einer Person einschaltet“, heißt es dort weiter. Auf Anfrage unserer Zeitung erklärt Veit: „In den Aufzügen im Asemwald wurden Kabinenlüfter mit HEPA 14 Filter verbaut. Systemisch untergeordnet wird bei diesem System eine LED UV-C Lampe in zyklischen Abständen mit hinzugeschaltet.“ Dabei handele es sich um ein Luftdesinfektionssystem. „Bei den im Asemwald verbauten Luftdesinfektionssystemen wird die LED UV-C-Lampe nur dann in Betrieb gesetzt, wenn sich keine Person in der Aufzugskabine aufhält.“ In „Asemwald intern“ teilte er mit, dass das System nach EN ISO 1464 geprüft sei, einer auch in der Medizintechnik angewandten Norm für Reinräume und zugehörige Reinraumbereiche.
Fragt sich, ob die Verwaltung damit durchdringt. Denn viele, sagt der Asemwald-Bewohner Matthias Bessing, verstünden nach wie vor nur Bahnhof.