Der Wechsel von Nicolas Gonzalez ist perfekt, der AC Florenz zahlt mindestens 24 Millionen Euro für den Stürmer. Der VfB könnte also zufrieden sein – muss aber wohl um einen anderen Stürmerstar bangen.
Stuttgart - Auf den ersten Blick hat Nicolas Gonzalez Verlässlichkeit gebucht. Der Vertrag, den der bisherige Angreifer des VfB Stuttgart beim italienischen Erstligisten AC Florenz unterschrieben hat, gilt für die kommenden fünf Jahre. Aber: Manchmal ändern sich Dinge ja auch recht schnell – wie kürzlich eben in der toskanischen Metropole.
„Benvenuto Rino“ titelte der Club, der bekannt ist für seine lilafarbenen Trikots am 25. Mai und begrüßte damit Gennaro Gattuso als neuen Trainer. In einem Statement am 17. Juni wurde dann die vollzogene Trennung verkündet. Der frühere italienische Nationalspieler wollte den Trainerjob bei der Fiorentina dann doch nicht mehr, angeblich gab es Streit über die Transferpolitik. Diese wiederum führte dazu, dass es am Mittwoch hieß: „Bienvenido Nico.“
Lesen Sie aus unserem Angebot: Unser Blog zum Transfergeschenen rund um den VfB
Nicolas Gonzalez also weiß zwar noch nicht, unter welchem Coach er in Florenz künftig trainieren wird. Was er aber längst wusste: dass er die nächste Chance, den VfB Stuttgart nach 79 Pflichtspielen (23 Tore) in drei Jahren zu verlassen, wahrnehmen möchte. Beim letztjährigen Aufsteiger hätte man sich aus sportlicher Sicht auch ein weiteres Jahr mit dem argentinischen Nationalspieler vorstellen können. Das finanzielle Angebot der Italiener aber überzeugte letztlich auch die VfB-Oberen. Kein Wunder.
Der VfB war auf Einnahmen angewiesen
24 Millionen Euro werden als Fixsumme auf das Stuttgarter Konto überwiesen für Gonzalez, der einst für 8,5 Millionen Euro zum VfB kam. Über Bonuszahlungen können in den kommenden Jahren drei bis vier weitere hinzukommen. Viele Millionen also, die, gerade in Zeiten, in denen Coronalöcher gestopft werden müssen, einen entspannenden Batzen darstellen. Und die Gonzalez in der Reihe der VfB-Rekordverkäufe auf Platz drei spült. „Durch den Transfer erzielen wir wichtige Einnahmen für den VfB und haben dem Wechsel deshalb zugestimmt“, sagt Sven Mislintat, der Stuttgarter Sportdirektor, und betont: „Nico ist beim VfB zum argentinischen Nationalspieler geworden. Das ist sowohl für ihn als auch für uns als Club eine Auszeichnung und zeigt, dass der VfB eine sehr gute Adresse für ambitionierte Spieler ist.“
Lesen Sie aus unserem Angebot: Der VfB holt einen weiteren Japaner
Nur Benjamin Pavard und Mario Gomez brachten einst mehr ein, für beide erhielt der VfB je über 30 Millionen Euro. Gomez übrigens könnte Gonzalez berichten, wie es in Florenz so ist. Zwei Jahre lang stürmte der Ex-Angreifer für die Fiorentina. Die (bange) Frage, die man sich in Stuttgart nun stellt ist: Wer stürmt künftig für den VfB? Eine klare Sache ist das längst nicht mehr.
Sasa Kalajdzic hat in der vergangenen Saison das oftmalige verletzungsbedingte Fehlen von Nicolas Gonzalez und später Silas Katompa Mvumpa zwar vergessen gemacht – der österreichische Schlaks erzielte 16 Treffer. Und er besitzt einen Vertrag bis zum Sommer 2023. Ihn als sicheren Fixpunkt für die kommende Bundesligasaison zu bezeichnen, birgt aber ein Risiko. Das nicht kleiner wird, sollte im europäischen Stürmer-Domino irgendwann die ersten Steine fallen.
Wer stürmt künftig für den VfB?
Einer dieser Steine ist vermutlich Harry Kane. Der Kapitän der englischen Nationalmannschaft steht bei Tottenham Hotspur vor dem Abschied. Bis 2024 läuft Kanes Vertrag zwar noch, angeblich ist Manchester City aber bereit, über 100 Millionen Euro zu zahlen. Mögliche Ersatzkandidaten werden längst gehandelt. Romelu Lukaku (Inter Mailand) etwa – und eben Kalajdzic. Am zwei Meter langen Österreicher soll zudem auch der AC Milan Interesse haben.
Lesen Sie aus unserem Plus-Angebot: Fragen und Antworten zum Regenbogen-Streit
Konkret ist noch nichts, doch der Stürmer hat sich mit Treuebekenntnissen in der Endphase der Saison schön zurückgehalten, längst wissend, dass er durch seine starke Saison mit dem VfB und dem Aufstieg zum Nationalspieler und EM-Teilnehmer eine heiße Nummer auf dem internationalen Stürmermarkt geworden ist. Im Umfeld des Wieners soll man Kalajdzic den nächsten Karriereschritt hin zu einem europäischen Topclub durchaus zutrauen – bei der EM hat er vor allem nach seiner Einwechslung im Spiel gegen die Niederlande (0:2) überzeugt. Dass ihm im darauffolgenden Spiel gegen die Ukraine Marko Arnautovic (1:0) vorgezogen wurde, war dann eher nicht nach dem Geschmack des schlagfertigen Angreifers. Zum EM-Beginn war er gegen Nordmazedonien (3:1) Startelf-Spieler gewesen.
Klar ist: Bei entsprechendem Interesse wird auch Sasa Kalajdzic die Alternativen abseits des VfB ganz genau prüfen. Sicher ist aber auch: Zum Schnäppchenpreis gibt’s den Österreicher ganz sicher nicht. Mit den Verkäufen von Gonzalez und Torhüter Gregor Kobel (für 15 Millionen Euro zu Borussia Dortmund) hat Sven Mislintat sein Soll in Sachen Transfereinnahmen bereits erfüllt. Sollte Kalajdzic am Ende dennoch noch in diesem Sommer Stuttgart verlassen, hätte die Rangliste mit Pavard, Gomez und Gonzalez wohl einen neuen Spitzenreiter. Und der VfB Stuttgart ein verwaistes Sturmzentrum.